Österreich

Halloween: Geplante Gewaltexzesse

01.11.2022 • 15:54 Uhr / 11 Minuten Lesezeit
Ausschreitungen in der Linzer Innenstadt
Ausschreitungen in der Linzer Innenstadt (c) FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR (FOTOKERSCHI.AT / KERSCHBAUMMAYR)

Ausschreitungen in Linz gingen vor allem von Jugendlichen mit Migrationshintergrund aus. Laut Polizei lief die Situation völlig aus dem Ruder.

Die Halloween-Nacht war in vielen Innenstädten und Orten Österreichs von Gewaltexzessen geprägt. So gab es 25 Verletzte durch Reizgas bei einer Party im Bezirk Amstetten. Schwere Ausschreitungen sah aber vor allem die Linzer Innenstadt, wo rund 200 überwiegend Jugendliche massiv randalierten. Laut Polizei haben sie unter anderem mit pyrotechnischen Gegenständen auf die Oberleitungen der Straßenbahn geschossen, sodass der Strom abgeschaltet wurde. Neun Personen wurden festgenommen, zwei Polizisten verletzt.

Zunächst gab es die Vermutung, dass die Randale im Vorfeld geplant waren und über Social-Media – speziell über Videos auf TikTok – dazu aufgerufen wurde. In dem im Vorfeld geposteten Aufrufen wird auf den Netflix-Film “Athena” Bezug genommen, in dem es zu Straßenschlachten zwischen Jugendlichen und Polizei kommt. Dass es eine geplante Aktion gewesen sein könnte, relativierte die Linzer Polizei am Dienstag etwas. Die Situation habe sich immer mehr aufgeschaukelt, nach ersten Böllerwürfen sei sie dann völlig aus dem Ruder gelaufen.

Böller auf Passanten

Gegen 21 Uhr seien die ersten Notrufe bei der Polizei eingegangen. Eine große Personengruppe, die sich am Taubenmarkt in der Fußgängerzone getroffen habe, werfe unkontrolliert Böller auf Passanten. In weiterer Folge rückte ein Großaufgebot von rund 170 Polizistinnen und Polizisten aus, darunter auch Cobra-Kräfte sowie Beamte aus angrenzenden Bezirken. Die Stimmung sei angespannt und aggressiv gewesen, teilte die Landespolizeidirektion mit. Mit zwei Sperrketten versuchten die Einsatzkräfte die Randalierer abzudrängen, dabei seien sie mit Böllern, Steinen und Glasflaschen beworfen worden.

Nachdem einige der Jugendlichen auch Böller gegen Oberleitungen der Straßenbahn geworfen hatten, schlugen gegen 23 Uhr die Linz Linien wegen möglicherweise herabstürzender Leitungen Alarm. Dann bestehe Lebensgefahr für Fußgänger, woraufhin der Strom in den Oberleitungen abgestellt wurde. Erst ab 2 Uhr wurde der Betrieb der Straßenbahn in der Fußgängerzone wieder aufgenommen. Um 3 Uhr war der Großeinsatz der Polizei beendet. Insgesamt wurden 130 Identitätsfeststellungen durchgeführt, neun Personen unter anderem wegen aggressiven Verhaltens festgenommen. Alle werden wegen des Verdachts der schweren gemeinschaftlichen Gewalt und wegen Ordnungsstörung angezeigt. Zwei Einsatzkräfte der Polizei wurden leicht verletzt.

Bei den Randalierern handle es sich vorwiegend um Jugendliche mit afghanischen und syrischem Migrationshintergrund, hieß es beider Polizei. Involviert waren aber auch junge Österreicher, die sich zum Feiern am Taubenmarkt getroffen haben.

“Null Toleranz”

Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ), der erst Mittwochnacht von einer Dienstreise aus Südkorea zurückkehrt, ließ ausrichten, dass es in Linz “Null Toleranz gegenüber Gewalttätigen” gebe, “egal welche Motive diese haben”. Linz sei eine “sichere Stadt, in der Ausschreitungen keinen Platz haben”. Zugleich bedankte er sich bei der Polizei, “die rasch, zuerst deeskalierend und zuletzt konsequent reagierte”.

