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Kindesmissbrauch per Handy-Chat

10.11.2022 • 17:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen schuldig gesprochen. <span class="copyright">Symbolbild Hartinger</span>
Der Angeklagte wurde wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen schuldig gesprochen. Symbolbild Hartinger

Keine unbedingte Haftstrafe für 19-Jährigen, der sich Nacktvideos von Elfjähriger schicken ließ.

Der damals 18-jährige Unterländer chattete im Jänner mit seinem Smartphone in einem sozialen Medium mit einer elfjährigen Deutschen. Er forderte das Mädchen mit Erfolg auf, ihm Nacktvideos und andere einschlägige Videos von sich selbst zu schicken. Das trug dem inzwischen 19 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag in einem Schöffenprozess am Landesgericht Feldkirch einen Schuldspruch wegen des Verbrechens des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und des Vergehens der pornografischen Darstellung Minderjähriger ein.

Richterin Sabrina Tagwercher. <span class="copyright">Dünser</span>
Richterin Sabrina Tagwercher. Dünser

Urteil ist rechtskräftig

Dafür wurde der unbescholtene junge Erwachsene zu einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von sechs Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 1440 Euro (360 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Das Urteil, mit dem der von Martin Rützler verteidigte Angeklagte und Staatsanwalt Johannes Hartmann einverstanden waren, ist rechtskräftig. Der Strafrahmen betrug ein bis zehn Jahre Gefängnis. Die verhängte kombinierte Strafe entspricht einem Jahr Haft. Das sichergestellte Smartphone erhält der 19-Jährige nicht mehr zurück, weil es sich dabei um das Tatwerkzeug handelt.

Kein Bagatelldelikt

Eine zu verbüßende Haftstrafe wäre im vorliegenden Fall zu streng, sagte Richterin Sabrina Tagwercher als Vorsitzende des Schöffensenats. Die Tat unterscheide sich von anderen Taten, bei denen Kinder physisch missbraucht werden. Allerdings handle es sich bei der Tat im virtuellen Raum nicht um ein Bagatelldelikt, sondern nach dem Willen des Gesetzgebers um einen schweren sexuellen Missbrauch. Mit dem Straftatbestand sollen Kinder geschützt werden.
Die Mutter des Kindes hat Strafanzeige erstattet. Das Mädchen sagte vor der Polizei, es habe dem angeklagten Chatpartner gesagt, dass es erst elf Jahre alt sei. Daran könne er sich nicht erinnern, gab der Angeklagte dazu an.

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