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Leitartikel

Bombenstimmung

Trump will mit rascher einsetzbaren Atomwaffen die Welt sicherer machen. Putin trumpft mit neuen Nuklearwaffen auf. Abrüstung als Ziel ist offenbar Geschichte.

Make America great again“ – „Machen wir Amerika wieder groß“ – das war Donald Trumps Wahlkampfmotto, mit dem er die Stimmbürger davon überzeugte, ihn trotz Mangels an politischer Erfahrung ins Weiße Haus zu wählen. Wladimir Putins gestriger Auftritt vor dem Wahlvolk lässt eine ähnliche Strategie erkennen, mit anderen Vorzeichen: „Russia is great again“ – Russland ist wieder Großmacht. Das war wohl die Kernbotschaft seiner Rede an die Nation, in der er damit prahlte, über die größten, stärksten, über „unverwundbare“ Nuklearwaffen zu verfügen. Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass Putin, immerhin seit 18 Jahren im Amt, schon lange vor Trump mit dem Großmachtversprechen die Bürger hinter sich scharte.

Experten sind sich uneins, wie weit das neue russische Atomwaffenprogramm gediehen ist. Nicht alles, was verkündet wird, ist auch zwingend einsatzbereit. Hat Russlands Militärtechnik tatsächlich so weit aufgeholt? Oder trägt Putin angesichts der Präsidentenwahl in drei Wochen etwas dicker auf? Doch selbst, wenn der Kreml-Chef blufft: Dass er offen mit übermächtigen Atomwaffen protzt, ist nicht nur neu, sondern auch eine Drohgebärde, die Angst macht. Und das soll sie wohl auch.

Dabei kann man sie ihm nicht einmal verdenken. Erst Anfang Februar hatte Trump die neue US-Nuklearstrategie verkündet – und die Anschaffung von sogenannten „Mini-Nukes“ angekündigt.

Mini sind diese nicht wirklich: Als klein gelten Atomwaffen heute mit einer Sprengkraft von weniger als 20 Kilotonnen. Darunter fällt auch die Atombombe, die die USA 1945 über Hiroshima einsetzten. Durch die Explosion und die Spätfolgen der Strahlung wurden Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen getötet.

Dass die Mini-Nukes kleiner sind und ihre Zerstörungskraft leichter eingrenzbar ist, macht sie auch gefährlicher – weil sie leichter einsetzbar sind. Zudem hat sich Trump für den Fall einer Bedrohung der USA explizit die Möglichkeit eines Erstschlages vorbehalten. Putin sprach gestern zumindest „nur“ von der Option eines russischen Gegenschlages.

Die Konfrontation in Syrien, die mutmaßlichen Cyber-Angriffe russischer Hacker, das Tauziehen um die Ukraine mit kontinuierlicher Aufrüstung beider Seiten: Das Verhältnis zwischen den USA und Russland ist auf einem neuen Tiefpunkt.

Dass sich die Lage in den nächsten Jahren entspannt, ist nicht sehr wahrscheinlich. Die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen Putin und Trump hat sich mit der mutmaßlichen Wahlkampfhilfe Russlands für Trump und den Ermittlungen in Washington zerschlagen. Und auch Putin legt mehr Wert darauf, Stärke zu demonstrieren, als einzulenken.

Das atomare Wettrüsten zwischen Ost und West ist zurück. Abrüstung, so scheint es, hat im Jahr 2018 ausgedient. Zivilisatorischer Fortschritt sieht anders aus.

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