Die FPÖ Oberösterreich, die in jenem Bundesland mit der Volkspartei regiert, nahm die nächtliche Randale von angeblich Jugendlichen mit Migrationshintergrund zum Anlass, die Bundes-ÖVP zu kritisieren. “Das ist die sichtbare Rechnung für die verfehlte und verschlafene Migrationspolitik von Bundeskanzler Nehammer und Innenminister Karner”, meinte Landesparteisekretär Michael Gruber.

Halloween: Geplante Gewaltexzesse
APA

“Die Straftaten der vergangenen Nacht sind Ausdruck einer zutiefst antidemokratischen Einstellung zu unseren rechtsstaatlichen Werten und Haltungen”, verurteilte Innenminister Gerhard Karner die Ausschreitung. Er habe Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und Stadtpolizeikommandant Karl Pogutter beauftragt, einen Sicherheitsgipfel mit dem Linzer Bürgermeister einzuberufen, um “die Situation zu analysieren und die notwendigen Ableitungen zu treffen”, so Karner. Ebenso wie Luger sprach er den Polizistinnen und Polizisten seinen Dank für deren “konsequentes Einschreiten” aus und wünschte den Verletzten “rasche Genesung”.

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) würdigte “den beherzten Einsatz” der Sicherheitskräfte. “So konnten die Randalierer in die Schranken gewiesen werden und der Bevölkerung Schutz gegeben werden.” Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, “die Strafen bei Übergriffen auf Polizistinnen und Polizisten zu verschärfen”.

Party lief aus dem Ruder

In Ernsthofen (Bezirk Amstetten) wurden 25 Personen in der Nacht auf Dienstag auf einer Halloweenparty verletzt. Ein Unbekannter hatte kurz vor 1 Uhr Reizgas – vermutlich Pfefferspray – versprüht. Als die Helfer eintrafen, lagen Besucher mit Atembeschwerden und massiven Augenreizungen am Boden, berichtete Philipp Gutlederer von Notruf NÖ. Die Halle wurde geräumt.

23 Personen wurden vom Veranstaltungsort in Krankenhäuser gebracht. Zwei weitere Partygäste waren bereits zuhause, als sie Beschwerden verspürten. Sie wurden ebenfalls ins Spital transportiert. Ein Großaufgebot an Helfern war mehrere Stunden lang im Einsatz. Die Verletzten wurden – teils unter Notarztbegleitung – in Kliniken nach Amstetten, Waidhofen an der Ybbs sowie nach Linz und Steyr in Oberösterreich gebracht.

Ermittlungen waren im Laufen. “Es gibt einen ersten Tatverdacht”, teilte ein Polizeisprecher mit, ohne Details zu nennen. Nach der Räumung der Halle befanden sich rund 1000 Personen am Vorplatz der Halle. In Folge wurde der Platz ebenfalls geräumt, dabei kam es zu einem Handgemenge mit drei Leichtverletzten. Das Trio wird der Staatsanwaltschaft St. Pölten angezeigt.

Schläge, Körperverletzungen

Insgesamt wurden in Niederösterreich in Verbindung mit Halloween sechs Körperverletzungen, drei Sachbeschädigungen sowie ein Diebstahl und eine Brandstiftung mit in Summe 30 Verletzten angezeigt, teilte die Polizei in einer Aussendung mit. So soll etwa ein 17-Jähriger einer 18-Jährigen in der Nacht auf Dienstag vor einem Lokal in St. Pölten mehrmals ins Gesicht geschlagen haben. Anzeigen erwarten auch einen 17-Jährigen und einen 28-Jährigen nach einer gegenseitigen Körperverletzung in einem Lokal in Bergland (Bezirk Melk).

In Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) soll ein junger Mann am Dienstag in den frühen Morgenstunden bei einer Veranstaltung beschimpft und geschlagen worden sein. Daraufhin dürfte der alkoholisierte 19-Jährige mit einem Küchenmesser zur Adresse der vermeintlichen Täter gegangen sein. Als zwei Männer das Haus verließen, bemerkten sie laut Polizei, dass der 19-Jährige eine Stichwaffe bei sich hatte. Ein 30-Jähriger konnte dem Niederösterreicher das Messer abnehmen und ihn bis zum Eintreffen der Beamten anhalten. Dabei wurde er leicht verletzt. Die beiden Männer stehen laut Polizei nicht mit dem Vorfall bei der Veranstaltung in Verbindung. Der 19-Jährige wurde vorübergehend festgenommen und wird der Staatsanwaltschaft Korneuburg angezeigt.

