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Ein Tarif von Zahnspange bis Rollstuhl

Riesenunterschiede zwischen Bundesländern fallen. Die Krankenkassen haben sich darauf geeinigt, elf von 23 Leistungen zu vereinheitlichen. Beschlüsse bis Herbst.

Von Adolf Winkler

Die gewaltige Abgabensumme von rund 58 Milliarden Euro fließt im Jahr in die Sozialversicherung. Davon wurden 2015 über 19 verschiedene Krankenkassen 17,116 Milliarden Euro als Krankenversicherung ausgegeben. Die Leistungen für die Versicherten variieren von Kasse zu Kasse und von Bundesland zu Bundesland wie Kraut und Rüben. Einen ersten Erfolg zur Vereinheitlichung der Leistungen vermeldet nun Alexander Biach, der im Mai zum neuen Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger gekürt wurde. „Wir haben elf von 23 Leistungen der Krankenkassen bei einstimmigem Beschluss aller Trägervereine harmonisiert.“

Damit wird in der Krankenversorgung in Österreich ein Riesenschritt gemacht, um Ungleichheiten zu beseitigen, „die kein Mensch versteht. In der Steiermark leistet die Gebietskrankenkasse zum Rollstuhl 4,5 mal die Höchstbemessungsgrundlage (HBG) von 166 Euro, also 747 Euro. In Kärnten zahlt man 1162 Euro, in Salzburg, Vorarlberg und Niederösterreich aber bekommt man zum Rollstuhl die 20-fache HBG, das sind 3320 Euro. Diese Differenzen kann man keinem Patienten erklären“, so Biach. Ebenso unterscheiden sich Leistungen bei den Sozialversicherungsanstalten der gewerblichen Wirtschaft, der Bauern, der öffentlich Bediensteten sowie für Eisenbahnen und Bergbau. Nun hat man sich geeinigt – beim Rollstuhl auf 3320 Euro.

„Wir haben mit der Harmonisierung in kleinen Bereichen wie Zeckenimpfungen angefangen, ebenso bei PSA-Test, Blutzuckerstreifen, Blutzuckermessgeräten, Zahnspangen, Ultraschall, Windeln – überall, wo die Zuschüsse quer durch die Bundesländer unterschiedlich sind“, erläutert Biach. Bei Zahnspangen, wo die Zuschüsse zwischen zehn und 50 Prozent der Kosten variierten, wird es einheitlich 50 Prozent geben.

Bis zum Herbst ist die getroffene Vereinbarung der jüngsten Konferenz aller Krankenversicherungen in den Bundesländern und Anstalten abzusegnen. Biach: „Wir haben es geschafft, indem ich zwei Monate mit allen Systempartnern gesprochen habe und weil alle den politischen Ernst der Lage erkannt haben.“

„Von elf vereinheitlichten Tarifen hat die Steiermärkische Gebietskrankenkasse schon etliche umgesetzt“, verweist STGKK-Obfrau Verena Nussbaum auf Blutzuckermessgerät, Blutzuckerstreifen, FSME-Impfung, gynäkologischen Ultraschall und Zahnspange. „Die anderen anzupassenden Tarife werden in der Generalversammlung der STGKK im November beschlossen.“ Ein Zeitplan, den auch in Kärnten GKK-Direktor Johann Lintner in Aussicht stellt. „Die neuen Tarife sollen dann rückwirkend ab 1. Oktober gelten.“

Für die Krankenkassen heißt das Kosten sparen, denn die Anpassungen müssen neutral finanziert werden. Mit 463 Millionen oder 2,74 Prozent Verwaltungskostenanteil würden Österreichs Kassen günstiger liegen als jene Deutschlands oder der Schweiz. Biach will sie auf 400 Millionen Euro bringen.

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