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Zeit im Buch

Warum Marx derzeit eine Renaissance erlebt

Es ist eigentlich ein guter Zeitpunkt, um sich wieder einmal mit Karl Marx zu beschäftigen. Das ist zunächst nicht einmal politisch gemeint. Am 14. September 1867 gab das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels die Veröffentlichung des ersten Teils des „Kapitals“ bekannt. Die Bibel des Kommunismus feiert in diesen Tagen also ihren 150. Geburtstag. Der berühmteste Rauschebart der Wirtschaftsgeschichte und kapitalismuskritische Philosoph selbst würde im März 2018 seinen 200. Geburtstag feiern. Nach dem Untergang der Sowjetunion schien seine Idee vom Sozialismus ähnlich tot wie der Protagonist der Arbeiterbewegung. Doch die Kapitalismuskritik erlebt dieser Tage angesichts von Globalisierung und Finanzkrisen eine Wiederbelebung und so hat sich der Journalist Jürgen Neffe noch einmal neu an den Autor herangewagt und einen 656 Seiten starken Wälzer aus seiner Neuschau gemacht. Und der hat es in sich. „Der Unvollendete“ zeichnet das Bild eines Denkers und Visionärs, der auch im dritten Jahrtausend seine Gültigkeit habe, der aber eben auch ein Schreibtischrevolutionär gewesen sei. Neffe deckt Lücken und Widersprüche im Gedankengebilde auf. Es war mehr „werden“ als schon „sein wollen“, eben ein Gedankenexperiment mit vielen Freiheitsgraden. Schon das zeigt das Gegenteil von dem, was im Ostblock mit Unterdrückung und Unfreiheit im Marx’schen Namen in die Praxis umgesetzt wurde. Und es wirft einen neuen Blick auf die Person Marx, die selbst an der Grenze des finanziellen Siechtums leben musste. Er zeichnet die persönlichen Verhältnisse nach, in denen Marx sich bewegte, während er seine bedeutendsten Werke schrieb. Es liegt aber auch Hegels langer Schatten über dem Werk von Marx. Es ist der Kernsatz, „dass sich das Sein nur in seiner Bewegung verstehen lässt“, schreibt Neffe. Deshalb tut man Marx unrecht, wenn man ihn als ideologischen Betonkopf bezeichnet. Das ist der fundamentale Unterschied zu den Ideologen, die ihn betonhaft interpretiert haben. Schon deshalb lohnt es sich, noch einmal Marx zu lesen, aus der Feder von Neffe. Ingo Hasewend

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