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Ein Tod, der viele Fragen aufwirft

Kasachstans Ex-Botschafter Rakhat Aliyev dürfte sich in Wien in seiner Zelle erhängt haben. Dass er nicht als suizidgefährdet galt und gestern als Zeuge hätte aussagen sollen, lässt Zweifel aufkommen.

KLAUS KNITTELFELDER

Die Nachricht hat eingeschlagen wie eine Bombe: Der frühere kasachische Botschafter in Wien – der ominöse Rakhat Aliyev – wurde tot in der Krankenstation der Justizanstalt Wien-Josefstadt im achten Wiener Gemeindebezirk aufgefunden. Ein Justizwachebeamter hat ihn um 7.20 Uhr im Nassbereich seiner Einzelzelle gefunden. Erhängt, mit an einem Kleiderhaken befestigter Mullbinde um den Hals.

Und sofort tauchen im Internet erste Zweifel am Selbstmord des prominenten U-Häftlings, dem von der Staatsanwaltschaft der Mord an zwei kasachischen Bankmanagern vorgeworfen wird, auf. Der Hauptgrund: Aliyev hätte nur wenige Stunden später als Zeuge in einem Prozess am Wiener Straflandesgericht aussagen sollen.

Es sei seltsam und schwer verständlich, warum sich der Ex-Botschafter just in der Nacht vor einer Zeugenaussage hätte erhängen sollen, heißt es da etwa. Vor allem, weil der als psychisch kerngesund geltende Mann geplant habe, im baldigen Prozess gegen ihn den kasachischen Geheimdienst belasten zu wollen. Dem ehemaligen Diplomaten und zwei Komplizen wird vorgeworfen, im Februar 2007 in Kasachstan die beiden Banker Zholdas Timraliyev und Aybar Khasenov getötet zu haben. Die beiden waren Mitarbeiter einer Bank, deren Haupteigentümer Aliyev war. Vier Jahre nach ihrem Verschwinden wurden ihre Leichen in Kalkfässern auf der Anlage einer ehemaligen Firma Aliyevs gefunden. Dieser behauptete jedoch stets, dass der kasachische Geheimdienst den in seiner Heimat in Ungnade gefallenen Ex-Vizeaußenminister mit gefälschten Beweisen hinter Gitter bringen wollte. Danach tobte ein jahrelanger Disput um eine Auslieferung zwischen Österreich und Kasachstan. Laut Kritikern sollen es unter anderem seine guten Kontakte in die Politik gewesen sein, die ihm eine Auslieferung erspart hätten. Seit Juni 2014 saß Aliyev in Wien in U-Haft – der Prozess gegen ihn hätte noch heuer beginnen sollen.

Nur wenige Stunden nach seinem Tod meldeten auch seine Anwälte, Manfred und Sohn Klaus Ainedter, Zweifel an der Selbstmordtheorie an. Klaus Ainedter habe ihn noch am Vorabend besucht und dabei keinerlei Suizidgefahr festgestellt. Zuletzt sei Aliyev von zwei Mithäftlingen, einem 41-Jährigen und einem 20-Jährigen, erpresst und bedroht worden. Das Brisante daran: Anfang Jänner gab es Berichte, dass Aliyev angedroht worden sei, ihn in der Dusche zu töten und das Verbrechen wie einen Selbstmord aussehen zu lassen, sofern er sich weigere, 3000 Euro an seine Erpresser zu zahlen. Tatsächlich haben die beiden Geld vom „Russen“, wie sie Aliyev nennen, erhalten. Laut einem Polizisten soll Aliyev Angst gehabt haben, dass seine Erpresser ihre Drohung wahr machen würden. Beide bestreiten jedoch, mit seinem Tod etwas zu tun zu haben. Haftanstaltsleiter Peter Prechtl schließt einen Mord trotz allem aus. Dennoch wurden bereits Ermittlungen eingeleitet.

Der Prozess um die Entführung und Ermordung der Banker soll indes trotz Aliyevs Tod wie geplant nach Ostern beginnen.

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