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Ex-Notenbankchef holt sich Nobelpreis

10.10.2022 • 13:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ex-Fed-Chef Ben Bernanke
Ex-Fed-Chef Ben Bernanke AP

Wirtschaftsnobelpreis geht heuer an den Ex-Fed-Chef Ben Bernanke.

Zum Abschluss der diesjährigen Nobelpreis-Bekanntgaben wurden am Montag die Preisträger in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften verkündet. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet drei US-Ökonomen mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften aus: Ex-Fed-Chef Ben Bernanke (Brooklings Institute) sowie Douglas Diamond (University of Chicago) und Philip Dybvig (Washington University).

Die Wirtschaftsexperten erhalten die prestigeträchtige Auszeichnung “für ihre Erforschung von Banken und Finanzkrisen”, wie der Generalsekretär der Akademie, Hans Ellegren, bei der Bekanntgabe auf dem Universitätsgelände der schwedischen Hauptstadt sagte. Diamond und Dybvig entwickelten zusammen ein Modell für die Beschreibung von finanziellen Schieflagen im Bankensektor, das eine zentrale Rolle in der Regulierung der Finanzmärkte spielt. Bernanke war während er Finanzkrise Präsident der US-Notenbank Fed (2006 bis 2014) und setzte in dieser Funktion neue Bankenregulierungen um.

Ausgezeichnetes Trio: Bernanke, Diamond, Dybvig
Ausgezeichnetes Trio: Bernanke, Diamond, DybvigAP

Vergangenes Jahr waren die in den USA forschenden Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens mit der prestigeträchtigen Auszeichnung geehrt worden.

Bereits in der vergangenen Woche waren die Nobelpreisträgerinnen und -träger in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekannt gegeben worden. Dotiert sind alle Nobelpreise in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen – umgerechnet sind das derzeit rund 920.000 Euro.

Von Reichsbank gestiftet

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ist der einzige der Nobelpreise, der nicht auf das Testament von Dynamit-Erfinder und Preisstifter Alfred Nobel (1833–1896) zurückgeht. Er wird seit Ende der 1960er-Jahre von der schwedischen Reichsbank gestiftet und zählt somit streng genommen nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Dennoch wird er ebenso wie die weiteren Nobelpreise an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, feierlich überreicht.

Mit ihm ausgezeichnet wurden bisher besonders häufig Wissenschaftler aus den USA – nach Einschätzung deutscher Ökonomen dürfte es dabei auch in diesem Jahr bleiben. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, betrachtet zum Beispiel die beiden US-Ökonomen Maurice Obstfeld und Kenneth Rogoff als zwei mögliche Kandidaten. Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), nennt die US-Professoren Timothy Bresnahan und Michael Porter sowie den israelisch-amerikanischen Ökonomen Ariel Pakes. Clemens Fuest, Präsident des Münchner Ifo-Instituts, favorisiert dagegen den österreichisch-schweizerischen Ökonomen Ernst Fehr.

Seit der ersten Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises war bisher erst ein Österreicher unter den Preisträgern: Der österreichische liberale Ökonom Friedrich August von Hayek erhielt 1974 den Preis gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal für Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie. Auch in Deutschland gab es bisher nur einen Preisträger: Der Bonner Wissenschaftler Reinhard Selten erhielt ihn 1994 gemeinsam mit John Nash und John Harsanyi für ihre wegweisenden Beiträge zur nicht-kooperativen Spieltheorie.

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