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Leitartikel

Ein Rabauke als Retter

Der künftige Ministerpräsident Söder changiert in seinen Posen zwischen Bayern-König und Shrek. Das mag unterhaltsam sein, ein Fundament für einen Landesvater ist es nicht.

Markus Söder war sich noch nie zu schade für „a echte Gaudi“. 2014 erschien er beim Fasching als grüne Comicfigur Shrek neben seinem landesväterlich seriös angezogenen Chef Horst Seehofer (Schlagzeile: Der Seehofer-Shrek). Einmal erschien der bayerische Finanzminister als Punk mit rot-weißer Irokesenfrisur. Einmal gar trat er als Seehofer-Kopie auf – wobei ihm diese Rolle freilich keiner ernsthaft abnahm. Lautsprecher der CSU mit Zug zum Tor, ein Freund rhetorischer Keulenschläge. Söder ist ein Abziehbild von dem, was man sich unter einem krachledernen Bayern vorstellt. Dabei ist er als Franke genau genommen nicht einmal das. Wer sich dann noch vor dem Märchenschloss Neuschwanstein in königlicher Pose fotografieren lässt und das Bild durch die sozialen Medien jagt, hat ohnehin keinen Genierer.

Wer ihn aber deswegen nur als Clown abstempelt, unterschätzt Söder maßlos – so wie offenbar auch Seehofer. Er nannte seinen Erzfeind-Kronprinzen „vom Ehrgeiz zerfressen“, er habe „charakterliche Schwächen“ und leiste sich „zu viele Schmutzeleien“. Einen „Alkoholiker der Macht“ nennt man ihn im Parteivorstand in München. Doch Söder ist auch ein exzellenter Netzwerker mit ordentlichem Rückhalt in der CSU. Dabei haben Franken gegen die mächtigen Oberbayern bei der Spitzenbesetzung immer eher das Nachsehen. Nun musste Seehofer Platz machen für den, den er so lang wie möglich verhindern wollte.

Bald also tritt Söder in die mächtigen Spuren von Alfons Goppel, Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber und Horst Seehofer. Es muss schlimm stehen um die Christsozialen, wenn sie sich – in den Wasserfall blickend – in die Hände des Kapitäns Söder begeben. Zudem stellt sich Seehofer als Parteichef neben ihn. Ein riskantes Manöver mit zwei derart zerstrittenen Steuermännern. Das könnte im Inferno enden, denn im Herbst 2018 sind Landtagswahlen und die Beliebtheit Söders im Freistaat ist im Gegensatz zu jener in der Partei überschaubar – und Seehofer keine Hilfe mehr. Er ist ein Parteichef auf Abruf. Seine Autorität ist nach dem Machtkampf der vergangenen Jahre zerstört. Söder, der nicht gerade den Ruf eines Versöhners genießt, wird Seehofer bei jeder sich bietenden Gelegenheit alt aussehen lassen. Die Regentschaft von König Markus dürfte von den Gnaden eines Koalitionspartners abhängen. Auch wenn sich die CSU nach der gezwungenen Koalition mit der FDP zwischen 2008 und 2013 etwas aus dem Abwärtssog befreien konnte, wird sie nun von der AfD von rechts bedrängt.

Söder wird nur dann den letzten Tanker der deutschen Parteienlandschaft vor dem Untergang retten, wenn er es schafft, den umsorgenden Landesvater zu geben – wie es Seehofer bei vielen anderen Schwächen perfekt konnte. Diese Rolle ist dem Rabauken Söder bislang nicht gelungen. Die Bayern haben viel zu verlieren, das weiß der Finanzminister. Wenn er den Spagat nicht hinbekommt, wird er seinen Sieg nur kurz genießen können.

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