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IV kritisiert Bedarfsstudie zum Güterverkehr

11.10.2022 • 20:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
IV-Geschäftsführer Christian Zoll (l.) und IV-Vizepräsident Hubert Rhomberg.<br><span class="copyright">Steurer</span>
IV-Geschäftsführer Christian Zoll (l.) und IV-Vizepräsident Hubert Rhomberg.
Steurer

IV sieht Güterverkehr-Ausbau in Gefahr – von Land und ÖBB in Auftrag gegebene Studie gehe von falschen Annahmen aus.

Die Studie, die von der Industriellenvereinigung (IV) in Zweifel gezogen wird, wurde im Jahr 2020 vom Land und er ÖBB beim Schweizer Planungsbüro SMA und Partner AG in Auftrag gegeben. Untersucht wurde darin, welcher Gleis-Infrastrukturbedarf sich bis 2040 ergibt. Die Expertise diente in weiterer Folge als Grundlage für das kürzlich veröffentlichte Güterverkehrskonzept 2022, zudem sind die Erkenntnisse aus der betreffenden Studie auch in die Variantenuntersuchung zur baulichen Umsetzung zusätzlicher Gleisanlagen eingeflossen.
Am Dienstag bauten sich nun IV-Geschäftsführer Christian Zoll und IV-Vizepräsident Hubert Rhomberg plakativ auf dem Gleisanschluss beim Rhomberg-Steinbruch auf, um ihre Kritik an ebendieser Studie kundzutun.

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Eigene Analyse

Die Interessensvertreter berufen sich dabei auf eine Analyse eines gewissen Ralf Chaument, Experte für Verkehrswirtschaft und Eisenbahnwesen. Dieser habe die von Land und ÖBB in Auftrag gegebene Studie anhand eines konkreten Beispiels analysiert. Demnach soll die für den Bereich des Industriegebiets Wallenmahd in Dornbirn prognostizierte Nachfrage massiv unterschätzt worden. Während man in der Studie des Landes von insgesamt sechs Güterzügen in einem Tageszeitraum ausgegangen ist, kommt der von der IV hinzugezogene Experte auf 27 Güterzüge pro Tag. „Dieser Wert übertrifft teils sogar die Prognosen für 2040“, so Rhomberg. Außerdem seien die morgendlichen Stoßzeiten im bevorrangten Personen-Schienenverkehr und sogenannte Überstellfahrten von Güterzügen nicht berücksichtigt worden. Da dieser gegenüber dem Güterverkehr bevorzugt behandelt werde, würden diese den Güterverkehr verzögern und dessen Situation verschlechtern. Rhomberg und Zoll kritisieren, dass nicht mit betroffenen Unternehmen gesprochen wurde und fordern nun eine „fundierte Analyse“ unter Einbeziehung der verladenden Industrie.

Landesrat Daniel Zadra. <span class="copyright">hartinger</span>
Landesrat Daniel Zadra. hartinger

Reaktion von Landesräten Zadra und Tittler

Beim für die Eisenbahninfrastruktur verantwortlichen Landesrat Daniel Zadra (Grüne) stößt die Kritik auf Unverständnis. Er machte auf NEUE-Anfrage zunächst darauf aufmerksam, dass die IV bei der Erstellung des Güterverkehrskonzepts ebenfalls eingebunden gewesen sei. Zur Zahlen-Diskrepanz wollte er sich nicht näher äußern. „Ich lasse mich jetzt hier nicht auf Zahlenspiele ein. Die Studie wird natürlich von unserer Fachabteilung geprüft“. Klar sei, dass es ein drittes und viertes Gleis brauche, wichtig sei jetzt, dass die Flächen gesichert werden.

Landesrat Marco Tittler. <span class="copyright">Hartinger</span>
Landesrat Marco Tittler. Hartinger


Ähnlich sieht es der für Raumplanung und Verkehr zuständige Landesrat Marco Tittler (ÖVP), der auch das Güterverkehrskonzept zu verantworten hat. Das Konzept habe sich ganz grundsätzlich mit der Frage beschäftigt, wie der Anteil des Güterverkehrs gesteigert werden könne. Er weist darauf hin, dass im Konzept explizit erwähnt wurde, dass die verladenden Unternehmen bei der Erhebung des Bedarfs miteinbezogen werden müssen. Jörg Stadler

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