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Der lange Kampf gegen das Bienensterben

EU-weites Verbot von drei Insektiziden soll das Bienensterben bremsen. Neben Lob gibt’s auch Kritik, Rübenbauern fürchten um ihre Existenz.

Von Hannes Gaisch-Faustmann

Es ist ein Wettlauf der Lobbyisten, und wie er ausgeht, entscheidet sich am 27. April. Doch viel spricht aus heutiger Sicht dafür, dass sich an jenem Freitag die Bienen, Imker und Naturschützer gegen die Neonicotinoide (kurz: Neonics, siehe Lexikon), ihre Hersteller und die Zuckerrübenindustrie durchsetzen. An diesem Tag lässt die EU ihre Mitglieder darüber abstimmen, ob der Einsatz der Insektizide EU-weit im Freiland verboten werden soll.

Frankreich und Deutschland werden für das Verbot plädieren. Seit Sonntag ist klar, dass auch Österreich diesem Kurs folgen wird. „Wir treffen diese Entscheidung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Überzeugung, dass wir alles dafür tun müssen, Bienen zu schützen und ihre Lebensräume zu erhalten“, erklärte Umwelt- und Agrarministerin Elisabeth Köstinger (VP).

In einer gemeinsamen Studie haben die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) und die Universität Graz (Institut für Zoologie und Wegener Center) nachgewiesen, dass drei Neonics am Schrumpfen der Bienenpopulation mitschuld sind. Das ist aber nicht die einzige Bedrohung. Einige Zeit gefährdete eine sinkende Zahl von Imkern die Bienen. Dieses Tal scheint im Moment aber durchschritten zu sein, erklärt Robert Brodschneider, der an der Studie mitgearbeitet hat. „Bis vor zehn Jahren gab es Rückgänge, nun geht es wieder leicht bergauf“, sagt der Bienenexperte. Die Zahl der Imker sei so wichtig, da in unseren Breiten praktisch keine wild lebenden Honigbienen mehr vorkommen. Bedroht seien die Völker zudem vor allem von der Varroamilbe. „Noch haben wir aber genug Bienen“, sagt Brodschneider.

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit reiht die Neonics unter die Kategorie „bienengefährlich“ ein. Der Einsatz von drei bestimmten Insektiziden (Imidacloprid, Thiamethoxam und Clothianidin) ist in der EU seit Dezember 2013 nur noch eingeschränkt erlaubt. Der Weg dorthin war steinig. Der damalige Umweltminister Niki Berlakovich (VP) hatte dagegen gestimmt und sich damit viel Unmut zugezogen. Mittlerweile sei Österreich bereits strenger als andere EU-Länder, betont Köstinger. Nun geht es um einen Bann im gesamten Freiland. Greenpeace und Global 2000 verbuchen das nahende „Verbot für Bienenkiller“ als ihren Erfolg, kämpfen sie doch seit mehr als zehn Jahren dafür.

Helmut Burtscher von Global 2000 geht noch weiter und fordert einen „Aktionsplan mit einem Bündel von Maßnahmen“. Wenn auch der Bann der Gifte für Bienen und andere Insekten ein Segen wäre, so würde das Verbot allein kein Ende des Bienensterbens bedeuten, so Burtscher. Zentral seien etwa „Anreize für die bienenschonende Bewirtschaftung von Acker und Grünland“.

Alles geklärt? Noch nicht. Auf der anderen Seite stehen so gewichtige Pestizid-Hersteller wie Bayer und Syngenta. Sie haben gegen die Einschränkung des Einsatzes der Neonics beim Europäischen Gerichtshof geklagt und fordern Schadenersatz von der EU, eine Entscheidung steht noch aus. Auf eine andere betroffene Gruppe verweist Christian Stockmar, Chef der Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP): Ein Verbot würde die Zuckerrübenhersteller hart treffen, sagt er. Auch Köstinger räumt ein: Die Rübenbauern hätten derzeit keine alternativen Pflanzenschutzmittel.

Klaus Berend, Leiter der Pestizidabteilung in der EU-Kommission, bestätigt „freundliche, aber entschlossene Besuche“ der Zuckerrübenerzeuger und der Zuckerindustrie. Gegen die Entschlossenheit der EU, das Totalverbot durchzusetzen, war jedoch kein Kraut gewachsen.

Die Produzenten stehen unter Druck: Die Preise für Zucker sind im Keller – eine Tonne kostet am Weltmarkt lediglich 360 Euro, ein Zweijahrestief. Das liegt auch an der Abschaffung der Zuckerquote. Die Ministerin kündigte einen „Aktionsgipfel“ an. Tenor: Handel, Industrie und Konsumenten sollen heimischen Bio-Zucker forcieren. Bio-Zucker ist pestizidfrei. Will man Zucker ohne Neonics, müsste der Import aus Drittstaaten in die EU gestoppt oder eingedämmt werden.

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