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Flüchtlinge ausgenutzt? Vorwürfe gegen Ländle-Hotelier und WIFI

02.11.2022 • 14:23 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Flüchtlinge ausgenutzt? Vorwürfe gegen Ländle-Hotelier und WIFI
Die Vorwürfe stehen in Zusammenhang mit Tourismuskursen für Ukrainerinnen. WKV

Staatsanwaltschaft Feldkirch prüft Sachverhaltsdarstellung. Hotelier Kegele weist Vorwürfe strikt zurück.

Schwere Vorwürfe in Zusammenhang mit geförderten Ausbildungskursen im Tourismus wurden gegen Hoteleigentümer Markus Kegele, seines Zeichens auch Fachgruppenobmann in der Wirtschaftskammer, sowie das WIFI Vorarlberg erhoben.

Laut einem Bericht von standard.at behaupten mehrere Kursabsolventen, dass sie – ohne Arbeitsverträge – unter anderem stundenlang zum Putzen eingespannt worden seien und teilweise monatelang warten mussten, bis sie Geld für ihre Arbeit bekamen. Die Personen sollen teilwiese mit falschen Versprechungen in der Ukraine angeworben worden sein. standard.at zufolge wurden eine kostenlose Basisausbildung, ein fixer Job, 1600 Euro Gehalt und eine Gratisunterkunft in Aussicht gestellt.

Bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch bestätigte man auf NEUE-Anfrage den Eingang einer entsprechenden Sachverhaltsdarstellung. Diese werde nun geprüft, so Behördensprecher Heinz Rusch. Weitere Details wollte er nicht bekanntgeben.

Die Staatsanwaltschaft Feldkirch prüft eine Sachverhaltsdarstellung. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Die Staatsanwaltschaft Feldkirch prüft eine Sachverhaltsdarstellung. Stiplovsek

Als einzigartiges Modellprojekt angepriesen

Die Tourismuskurse, die sich vornehmlich an Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine richteten, wurden im Juni 2022 in einer Aussendung der Wirtschaftskammer Vorarlberg als “österreichweit einzigartiges Modellprojekt” angepriesen. Auf die Beine gestellt wurde das Ausbildungsprogramm vom Hotel Mondschein in Stuben in Zusammenarbeit mit dem Wifi Vorarlberg. Der zwei- bzw. vierwöchige Lehrgang sollte eine Basisausbildung in den Bereichen Küche, Service und Housekeeping bieten. Um die gesamte Ausbildung in einer realistischen Umgebung stattfinden zu lassen, wurde das Hotel Mondschein am Arlberg über den Sommer zum Übungshotel umfunktioniert. Allein bis Ende Juli sollen laut standard.at 120 Frauen und Männer entweder zweiwöchige Housekeeping-Kurse, vierwöchige Kochkurse oder ebenfalls vier Wochen dauernde Servicekurse durchlaufen haben.

Markus Kegele funktionierte seinen Betrieb über den Sommer zu einem Übungshotel um. Nun sieht er sich mit Vorwürfen konfrontiert. <span class="copyright">WKV</span>
Markus Kegele funktionierte seinen Betrieb über den Sommer zu einem Übungshotel um. Nun sieht er sich mit Vorwürfen konfrontiert. WKV

Hotel für Winterbetrieb auf Vordermann gebracht

In den Housekeeping-Kursen sollen betroffene Frauen etwa für die Grundreinigung des Übungshotels, das Reinigen des Wellnessbereichs, des Kellers und der Küche eingesetzt worden sein, um das Hotel für den Winterbetrieb auf Vordermann zu bringen. In Dornbirn seien Frauen und Männer ab Kursbeginn täglich bei einer Reinigungsfirma zum Einsatz gekommen. Die Schilderungen würden durch Chatprotokolle gestützt, heißt es in dem Bericht.

Verantwortung

Auf die Frage, ob die Qualität der Kurse kontrolliert wurde, hieß es vonseiten des Wifi gegenüber standard.at, dass keine “Qualitätsdefizite” rückgemeldet worden seien. Auch Kegele will in die “Kursabläufe und Zeiteinteilung nicht involviert” gewesen sein. Er habe seine Betriebe lediglich für Übungszwecke im Realbetrieb zur Verfügung gestellt, ließ eine Anwältin in dem Bericht wissen. Für die Kurse sei der externe WIFI-Ausbildungsleiter zuständig gewesen. Dieser gab allerdings gegenüber standard.at an, beim Hotel angestellt zu sein und auf Honorarbasis für das WIFI zu arbeiten.

WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter: "Haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt". <span class="copyright">WIFI</span>
WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter: "Haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt". WIFI

Steuergeld

Zusätzliche Brisanz bekommt der Fall aufgrund der Tatsache, dass eine Menge Steuergeld geflossen ist. Die Kursgebühren (2800 Euro kostete der Housekeeping -Kurs, 5400 Euro die Kurse für die Bereiche Küche und Service) übernahm laut standard.at zu 100 Prozent das AMS. Die Gelder flossen zu 25 Prozent an das Wifi Vorarlberg, der Rest ging an die GmbH von Hotelbesitzer Markus Kegele.

Kegele weist Vorwürfe zurück

Kegele weist die Vorwürfe strikt zurück. “Der Kurs hat weit über 90 Prozent der TeilnehmerInnen erfolgreich in die integrative Arbeitsmarktbeschäftigung gebracht. Hierzu haben alle Auszubildenden einen Grundkurs absolviert, der die gängigen Tätigkeiten der jeweiligen Sparte umfasst. Dabei dient der Hotel-Betrieb als geschützter Raum und war während dieser Zeit für Gäste geschlossen”, so Kegele. Wie in einem 4-Sterne-Haus üblich, sei eine Grundreinigung bereits vor Saisonschluss erfolgt. Die Teilnehmer hätten ausschließlich gewöhnliche Routine-Übungen durchgeführt, die nicht dem Betrieb dienten. “Die Vorwürfe, die von Einzelpersonen geäußert werden, sind objektiv nicht nachvollziehbar”, so der Hotelier.

Das AMS habe jeden einzelnen Kurs sowie Kursteilnehmer gemäß den allgemeinen Kursförderrichtlinien bewilligt, führt Kegele weiter aus. Die Teilnehmer seien vor Kursbeginn über die Inhalte des Kurses informiert worden. Laut dem Hotelier war der Kurs von Anfang an als praxisnahe Basisausbildung angelegt. “Unser Ziel war es, die Teilnehmer nach dem Kurs in den Arbeitsmarkt zu integrieren, was uns ja auch gelungen ist.” Mehr als 200 Absolventen, darunter nicht nur Vertriebene aus der Ukraine, seien in den Vorarlberger Tourismusbetrieben untergekommen. “Wir haben durchweg positive Rückmeldungen bekommen”, versichert der Hotelier.

Retourkutsche?

Warum die Vorwürfe erhoben wurden, kann Kegele nur vermuten. Er glaubt, dass eine ehemalige Kursleiterin dahintersteckt. Man habe sich von der Dame getrennt, weil man mit ihrer Arbeit nicht zufrieden gewesen sei. Auch die Vorwürfe der im Standard-Artikel erwähnten Kursabsolventin weist Kegele scharf zurück.

WIFI: “EIn gutes Projekt”

WIFI-Institutsleiter Thomas Wachter bezeichnete das Ausbildungsprogramm als “gutes Projekt”, mit dem man ukrainischen Flüchtlingen ermöglicht habe, eine Arbeitsstelle zu bekommen und Deutsch zu lernen. Das WIFI habe das Programm vom Ausbildungsstart bis zum Ausbildungsende begleitet. “Das haben wir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht”, so Wachter im NEUE-Gespräch.

Landesrat Christian Gantner. <span class="copyright">NEUE</span>
Landesrat Christian Gantner. NEUE

Landesrat Gantner machte sich ein Bild

Tourismus-Landesrat Christian Gantner (ÖVP) bestätigte auf NEUE-Anfrage, dass er sich bei einem Besuch im Juli ein Bild von dem Ausbildungsprojekt gemacht habe. Er betont, dass es sich dabei um eine private Initiative eines Unternehmers in Kooperation mit dem Wifi gehandelt habe. Es habe damals nichts darauf hingedeutet, dass Menschen ausgenutzt werden könnten, versichert Gantner. “Sollten sich diese Vorwürfe allerdings als richtig herausstellen, dann wäre das natürlich nicht in Ordnung.”

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