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Wie man 2023 unter 10.000 Arbeitslosen bleiben will

17.01.2023 • 19:41 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Arbeitsmarktservice und Land haben ihre gemeinsamen Maßnahmen und Schwerpunkte für dieses Jahr präsentiert.

Zum Schluss erfolgte für Kameramann und Fotografin dann noch die Unterschrift unter die Budgetvereinbarung für das heurige Jahr. Zuvor hatten Landeshauptmann Markus Wallner, Wirtschaftslandesrat Marco Tittler und AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter darüber informiert, was sie beschäftigungspolitisch 2023 gemeinsam vorhaben.

50,8 Millionen Euro wenden Land und AMS heuer insgesamt für den Arbeitsmarkt auf. Etwa die Hälfte davon – 25,6 Millionen Euro – setzt das AMS für eigene Aktivitäten ein, 3,1 Millionen Euro das Land. Die übrigen 22,1 Millionen Euro stehen für gemeinsame Projekte zur Verfügung, von denen rund 3130 Personen profitieren sollen.

Die Verantwortlichen bei Unterzeichnung. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Die Verantwortlichen bei Unterzeichnung. Alexandra Serra

Stark gewachsen

Was die aktuelle Ausgangslage am Arbeitsmarkt betrifft, sprach Wallner von einer „Lage, die besser ist als die Prognosen“. Auch in Hinblick auf das vergangene Jahr, das mit Erfolgszahlen aufwarten kann. So sei einerseits die Wirtschaft überdurchschnittlich stark gewachsen. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, aber Tittler geht von einem ähnlichen Wachstum wie im Jahr davor aus.

Damals hatten die Exporte erstmals die 12-Milliarden-Euro-Grenze überschritten.
Die Beschäftigungszahlen waren so hoch wie nie (siehe Grafik). Bei den Arbeitslosen waren 2022 im Jahresdurchschnitt 8975 Personen vorgemerkt – um 2649 weniger als im Jahr davor. Die Arbeitslosigkeit sank im Vorjahr sogar unter das Vorkrisen- bzw. -pandemieniveau. So gab es 2019 im Schnitt fast 500 mehr Arbeitssuchende als 2022.

Unter dem Schnitt

Aktuell beträgt die Arbeitslosenquote um die fünf Prozent und damit weniger als der Österreichschnitt, zeigte sich Wallner erfreut. Was arbeitsmarktpolitische Maßnahmen betreffe, lohne es sich, einen Blick auf Jugendliche und da auch auf jene mit migrantischem Hintergrund zu werfen, sagte Wallner. Sie in Jobs und Ausbildung zu bringen sei wesentlich für die Gesellschaftsentwicklung und Sicherheitslage eines Landes, betonte der Landeshauptmann. Die unter fünf Prozent Jugendarbeitslosigkeit in Vorarlberg seien im Vergleich ein „absoluter Spitzenwert“.

Für das laufende Jahr sei eine schwächere Konjunkturentwicklung zu erwarten, so Wallner, die Stimmung unter den Wirtschaftstreibenden sei allerdings besser als die Prognose. Daher sei es auch für heuer das Ziel, dauerhaft unter 10.000 Arbeitslosen zu bleiben. Dafür sollen die zur Verfügung gestellten Gelder dienen.

Schwerpunkte

Drei Gruppen stehen im Fokus der gemeinsamen Projekte von Land und AMS, für die 22,1 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wie AMS-Chef Bereuter erklärte: Jugendliche, Geringqualifizierte und benachteiligte bzw. langzeitarbeitslose Menschen. Der Großteil der Arbeitslosen, rund 45 Prozent, habe keinen Bildungsabschluss, erklärte Bereuter.

Deshalb sei Qualifizierung das Um und Auf – wie zuvor schon Wallner und Tittler betont hatten. Dafür gebe es laut Bereuter unter anderem neue Stiftungsmodelle. Was die Zahl der Langzeitarbeitslosen betrifft, sei diese im vorigen Jahr von Jänner bis Dezember um 32 Prozent gesunken, so der AMS-Chef. Auch da bleibe man dran, unter anderem mit Beschäftigungsprojekten in den sozialen Unternehmen oder Lohnkostenförderungen. Rund 11,5 Millionen Euro sind dafür vorgesehen.

Budgetvereinbarung unterzeichnet. <span class="copyright">Alexandra Serra</span>
Budgetvereinbarung unterzeichnet. Alexandra Serra

Garantie für Jugendliche

Für Jugendliche gilt einerseits nach wie vor die Beschäftigungs- und Ausbildungsgarantie von Land und AMS, erklärte Tittler. Derzufolge erhält jeder zwischen 15 und 25 Jahren, der länger als drei Monate ohne Arbeit ist, ein Beschäftigungs- oder Ausbildungsangebot. Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer ebenfalls schon länger bestehender Angebote und Projekte – auch für Jugendliche mit diversen Problematiken –, die heuer wieder finanziert werden: vom Talente-Check und anderen Schulprojekten über „Albatros“, „Leuchtturm“ und Lehrstellenförderung bis hin zum Ausbildungszentrum Vorarlberg.
In Vorarlberg sind derzeit auch über 3700 Flüchtlinge beschäftigt. Um diese Quote weiter zu erhöhen, soll heuer auch das Pilotprojekt „Work 1st“ als EFS(Europäische Sozialfonds, Anm.)-Beschäftigungsprojekt weitergeführt werden. Die Teilnehmenden sollen dabei realitätsnah – und mit Deutsch-Training – an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

„Die Frage ,Haben Jugendliche einen Job und werden sie integriert?‘ ist wesentlich für die Gesellschafts­entwicklung und Sicherheitslage eines Landes.“

Markus Wallner

Erleichterungen für Pensionisten

Obwohl die konjunkturelle Aussicht für heuer nicht mehr ganz so gut ist, geht Landesrat Tittler davon aus, dass es notwendig sein wird, zu neuen Arbeitskräften zu kommen. Eine Möglichkeit sieht er diesbezüglich auch in der derzeit vieldiskutierten ÖVP-Forderung, Erleichterungen für Pensionisten zu schaffen, die weiterarbeiten wollen – „nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung“, wie Tittler betonte. „Zusätzliches Potenzial wird nötig sein“, steht auch Bereuter dieser Maßnahme zustimmend gegenüber.

Eine Verdrängung von Personen im Haupterwerbsalter sieht der AMS-Chef dabei nicht – im Gegensatz zum ÖGB-Landesvorsitzenden Reinhard Stemmer. Der spricht von einer „Themenverfehlung“ und „die Regierung sollte vielmehr den Fokus auf die Menschen im Erwerbsalter legen.“ Tittler bekräftigte indes, es gehe da nicht um eine „großangelegte Rückholaktion“, sondern darum, Menschen, die in der Pension freiwillig noch ein paar Stunden arbeiten wollten, nicht die vollen Abschläge bezahlen zu lassen.

Fachkräftesituation

Die Fachkräftesituation werde sich weiter verschärfen, ist auch der Landeshauptmann überzeugt – wenngleich das Wirtschaftswachstum heuer in Vorarlberg laut Prognosen nur 0,3 Prozent betragen wird, das Beschäftigungswachstum 0,7 Prozent und die Arbeitslosigkeit um 2,2 Prozent (rund 200 Personen) steigen wird.

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