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Von Mützen, Bändern und Mensuren

Die schlagenden Korporationen, die zum Akademikerball laden, wirken bizarr. Ihre Wurzeln liegen im Mittelalter. Doch Burschenschaft ist nicht gleich Burschenschaft.

NORBERT SWOBODA

Wenn heute der Wiener Korporationsring, ein Dachverband schlagender Burschenschafter, zum Akademikerball aufruft, provoziert allein schon der Name: Wie kann eine ideologische Randgruppe im Namen aller Akademiker sprechen?

Das ist tatsächlich grotesk; nur etwa jeder 500. bis tausendste Student ist in einer schlagenden Korporation organisiert; es ist eine winzige Minderheit innerhalb der österreichischen Studentenschaft. Selbst wenn man den katholischen Cartellverband (CV) dazurechnet, der über weit mehr Mitglieder verfügt, sind höchstens drei Prozent der Studierenden bei einer Verbindung.

Vor gut 100 Jahren war das allerdings noch völlig anders: Praktisch jeder Student gehörte damals einer der vielen Verbindungen, Landsmannschaften, Corps und Sängerschaften an, die sich durch farbige Mützen, Bänder und Zierwaffen definierten. Denn die Vorläufer dieser studentischen Vereinigungen entstanden bereits mit der Erfindung der Universitäten im Mittelalter. Im deutschen Sprachraum hat das Korporationswesen eine komplizierte Geschichte, es hat sich dabei vielfach ausdifferenziert.

Als 1088 in Bologna die erste europäische Universität entstand, organisierten sich sofort die Studenten in einer Art Selbstverwaltung, meist nach Herkunftsort organisiert. Sie lebten in eigenen Häusern zusammen (Bursen) und empfanden sich als eigener, stolzer Stand. Gegen Ende des Mittelalters wurde das Tragen einer Waffe zum Ausweis der Unabhängigkeit – Maximilian I. erlaubte 1514 ausdrücklich den Studenten das Waffentragen.

Waren diese Gemeinschaften zunächst noch quasi offiziell, entstanden ab 1800 Korporationen sozusagen privater Natur – misstrauisch beäugt von der Obrigkeit. Im Zuge der Befreiungskriege gegen Napoleon entstand dann die Urburschenschaft, die eine Einigung Deutschlands anstrebte. Auch die Massenkundgebungen der Wartburgfeste alarmierten die absoluten Herrscher. Strikte, aber vergebliche Verbote von Metternich sollten die Studenten in die Schranken weisen.

Duellunwesen blühte auf

Das Duellunwesen blühte im 19. Jahrhundert immer mehr auf. Es kam zu einer Aufspaltung in die christlichen (meist katholischen) Korporationen, die Duell und Mensur ablehnen. Auf der anderen Seite standen die schlagenden Korporationen. Als nach der Revolution 1848 Vereinigungen erlaubt wurden, wurde der studentische Humpen endgültig salonfähig.

Doch zwischen den schlagenden Verbindungen und den katholischen tat sich ein immer größerer Riss auf; Bismarcks Los-von-Rom-Bewegung und die gesamtdeutsche Frage spielten eine wichtige Rolle. Nach dem Ersten Weltkrieg verloren die Korporationen an Bedeutung. Vertieft wurden die ideologischen Unterschiede durch den Aufstieg Hitlers. Lehnte der Österreichische CV die Nazi-Bewegung kategorisch ab, bejubelte ein Großteil der schlagenden Korporationen das Dritte Reich.

Keine Berührungspunkte

Heute gibt es keine Berührungspunkte zwischen den Lagern. Burschenschaften, die mit ihren Schlägern (Fechtwaffe) Mensuren bestreiten, gelten als deutschnational, rechts und FPÖ-nahe, sind aber vielfach zersplittert. Die Zahl der Aktiven ist stagnierend oder rückläufig. Offizielle Zahlen gibt es dazu keine, aber Mensuren sind zum Teil deshalb schwierig zu organisieren.

Ein Vielfaches an aktiven Mitgliedern umfasst der Cartellverband, ein Dachverband katholischer Verbindungen, der der ÖVP nahesteht. Er will mit dem Akademikerball zwar nichts zu tun haben, lehnt aber auch gewalttätige Demonstrationen ab. Interessantes Detail: Seit knapp 20 Jahren florieren auf der katholischen Seite auch zunehmend Mädchenverbindungen.

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