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Gareth Bale: Vom Drachen beflügelt

23.11.2022 • 22:48 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Für Gareth Bale ist es die erste WM-Teilnahem. <span class="copyright">Samad / AFP</span>
Für Gareth Bale ist es die erste WM-Teilnahem. Samad / AFP

Bei Real Madrid leistete sich Bale den ein oder anderen Faux-Pas und konnte auf dem Platz nicht überzeugen. Für Wales hingegen entfaltet er immer wieder unerwartete Kräfte.

Die WM als großes Finale einer internationalen Karriere: So hat sich Gareth Bale seine Reise nach Katar ganz offensichtlich vorgestellt. Im Sommer feierte der Fußballer seinen Abschied bei Real Madrid und wechselte zur neuen Saison zum Los Angeles FC. Sein Ziel war klar: Er wollte sich dort auf den Schlusspunkt seiner Karriere vorbereiten, fit werden für die WM – quasi sein Grand Final.

Der 1:1-Ausgleich des Walisers. <span class="copyright">Samad / AFP</span>
Der 1:1-Ausgleich des Walisers. Samad / AFP

Auch wenn er mit einigen Blessuren zu kämpfen hatte, ging sein Plan auf. Beim ersten WM-Spiel der Waliser gegen die USA hielt Bales die gesamte Spielzeit durch. Und nicht nur das, er triumphierte sogar selbst. In der 82. Minute holte er einen Elfmeter raus und verwandelte ihn zum 1:1-Ausgleich. Auch wenn die Spieler aus Wales die Partie über willenlos schienen und nicht den nötigen Mut zeigten, konnten sie sich am Ende gegen den Spielfavoriten USA also doch noch einen Punkt sichern.

Gelungener WM-Start


Klar, dass das den Oldie Bale zum Strahlen brachte: „Ich bin ziemlich glücklich, besser hätte es kaum laufen können“, sagte Bale, der nach der Partie zufrieden seine Mannschaftskameraden abklatschte. „Die Jungs haben gefightet wie die Löwen“, befand der Rekordtorschütze seines Landes. 108 Länderspiele hat der Waliser für seine Heimat bislang das Trikot übergestreift. Nun ist er seit einigen Jahren Kapitän der Mannschaft. Genau wie die anderen europäischen Mannschaften musste er beim ersten Spiel auf die „One Love“-Binde verzichten. Nun, einige Tage nach Beginn der Weltmeisterschaft, überlagert die Diskussion das Turnier und die sportlichen Erfolge bzw. Misserfolge.
Von der britischen Boulevardpresse werden Harry Kane und Gareth Bale dafür gerügt, nicht den Mut gezeigt zu haben, die Binde trotz Fifa-Verbots zu tragen. Wenn es der eignene Glaube sei, so müsse man die Strafen in Kauf nehmen, meint Roy Keane, irischer Fußballtrainer. Im Normalfall kann man Bale nicht zu wenig Patriotismus oder Einsatz für eine Sache, die ihm am Herzen liegt vorwerfen.

König des Faux-Pas?

Immer mal wieder sorgte der Kicker mit seinen Aussagen für Aufreger, Lacher und aber vor allem Aufmerksamkeit. Eine dieser Situationen ergab sich nachdem sich Wales für die EM 2020 qualifizierte. Der 33-Jährige posierte damals inmitten seiner Mannschaft mit der grün-weißen walisischen Flagge. Über dem Drachen, gestand er seine wahre Liebe: Wales!
Die Nationalmannschaft kommt für den Kicker klar an erster Stelle, gefolgt von seiner Leidenschaft, dem Golf und dann, so war es damals, Real Madrid. Um die Wichtigkeit noch einmal einzuordnen, schrieb er dazu: „In dieser Reihenfolge“. Sein Beruf, Fußballer bei Real Madrid, war also damals offenbar die schönste Nebensache der Welt, die Nationalmannschaft hingegen: Berufung.
Immer wieder wurde gespottet, weshalb er nicht längst das Golfen zu seinem Beruf gemacht hätte. Auch spielerisch zeigte sich, welches Herz in seiner Brust wohl ein wenig stärker schlägt.

