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Zeit im Buch

Der Zar, der keiner sein wollte

Es gibt nur wenige Ereignisse in der Geschichte des 20. Jahrhunderts, die die unmittelbaren Zeitgenossen und die Nachwelt so beschäftigt haben wie die Ermordung des Zaren und seiner Familie am 17. Juli 1918. Die Bluttat übt bis zum heutigen Tag eine dunkle Faszination auf Menschen unabhängig von deren Herkunft, kultureller, religiöser oder weltanschaulicher Bindung aus. Dazu tragen nicht nur der hohe Rang der Ermordeten und der Umstand bei, dass mit ihrem Ende der Untergang des Hauses Romanow, das 400 Jahre lang über Russland geherrscht hatte, besiegelt wurde. Auch die Person des letzten Zaren gab und gibt Anlass für leidenschaftliche Debatten.

Wer war Nikolaus II.?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Trachtete das neue kommunistische Regime – auch um den Mord zu legitimieren – danach, den Zaren als blutigen Henker zu dämonisieren, setzte mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Russland mit starker Deckung der orthodoxen Kirche ein gegenteiliger Trend der Sakralisierung ein, der im Jahr 2000 mit der offiziellen Kanonisierung des Monarchen als „Märtyrer“ und acht Jahre später mit seiner offiziellen Rehabilitierung durch das Putin-Regime ihren Höhepunkt fand.

Mit „Der letzte Zar“ hat György Dalos nun einen schmalen, aber inhaltlich dichten Band vorgelegt, der ein von Mythen entschlacktes Bild von Nikolaus entwirft. Kenntnisreich zeichnet der in Berlin lebende ungarische Schriftsteller und Historiker das Porträt einer zaudernden, unsicheren Persönlichkeit, die, im Bewusstsein ihrer eigenen begrenzten Fähigkeiten, nach eigenen Worten nie Zar werden wollte und an der Aufgabe, in Krisenzeiten ein Riesenreich zu lenken, kläglich scheiterte. Um der revolutionären Stimmung in Russland zu begegnen, hätte er energisch Reformen setzen müssen. Doch sein Unglück war es, es allen recht machen zu wollen. Und so stolperte er von einer Katastrophe in die nächste, bis am Ende der Erste Weltkrieg, den der letzte Zar als „monströses Schlachten hatte kommen sehen, neben Millionen von Unschuldigen auch ihn und seine Dynastie verschlang. Stefan Winkler

Der Zar, der keiner sein wollte
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