Lokal

Für Erziehung ist Nikolaus nicht zuständig

12.11.2022 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hanspeter Sutterlüty referiert vor den angehenden und teils schon erfahrenen Nikoläusen. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Hanspeter Sutterlüty referiert vor den angehenden und teils schon erfahrenen Nikoläusen. Rhomberg

Weil man als Nikolaus so Manches falsch machen kann, gibt es eine Schulung für Nikolodarsteller.

Wie sieht es aus, wenn mehr als 30 Nikolausdarsteller und eine Darstellerin lernen, worauf es bei dieser Rolle ankommt? Ganz normal, denn alle Personen, die zur Nikolausschulung der katholischen Jugend und Jungschar ins Diözesanhaus nach Feldkirch gekommen sind, tragen Hosen, Pullover oder T-Shirts. Kaum einer hat lange Haare und bauschige, weiße Bärte schon gar nicht. Sie sind von 18 Jahren aufwärts bis über 60. Wenn dann allerdings Sätze durch den Raum schwirren wie „Gibt es Kontaktadressen für gute Bärte?“ oder „Schaut, dass die Haare angenehm zu tragen sind“, bemerkt man doch, bei einer besonderen Veranstaltung zu sein.

Hilfe beim Anziehen des Nikolaus-Gewandes. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Hilfe beim Anziehen des Nikolaus-Gewandes. Rhomberg

Die Schulung für Nikolausdarsteller und solche, die es werden möchten, wird seit 15 Jahren von der katholischen Jugend und Jungschar durchgeführt. „Damit die Kinder ein angstfreies Nikolausfest erleben, gibt es einiges zu beachten. Das wird bei der Nikolausschulung vermittelt“, begründet Corinna Peter von der Jungen Kirche den Zweck dieser Veranstaltung.

Referent und Religionslehrer Hanspeter Sutterlüty führte informativ und unterhaltsam durch den Abend. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Referent und Religionslehrer Hanspeter Sutterlüty führte informativ und unterhaltsam durch den Abend. Rhomberg


Auch der Referent des Abends, Hanspeter Sutterlüty, erklärt sein Engagement damit, dass er für ein positives Nikolauserlebnis eintreten möchte. Denn: „In meinen 35 Jahren als Religionslehrer am Borg Egg habe ich von teils schockierenden Erfahrungen der Schüler rund um den Nikolaus gehört. Manche Erwachsene haben regelrecht ein Trauma.“ Zum Glück habe sich in den vergangenen Jahren zwar viel geändert, Bewusstseinsbildung sei aber auch heute noch gut.

Freude für alle

Außerdem sind es teilweise kleine, vermeintlich unscheinbare Dinge, die es zu beachten gilt, damit das große Ganze erreicht wird: die frohe Botschaft vom teilenden Nikolaus zu den Kindern und in die Familien zu bringen und ihnen damit Freude zu bescheren. Und: „Ihr selbst sollt auch Freude daran haben, den Nikolaus zu spielen“, sagt der Referent.

Der jüngste Darsteller schlüpfte in das Nikolaus-Gewand, das die Kleidung eines Bischofs darstellt. <span class="copyright"> Rhomberg</span>
Der jüngste Darsteller schlüpfte in das Nikolaus-Gewand, das die Kleidung eines Bischofs darstellt. Rhomberg

Apropos Freude: Als die NEUE am Sonntag sich bei den Teilnehmenden umhört, weshalb sie in die Rolle des Nikolaus schlüpfen, lautet die Antwort mehrmals: „Wir möchten die Kinder erfreuen“. Das sagt auch Eileen Melcher, eine 20-jährige Lustenauerin. Sie ist die einzige Frau bei der Schulung, doch es stört sie gar nicht, in einer Männerdomäne unterwegs zu sein. Da sie heuer zum ersten Mal den Nikolo spielen wird, will sie sich bei dem Abend die Grundlagen dafür aneignen. Sehr viel Erfahrung hingegen hat Teilnehmer Nikolaus Müller aus Nofels. Er tritt schon seit circa 30 Jahren in der Rolle seines Namenspatrones auf. „Auch diejenigen, die das schon lange machen, können noch etwas lernen“, sagt er.

Vom Droh- zum Frohbotschafter

Den Wandel vom ehemals drohenden zum frohmachenden Nikolaus hat er selbst erlebt. Nicht immer sei das gut aufgenommen worden, erzählt er. Denn manche Eltern nutzten den Nikolaus gerne dafür, ihre Kinder von ihm erziehen zu lassen. Ab August konnten sie drohen „Wenn du das und das nicht machst, wird der Nikolaus böse auf dich sein.“ Ein weiteres Beispiel einer Aufgabe, die nichts mit dem Nikolo zu tun hat, ist der Schnuller. Oder besser gesagt, das Entwöhnen vom Schnuller. Auch schon hätten Kinder sie dem Nikolaus geben müsse und nachdem er aus dem Haus war, hätten sie bitterlich geweint. „Solche Emotionen soll der Nikoloabend keinesfalls auslösen. Es darf auch nicht der Eindruck entstehen: ‚Nur wenn du den Schnuller abgibst, bekommst du etwas‘“, sagt Hanspeter Sutterlüty. Ein Nikolo-Darsteller berichtet: „In solch einem Fall stehst du mittendrin. Die Eltern wollen, dass der Schnuller wegkommt, das Kind nicht“. Wenn es schon um den Schnuller gehen solle, könne der Nikolo maximal sagen: „Ich glaube, du brauchst ihn nicht mehr.“

Bei der Schulung lagen auch Ratgeber auf. <span class="copyright">Rhomberg</span>
Bei der Schulung lagen auch Ratgeber auf. Rhomberg

Generell sei es wichtig, einen Änderungswunsch positiv zu formulieren, also nicht zu sagen „Du sollst sondern Ich glaube, du kannst das“. Motivieren, gewisse Sachen zu ändern, dürfe der Klaus nämlich schon. Aber eben nicht erziehen oder sich von Eltern in diese Rolle drängen lassen. Wenn Letzteres geschehe – beispielsweise durch den Zettel, den die Eltern dem Nikolo vor der Haustüre in die Hand drücken, und auf dem Negatives über das Kind stehe – sei es wichtig, dass der Nikolaus das Geschriebene ignoriere und improvisiere. Ein Teilnehmer gibt dazu gleich einen Tipp: „Seid aufmerksam, wenn ihr durch das Haus geht. Hängen Kinderzeichnungen an den Wänden oder stehen Fußballschuhe bei der Garderobe? Dann kann man die Kinder darauf ansprechen und sagen: ‚Du spielst Fußball. Wo machst du das?‘“

Wenn der Knecht Rupprecht mit geht, darf er nicht Angst einflößen und der Nikolaus soll ihn als seinen Helfer vorstellen.

Hanspeter Sutterlüty, Religionslehrer, Referent für Nikolausschulungen

Praktische Tipps wie diese gibt es neben theoretischem Wissen über den heiligen Nikolaus an diesem Abend einige, da circa die Hälfte der Teilnehmer Erfahrungen als Nikolo mitbringt. Ein Thema ist natürlich auch der Knecht Ruprecht. Wenn dieser schon mitgehe, gelte es einige Dinge zu beachten, wie dass er keine Angst einflößen dürfe und vom Nikolaus als sein Helfer vorgestellt werde, empfiehlt Hanspeter Sutterlüty.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.