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Wechsel nach Madrid


2013 wechselte der Profi-Spieler für eine damalige Rekordsumme von 101 Millionen von Tottenham Hotspur nach Spanien. Er hatte zuvor derart von sich überzeugt, dass Real sich große Hoffnungen machte, einen riesen Fisch geangelt zu haben. An seine Leistungen in Tottenham konnte er aber nie anknüpfen. Er wurde nie zum Liebling der Fans, stand stets im Schatten von Cristiano Ronaldo. Ganz anders in der Nationalelf. Dort war er der Star. Er führte die Mannschaft überraschend ins EM-Halbfinale 2016 und schaffte 2022 die erste WM-Qualifikation seit 64 Jahren. Wenn er den roten Drachen auf seiner Brust trägt, beflügelt ihn das offenbar.


Während ihm bei Real nachgesagt wurde, er habe sich zu einer wahren Giftspritze entwickelt, mangelte es ihm im walisischen Dress niemals an Motivation oder Contenance. Mit dieser Einstellung degradierte er sich in Spanien zum Clown, zum Provokateur, zum Spott des Vereins. Zurecht, darf man durchaus urteilen, wenn man beispielhaft eine Situation aus Pandemie-Zeiten heranzieht. Während die Spieler bei den Geisterspielen auf der Tribüne Platz nehmen mussten, zog sich der Waliser die vorgeschriebene Maske statt über Mund und Nase über die Augen und stellte sich dabei schlafend. Ein „beschämendes Verhalten“, titelte die Zeitung „Marca“ kurz und knapp. Statt aus der Situation zu lernen, provozierte er in den nächsten Spielen weiter. Anders als seine Mitspieler verfolgte er das Match seiner Mannschaft nicht, sondern hielt sich die Hände wie ein Fernglas geformt vor die Augen und zog erneut alle Aufmerksamkeit auf sich. Die spielerischen Qualitäten gerieten in diesem Wahnsinn eindeutig in Vergessenheit.

In einer solchen Tribünen-Situation hat er rebelliert. <span class="copyright">Vera / Reuters</span>
In einer solchen Tribünen-Situation hat er rebelliert. Vera / Reuters

Schnell wie der Blitz

Apropos spielerische Qualitäten, die oftmals im Schatten seines Verhaltens neben dem Platz stehen: Der Fußballer ist blitzschnell, auch noch in seinem mittlerweile für Fußballer recht hohen Alter. Der Rechtsaußen weiß es geschickt den Ball zu behaupten und strahlt immer weider Torgefahr aus. In 29 Spielen der WM-Qualifikation traf er insgesamt 13 Mal. Das kann sich sehen lassen. Er lebt für den WM-Traum.


Auch kräftetechnisch konnte er für sein Land immer über sich hinaus wachsen. Ob ihm das noch einmal gelingen wird, „das ist die Millionen-Dollar-Frage. Wir wissen es nicht“, sagte Nationaltrainer Rob Page bei der Bekanntgabe seines Aufgebots. Er habe aber oft genug bewiesen, dass er liefere, sobald er seinen Kopf durch das National-Jersey stecke. In diesem Zusammenhang ist der Fußballer bislang auch noch nicht lächerlich in die Schlagzeilen geraten. Dass er ein Nationalheld ist, weil er letzlich immer dann das Tor trifft, wenn es die Mannschaft am meisten braucht, ist also nicht verwunderlich.

Verbindungen zur Mafia

Wer sein Verhalten bei Real schon bedenklich fand, der zuckt mit Sicherheit zusammen, wenn er den Namen Bale im Zusammenhang mit der Mafia liest. 2016 stand der Spieler unter Polizeischutz, weil er in einen verworrenen Kriminalfall verwickelt sein soll. Die Cousine seiner Frau war zum damaligen Zeitpunkt im Internet auf Nacktbildern zu sehen, im öffentlichen Leben aber untergetaucht. Mit ihr verschwand ein Koffer mit Luxus-Uhren, Kokain und Bargeld im Wert von einer Million Euro – offenbar erbeutet aus Drogengeschäften. In Wales wurden dann unzählige Brandanschläge auf die Familie von Bales Lebensgefährtin ausgeübt.


Das Paar mit seinen beiden Töchtern galt damals als potenziell gefährdet. Gareth und Emma Rhys-Jones mussten deshalb sogar ihre Hochzeit in einem Schloss in der Toskana absagen. Auch wenn er laut britischen Medien selbst nichts mit dem Vorfall zu tun hatte, schlug die Geschichte Wellen – vor allem, weil Gerüchten zufolge die ­Mafia ihre Hände im Spiel hatte. Wie das Ganze ausging, ist nicht ganz klar, heute steht Bale aber nicht mehr unter Polizeischutz.

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