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Wie Elon Musk jetzt Twitter umkrempelt

31.10.2022 • 19:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elon Musk baut Twitter um
Elon Musk baut Twitter um APA/AFP/LIONEL BONAVENTURE

Hälfte der Beschäftigten muss gehen, neues Abomodell für Promis soll kommen.

Tech-Milliardär Elon Musk hat Twitter also für 44 Milliarden US-Dollar gekauft. Nun will er den Kurznachrichtendienst schleunigst umbauen, um das Unternehmen aus den roten Zahlen zu bringen. Nachdem er bereits das gesamte Management ausgetauscht hat, beschuldigt er nun auch das Board of Directors, so etwas Ähnliches wie der Aufsichtsrat, das im Rahmen der Übernahme Beweismittel unterschlagen hätte. Ein Schritt, der das Gremium schwächen könnte und Musk die alleinige Kontrolle über Twitter sichert.

In einem ersten Schritt sollen bis zu 50 Prozent der Belegschaft gekündigt werden. Der Finanzdienst Bloomberg schrieb, Musk habe Software-Entwickler des von ihm geführten Elektroautobauers in die Twitter-Zentrale geholt, um den Programmcode der Plattform zu begutachten. Musk hatte oft kritisiert, bei Twitter werde die Redefreiheit zu sehr eingeschränkt. Das weckte Sorgen, bei Twitter könnte es unter seiner Kontrolle mehr Hass und Hetze geben. Die Bildung des Inhalte-Rates könnte nun einen vorsichtigeren Kurs signalisieren.

Zwischen Hass und freier Rede

Zugleich sprang Musk auf eine Beschwerde aus dem rechten politischen Spektrum auf, wonach Twitter im Sinne “der Linken” zensiert werde. “Ich werde das prüfen”, schrieb er. Twitter solle keine der Seiten bevorzugen. Der Dienst fährt seit Jahren einen strikten Kurs gegen falsche Informationen zu Wahlen – und vor allem Trump-Anhänger sprechen von Zensur. Musk solidarisierte sich zuletzt politisch mit der weiter von Trump beherrschten Republikanischen Partei. Die Demokraten von US-Präsident Joe Biden seien zur “Partei der Spaltung und des Hasses geworden”, schrieb er im Mai bei Twitter.

Musk will nun ein neues Gremium zum Umgang mit kontroversen Inhalten schaffen. Bevor ein solcher Rat zusammentrete, werde es keine großen Entscheidungen zur Inhalte-Politik oder der Wiederherstellung von Accounts geben, schrieb er bei Twitter.

Doch am Sonntag verbreitete Musk selbst an seine 112 Millionen Follower eine rein spekulative Verschwörungstheorie über den Angriff auf den Politikergatten Paul Pelosi weiter. Der 82-jährige Ehemann der Vorsitzenden des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, war im Haus des Paars angegriffen und mit einem Hammer am Kopf verletzt worden. In der von Musk retweeteten Verschwörungstheorie wurde grundlos gemutmaßt, dass Pelosi in einen Streit mit einem Mann geraten sein könnte, den er selbst ins Haus gelassen habe. Die Polizei spricht eindeutig von einem Einbruch. Einige Stunden später war der Tweet gelöscht.

Zahlen für den blauen Haken

Eine mögliche neue Einnahmequelle sieht Musk in den Twitter-Accounts von Prominenten oder Politikern. Diese werden bisher von Twitter verifiziert und bekommen so ein blaues Häkchen. Das soll garantieren, dass hinter dem Tweet tatsächliche jene Person, jene Organisation steht, die auch im Twitter-Namen vorkommt.

Laut Medienberichten möchte Musk nun genau mit dieser Verifikation Geld verdienen. Bisher bekommt man die Symbole mit einem Häkchen, die die Echtheit des Twitter-Profils garantieren, kostenlos. In der Nacht zum Montag berichteten die Technologie-Blogs “Platformer” und “The Verge”, dass die Verifikationshäkchen künftig nur noch für Kunden des Abo-Angebots Twitter Blue verfügbar sein sollen. Es kostet aktuell 4,99 Dollar im Monat.

Überarbeitung

“The Verge” schrieb unter Berufung auf informierte Personen und interne Kommunikation aber auch, dass die Verifikation Teil einer neuen, teureren Blue-Version werden solle. Twitter wolle dafür 19,99 Dollar im Monat verlangen. Software-Entwicklern sei eine Frist bis zum 7. November gesetzt worden, die Funktion zu starten – oder sie würden gefeuert.

Musk selbst schrieb bei Twitter am Sonntag lediglich, das Verfahren zur Verifikation werde derzeit überarbeitet. Er hatte rund 44 Milliarden Dollar bezahlt. Das Geld kam teilweise aus Verkäufen seiner Aktien am Elektroauto-Hersteller Tesla – aber auch aus Beiträgen von Investoren und Krediten, die bedient werden müssen. Twitter hatte zuletzt rote Zahlen geschrieben.

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