Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Trump: „Auftrag erfüllt“

Der US-Präsident verwendet nach dem Angriff auf Syrien Irak-Worte von Vorvorgänger Bush. Wortgefechte mit Moskau im Sicherheitsrat.

Von Martin Gehlen

Witali Tschurkin tobte im Saal des Weltsicherheitsrates der Vereinten Nationen in New York. Das Verhalten der USA und ihrer Verbündeten erinnere an jenes von Hooligans, sagte der russische UN-Botschafter bei der Dringlichkeitssitzung. Die Regierung in Moskau hatte nach dem Luftangriff auf syrische Stellungen am Morgen die Zusammenkunft des UN-Gremiums erbeten. Die von Washington betriebene Eskalation destabilisiere den gesamten Nahen Osten und überhaupt unterminiere das Bündnis aus USA, Großbritannien und Frankreich mit seinem neokolonialen Auftreten die Autorität des Sicherheitsrates, wandte sich Tschurkin an die Vertreter aus Paris, London und Washington, die als Vetomächte am Tisch in New York saßen.

Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter mitgeteilt: „Auftrag erfüllt.“ Das erinnerte an den Auftritt seines Vorvorgängers George W. Bush, der am 1. Mai 2003 auf dem Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ den Irakkrieg mit den Worten „Mission accomplished“ für beendet erklärte.

Es seien keine neuen Angriffe geplant, sagte Trump. Die USA wollten den Konflikt mit Russland nicht weiter anheizen. „Ein perfekt ausgeführter Einsatz vergangene Nacht“, twitterte Trump, der sich in einer Fernsehrede direkt an Machthaber Baschar al-Assad richtete: „Wir sind darauf vorbereitet, diese Art Antworten zu geben, bis das syrische Regime den Einsatz verbotener Chemikalien aufgibt“. In Anspielung auf den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Duma am vorigen Samstag sagte er: „Dies sind nicht die Taten eines Mannes. Es sind die Verbrechen eines Monsters.“ Und richtete dann die Worte an die Assad-Verbündeten in Teheran und Moskau: „Russland muss entscheiden, ob es diesen dunklen Pfad fortsetzen will oder ob es sich den zivilisierten Nationen anschließen will, um eine Kraft für Stabilität und Frieden zu sein.“ Hoffentlich verstehe man sich „eines Tages mit Russland und vielleicht sogar mit dem Iran – aber vielleicht auch nicht“.

Die britische Premierministerin Theresa May formulierte es noch drastischer: „Wir können nicht erlauben, dass der Gebrauch chemischer Waffen normal wird: innerhalb Syriens, auf den Straßen Großbritanniens oder irgendwo sonst in unserer Welt“. Damit spielte sie auf das Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergei Skripal an. Der Militäranschlag auf das syrische Regime sieht May auch als Warnung an Russland.

Schwere Explosionen hatten am frühen Morgen die Bewohner von Damaskus aus dem Schlaf gerissen. Viele rannten auf ihre Balkone, andere kletterten auf die Dächer, um das nächtliche Spektakel besser beobachten zu können. Lichtblitze standen am Himmel, gefolgt von dumpfen Erschütterungen. Im Norden und Osten der Hauptstadt markierten dichte Rauchwolken die Einschlagsorte. „Es war Chaos pur über unseren Köpfen“, beschrieb ein Bewohner seine Erlebnisse. 45 Minuten dauerte das Bombardement durch französische, britische und US-Kampfjets und Cruise Missiles. Schon wenig später kreisten lärmende Autokorsos mit syrischen, russischen und iranischen Fahnen durch die Straßen, und ließen Bewohner die Armee und Assad hochleben. „Baschar, wir folgen deinen Befehlen. Und wenn die Welt in Flammen aufgeht“, skandierten einige.

Nach Angaben des Pentagons nahmen die Angreifer mehrere Ziele unter Feuer, darunter ein chemisches Forschungsinstitut im Viertel Barzeh. Nahe der Stadt Homs traf es zwei Militäreinrichtungen, in denen Chemikalien zur Giftgasproduktion lagern sollen. Russische Standorte dagegen blieben ausgespart, Zivilisten kamen offenbar nicht ums Leben. Noch tags zuvor hatten beide Weltmächte erklärt, ihre Hotline sei intakt und funktioniere.

Die Zahl der abgefeuerten Raketen war diesmal doppelt so hoch wie vor einem Jahr nach dem Giftgasangriff auf die Stadt Chan Schaichun. Damals feuerten US-Schiffe 59 Marschflugkörper ab und zerstörten Landebahn und Flugzeugbunker auf der Luftwaffenbasis Shayrat.

Das Regime in Damaskus zeigte sich nicht sonderlich beeindruckt. Das Staatsfernsehen meldete nach den Angriffen, dass Sicherheitskräfte in die Stadt Duma vorgerückt seien, der zuvor eroberten letzten Rebellen-Bastion in der Region Ost-Ghuta nahe Damaskus. In wenigen Stunden werde die Stadt vollständig „von der terroristischen Präsenz“ befreit sein, ließ die Regierung mitteilen.

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.