Bewohner mit “Abstechen” bedroht

Eine Gruppe Jugendlicher hat in der Halloweennacht vor einem Haus in Klagenfurt randaliert, ein Auto beschädigt und einen Hausbewohner mit dem Umbringen bedroht. Grund der Eskalation: Die rund 20 Verkleideten hatten keine Süßigkeiten bekommen. Ein 16-Jähriger wurde als Rädelsführer identifiziert, zu den weiteren Jugendlichen waren die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, teilte die Polizei am Dienstag mit.

Gegen 22.30 Uhr hatte eine Familie in Klagenfurt die Polizei verständigt, dass eine Gruppe Jugendlicher vor ihrem Haus randalieren würde. Die Jugendlichen rannten beim Eintreffen der Polizei davon. Der 52-jährige Hausbesitzer gab an, dass die Jugendlichen etwa eine halbe Stunde zuvor mit dem Spruch “Süßes oder Saures” an der Tür geläutet hätten – weil sie keine Kinder waren, hätten sie aber nichts bekommen.

Die Jugendlichen hatten daraufhin Steine und Flaschen in den Innenhof geworfen und dadurch das Auto des Mannes beschädigt. Ein vorerst unbekannter Jugendlicher forderte den 52-Jährigen immer wieder auf, herauszukommen und drohte, dass er ihn “abstechen” werde. Dabei soll er auch ein Messer in der Hand gehalten haben. Bei einer Gegenüberstellung identifizierte der 52-Jährige schließlich den 16-jährigen Klagenfurter, er wird angezeigt.

Aus bislang unbekannter Ursache brach in einem Carport in Gurk am späten Montagabend ein Feuer aus. Bei diesem wurden drei Autos zerstört und zwei weitere beschädigt. Auch hier könnte Halloween mit im Spiel sein: Die Polizei sucht nun nach Kindern in Kostümen.

Wien

In der Halloween-Nacht ist die Wiener Polizei gleich zu drei Einsätzen wegen Pyrotechnik in Floridsdorf ausgerückt. Dabei wurde ein Müllcontainer von Unbekannten zerstört, in der Max-Jellinek-Gasse eine Telefonzelle beschädigt. Im Zuge der Fahndung hielten die Beamten eine Gruppe Jugendlicher an, die einen 14-jährigen Österreicher als Täter nannten. Dieser wird wegen des Verdachts der Sachbeschädigung angezeigt, berichtete die Exekutive am Dienstag.

Und schließlich hatten es die Polizisten in der Mitterhofergasse mit einer Gruppe Jugendlicher zu tun, die zunächst flüchteten, aber mit Verstärkung wiederkamen, die Beamten beschimpften und weiter Pyrotechnik zündeten. Mit Verstärkung wurden sechs Burschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren angehalten und wegen Störung der öffentlichen Ordnung angezeigt.

Halloween: Geplante Gewaltexzesse
170 Polizisten standen im Einsatz, auch Sanitäter waren vor OrtAPA

Auf einer privaten Halloween-Party im Keller eines Wohnhauses in Salzburg sind vier Gäste gegen 4 Uhr aneinander geraten. Erst beschimpfte ein 18-jähriger Salzburger eine Gleichaltrige, worauf ein 21- und ein 25-Jähriger dazwischen gingen. Daher schlug der Salzburger den beiden mit einer Glasflasche auf die Köpfe. Die Männer wurden ins Uniklinikum Salzburg eingeliefert, informierte die Polizei.

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern verlief die Halloween-Nacht in Vorarlberg verhältnismäßig ruhig. Insgesamt 13-mal musste die Polizei zwischen 19 Uhr und 22.30 Uhr einschreiten. In Lustenau, Dornbirn, Hard, Schlins und Hohenems wurden Häuserfassaden mit Eiern beworfen. In den meisten Fällen hinterließen die Eierwürfe allerdings keine bleibenden Schäden, berichtete die Polizei in einer Aussendung.
Ebenfalls in Lustenau und Hard wurden immer wieder Knallkörper von Jugendlichen gezündet. In Frastanz besprühten unbekannte Täter eine Garage mit Farbe. Aus Sicht der Polizei war es „eine ruhige Halloween-Nacht ohne größere Vorkommnisse“.

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