Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

„Nicht jeder Schlagende ist rechtsextrem“

Politikwissenschaftler Bernhard Weidinger über Burschenschaften und ihre Ideologien.

Der alljährliche Angriff auf den Akademikerball suggeriert, die veranstaltenden Verbindungen wären ein homogener Block.

BERNHARD WEIDINGER: Das deutschnationale Verbindungswesen ist kein Monolith – zwischen einer Burschenschaft Teutonia und einem Corps Symposion, beide Wien, hat politisch einiges Platz. Die im Wiener Korporationsring organisierten, den Akademikerball faktisch ausrichtenden Bünde lassen allerdings tatsächlich wenig ideologische Differenzen erkennen. Sie stehen fest auf der Grundlage des deutsch-völkischen Nationalismus. Unterschiede sehe ich hier am ehesten im Grad an Dogmatismus und Traditionalismus.

Kann man alle als deutschnational bezeichnen?

WEIDINGER: Die nicht katholischen, in aller Regel schlagenden Verbindungen sind tatsächlich durch die Bank deutschnational. Allerdings ist dieser Nationalismus von Verbindung zu Verbindung – und von Mitglied zu Mitglied – unterschiedlich hart ausgeprägt. Die Bandbreite reicht von emphatischer Verehrung von Goethe, Schiller und Mozart als deutschen Geistesgrößen bis zu fortbestehenden großdeutschen Begehrlichkeiten.

Schlagende werden gerne in die Nähe von Neonazis gerückt.

WEIDINGER: Nicht jeder Schlagende hängt rechtsextremen Ideen an, umso weniger neonazistischen. Die immer wieder auftretenden personellen Überschneidungen zwischen Verbindungswesen und Neonazismus sind aber weder bloße Einzelfälle noch zufällig. Ihnen liegen vielfältige ideologische Anknüpfungsflächen – etwa im völkischen Nationalismus, Antisemitismus, dem soldatischen Männlichkeitsideal und in der Geschichtspolitik – zugrunde.

Wie sehen sie die NS-Zeit?

WEIDINGER: Schon aufgrund der vielen Wehrmachts-, NSDAP- und SS-Veteranen unter den Alten Herren herrschte lange eine Art Schweigekonsens und tut es teils bis heute. Dies hat auch damit zu tun, dass konsequente Kritik am Nationalsozialismus an ideologischen Grundpfeilern der Verbindungen selbst rütteln würde. Ungeachtet dessen existiert hinsichtlich der Einschätzung des NS durch die Verbindungsmitglieder eine beträchtliche Bandbreite.

Welche Bedeutung haben diese Verbände für die FPÖ?

WEIDINGER: Sie dienen der FPÖ nach wie vor als Kaderschmieden. Akademische Ausbildung, rhetorische Geschultheit, ideologische Verlässlichkeit, Erfahrung in der Hochschulpolitik und Versiertheit im Umgang mit Statuten und Intrigen im Rahmen von Korporationsverbänden sind einige der Eigenschaften, die sie für politische Ämter interessant machen.

Finden Sie, aufgrund Ihrer Kenntnis der Verbindungen, dass der Ball verboten oder verlegt werden sollte?

WEIDINGER: Für ein Verbot sehe ich keine rechtliche Grundlage.

INTERVIEW: T. GÖTZ

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.