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Zeit im Buch

Krisenbericht aus dem Land am Bosporus

Hasnain Kazims Feder ist mitunter eine sehr spitze. Seine Reportagen tragen einen feinen Humor, seine Kommentare in den sozialen Medien zu den zahlreichen Anwürfen, die man als Journalist mitunter ertragen muss, sind entwaffnend, aber frei von Häme. Er sticht heraus unter den deutschsprachigen Auslandsreportern. Der ostfriesische Journalist mit indisch-pakistanischen Wurzeln, der für „Spiegel“ und „Spiegel Online“ erst aus dem Land seiner Eltern berichtet hat, dann weiter in die Türkei gezogen ist und nun aus Wien die Welt mit seiner Analysefähigkeit auseinandernimmt und in schönen Worten wieder zusammensetzt. Seine Zeit in Pakistan hat er bereits vor Jahren in einem Buch verarbeitet. Nun hat er sich mit der Türkei grundlegender auseinandergesetzt und fällt ein vernichtendes Urteil. So heißt das Buch auch ein wenig plakativ „Krisenstaat Türkei“ und trägt den nicht weniger milden Untertitel „Erdoğan und das Ende der Demokratie am Bosporus“. Er beschreibt darin schon seine Ankunft als verstörend. Er kannte aus Pakistan die Gefahren seiner Arbeit, aber immerhin konnte er mit allen Seiten sprechen, selbst mit den Taliban. In der Türkei warnte man ihn schon von Anfang an, nicht mehr mit den Kurden zu sprechen, wenn man keinen Ärger haben wolle. Den Ärger handelte er sich dann tatsächlich ein. Er habe die Türkei verlassen müssen, weil ihm eine Anklage wegen „Unterstützung einer terroristischen Organisation“ hätte drohen können.

Drei Jahre lang konnte Kazim am Ende einen Blick hinter die Kulissen in der Türkei werfen. Das Buch ist dennoch ein guter Überblick über die Entwicklung der vergangenen Jahre und ein guter Einblick in das Leben der Türken. Vor allem das Kapitel, in dem er die Begeisterung weiter Teile der Bevölkerung für Erdoğan ergründet, ist erhellend. Das Gefühl, die ganze Welt sei gegen sie, schweißt alle hinter einer Person zusammen, die möglicherweise nicht die richtigen Antworten auf die Probleme hat, aber doch die richtigen Worte, um das gefühlt gekränkte Ego der Türken zu bedienen. Ingo Hasewend

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