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Selbst die Daten von Zuckerberg waren nicht sicher

Nur oberflächlich souverän waren die zwei Auftritte von Mark Zuckerberg in Washington. Der weiter heftigst unter Beschuss Stehende versprach eine neue Kultur im Unternehmen und ein Plus an Sicherheit bei Facebook, blieb bei seinen Antworten aber bezeichnend vage.

Von Thomas Golser, Roman Vilgut und Markus Zottler

Beide Termine dürften ihm nicht gefallen haben: Zunächst hatte sich Mark Zuckerberg am Dienstag im Raum 216 des Senatsgebäudes auf dem Kapitol in Washington kritisch insistierende Fragen zum Datenskandal gefallen lassen müssen. 44 Abgeordnete hatten je vier Minuten Zeit, den bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat als Zeugen geladenen Facebook-Boss in die Mangel zu nehmen. Gestern schließlich musste Zuckerberg in den Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses – gleiches Prozedere. Wortgleich wiederholte er zum Auftakt seine Stellungnahme vom Vortag, und bereits diese war an eine Stellungnahme von Montag angelehnt. Die von ihm durchgezogene Strategie: Reue zeigen, Fehler zugeben, Besserung versprechen – ohne dabei allzu verbindlich zu werden. Für Matthias Jax von der Initiative Saferinternet.at waren die Auftritte vor allem „eine große Show“. Jax betont im Interview aber, dass es in der Sache wenig helfen wird, nur einseitig auf Facebook hinzustoßen, denn: „Auch jeder User trägt Verantwortung für seine Daten.“ Dass Facebook sich nicht an österreichisches Recht halte, habe Datenschützer Maximilian Schrems ja bereits vor Jahren aufgezeigt. Dass der Facebook-Boss ankündigte, mit der Hilfe von zusätzlichem Personal für mehr Sicherheit zu sorgen und zukünftig jede einzelne externe App zu kontrollieren, sei schon rein praktisch mehr oder weniger unmöglich: „Allein durch die schiere Masse werden immer Dinge durchrutschen“, ist für Jax klar.

Vor dem Ausschuss für Energie und Handel war von neun Millionen Apps die Rede, deren Überprüfung würde Monate beanspruchen, gestand auch Zuckerberg selbst ein. Inhaltlich würden die Termine vorerst nicht allzu viel bringen: Selbst jene Momente, in denen der 33-Jährige offenbar ins „Schwimmen“ kam und verbindliche Antworten schuldig blieb, seien Teil einer großen Inszenierung gewesen, meint Jax. Einiges verspricht sich der Experte indes von der nahenden EU-Datenschutzgrundverordnung (siehe Artikel rechts unten).

Dass Zuckerberg freiwillig zu den Anhörungen in Washington kam, wurde von den Senatoren positiv bewertet, die Europäische Union will sich in der nächsten Woche des Facebook-Skandals annehmen. In weiterer Folge soll der Facebook-CEO auch vor dem EU-Parlament Rede und Antwort stehen: „Jeden Tag hören wir von neuen besorgniserregenden Vorwürfen über die Daten-Praktiken von Facebook. Seit Jahren wissen wir, dass Facebook und Co. massenhaft Daten über ihre NutzerInnen anhäufen. Doch wie exzessiv diese Daten von externen Firmen genutzt werden können, ist eine neue Dimension“, mahnen EU-Abgeordnete.

„Facebook sagt, es will Offenheit und Transparenz propagieren, da passt es nicht, wenn Zuckerberg hier kneift“, so der Abgeordnete Heinz Becker. Das EU-Parlament wartet seit drei Wochen auf (s)eine Antwort. „Warum sollten wir Ihnen dieses Mal glauben, dass sich etwas ändert?“, stellte Michael F. Doyle aus dem US-Repräsentantenhaus die ganz große Frage. „Auch meine Daten gingen an Cambridge Analytica!“, beklagte Zuckerberg den Kontrollverlust, der den aktuellen Skandal um Facebook und das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen lostrat. Für fast jede Frage bedankte er sich artig: „Ein überaus wichtiges Thema!“ Der oberste Netzwerker betonte, für ihn sei Facebook keine Medienfirma, sondern ein Technologie-Unternehmen. Und: „Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben.“

Den Vorwurf, dass Facebook bereits seit Ende 2015 von dem Absaugen der Daten wusste und auch für Fake News eine Plattform ist, konnte Zuckerberg in Washington nicht entkräften. Man werde aber jedenfalls jetzt die nötigen Schritte setzen: „Wir durchlaufen gerade einen breit angelegten Kulturwandel im Unternehmen“, so Zuckerberg. Er dürfte diesen wohl eher als inneren Reinigungsprozess anlegen, als sich auf stärkere Kontrollen festlegen zu wollen.

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