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ÖBB: Oberirdische Trasse bleibt Favorit

24.10.2022 • 22:50 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Seit Jahren wird über den Ausbau der Bahntrasse im Großraum Bregenz diskutiert. <span class="copyright">NEUE</span>
Seit Jahren wird über den Ausbau der Bahntrasse im Großraum Bregenz diskutiert. NEUE

ÖBB erteilen unterirdischem bergmännischen Ausbau der Bahntrasse klare Absage. Lösungssuche bis 2023.

Der Ausbau der Bahn im unteren Rheintal beschäftigt seit Jahren Politik, Wirtschaft und Bevölkerung. Im Sommer war die von ÖBB und Land favorisierte Variante präsentiert worden: oberirdisch mit zwei- bzw. dreigleisigem Ausbau. Die Aufregung und der Unmut waren groß, wird doch von den Anrainergemeinden wie mehrfach berichtet eine unter­irdische Alternative gefordert.

Variantenuntersuchung


Am Montagnachmittag wurden nun den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden und den Zuständigen der Landtagsparteien die Ergebnisse einer sogenannten Variantenstudie präsentiert. Erstellt wurde die Analyse vom Büro Werner Consult im Auftrag der ÖBB-Infrastruktur AG und des Landes. Untersucht wurden vier Varianten: eine Unterflurtrasse in offener Bauweise, die Variante mit oberirdischer ­Trassenführung ohne Untertunnelungen, eine Mischvariante mit ober- und unterirdischen Anteilen sowie eine Variante Unterflurtrasse in geschlossener (bergmännischer) Bauweise.

Der zuständige Landesrat Daniel Zadra. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der zuständige Landesrat Daniel Zadra. Hartinger

Ortsbilder erhalten

Bereits im Vorfeld der Präsentation hatte Mobilitätslandesrat Daniel Zadra an die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sowie an die ÖBB und das Klimaschutzministerium appelliert, „das öffentliche Interesse und die damit verbundenen Ziele in den Vordergrund zu stellen“. Zugleich betonte er, dass er die Ortsbilder der betroffenen Gemeinden, insbesondere im sensiblen Bereich des Seeufers, erhalten und die örtliche Bevölkerung nicht durch zusätzlichen Lärm belasten wolle.
Es sei ihm ein „besonders großes Anliegen, im Zuge des Bahnausbaus so wenig wie möglich in Privateigentum einzugreifen – weder will ich Grundstücksbesitzer enteignen, noch will ich Wohnhäuser abreißen lassen“.

Keine Empfehlung

Letzteres wäre bei einer unterirdischen bergmännischen Variante der Fall gewesen, und der wurde gestern von Seiten der ÖBB eine klare Absage erteilt. „Für diese Variante liegt von den Experten keine Empfehlung vor, da sie in den meisten Kriterien schlecht bzw. sehr schlecht abschneidet“, teilte ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair mit. Gründe dafür lieferte er mehrere. So sei nicht nur die technische Umsetzung bei den vorherrschenden beengten Platzverhältnissen sehr herausfordernd. Es hätten auch vor allem die Rampenbereiche in Lochau und Lauterach mit sehr großen Auswirkungen zu kämpfen.
Konkret müsste eine hohe Anzahl an Häusern abgetragen werden. Für die Baustelleneinrichtung bräuchte es große Flächen, und die Auswirkungen auf die Anrainer während der Bauzeit in Hinblick auf Lärm und Erschütterung wären massiv. Dazu kämen eine Querung von Grundwasser-Schutzgebieten und nicht zuletzt hohe Bau- und Instandhaltungskosten.
Zusätzlich müsste man die Haltestelle Bregenz-Hafen auflassen, den Bahnhof Bregenz unter die Erde verlegen – was bergmännisch sehr aufwendig sei – sowie die Haltestellen Bregenz-Riedenburg, Lauterach und Lauterach-Nord technisch komplex auf jeweils mehreren Ebenen neu errichten, so die weitere Argumentation. Deshalb plädieren die ÖBB laut eigenen Angaben weiterhin für die Variante, die sich bei der Studie als verträglichste herauskristallisiert hat – die Variante in Niveaulage, also „oberirdisch“, jene Variante, die schon im Sommer von den ÖBB präferiert wurde.

Elmar Rhomberg, Bürgermeister in Lauterach. <span class="copyright">hartinger</span>
Elmar Rhomberg, Bürgermeister in Lauterach. hartinger

Beste Lösung gesucht

Aus Sicht der Bürgermeister von Bregenz, Lochau, Hörbranz, Hard, Lustenau, Wolfurt und Lauterach ist allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen. Elmar Rhomberg, Gemeindechef in Lauterach und Sprecher der ­Interessensgemeinschaft „Unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz (IGUB)“, zeigte sich erfreut, dass sich alle Teilnehmer darauf einigen konnten, „die beste Lösung für die Region zu finden“. Er räumte allerdings ein, dass der Weg dorthin ein schwerer werde. Ein zweites bzw. drittes Gleis könne er sich jedenfalls nicht vorstellen. Landesrat Zadra teilte mit, dass es das erklärte gemeinsame Ziel sei, 2023 eine Variante in finalen ÖBB-Zielnetz 2040 einzumelden. Dafür müssten unter anderem raumplanerische Vorkehrungen getroffen werden, hier seien die Gemeinden und das Land gefordert. Auch Zadra sprach von verschiedensten Interessen, die nun „unter einen Hut gebracht werden müssen“. Kompatscher, Stadler

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