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Leitartikel

Moons Gratwanderung

Südkoreas Präsident sucht das Gespräch mit einem Diktator, weil er einen Atomkrieg abwenden will. Das ist zu begrüßen. Nur sollte Moon mit Bedacht vorgehen.

Es ist wichtig und richtig, dass Präsident Moon Jae-in mit Machthaber Kim Jong-un spricht. Moon muss die Gefahr eines Atomkriegs von seinem Land abwenden. Doch er sollte nicht vergessen, dass Kim sich in der schwächeren Position befindet – und sich nicht zu schnell im Alleingang zu Zugeständnissen hinreißen lassen. Wenn er geschickt vorgeht, hat er jedoch die Chance, eine echte Wende zum Besseren herbeizuführen.

Die Geschichte der innerkoreanischen Beziehungen wiederholt sich. Auf eine Eiszeit folgt eine Warmzeit, und dann geht das Drama wieder von vorne los. Schon Kims Vater hat mit Moons Vorgängern verhandelt, schon damals galten die Gespräche als Durchbruch im Umgang mit einem Nordkorea, das kurz zuvor noch mit totaler Vernichtung gedroht hatte.

Es ist nun bereits großzügig von Moon, einen menschenverachtenden Diktator wie Kim überhaupt zu treffen. Moon gehört zu den Vorkämpfern von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in seinem Land. Kim dagegen hält sein Volk in Unwissenheit und lässt es darben, während er im Luxus lebt. Er hat mehrere seiner Familienmitglieder kaltblütig umbringen lassen, weil er glaubte, dass diese seine Macht bedrohen. Sein Regime betreibt Konzentrationslager für Kritiker und Abweichler. Es ist zu hoffen, dass Moon bei dem geplanten Treffen nicht so freundlich lächelt wie sein enger Mitarbeiter Chung Eui-yong, als dieser mit Kim und seiner Familie zu Abend gegessen hat.

Wenn es um die Sanktionen geht, sollte Moon nicht zu früh aus der Linie der internationalen Gemeinschaft ausscheren: Nordkorea darf erst dann wieder Handel treiben, wenn es substanziell abrüstet. Gegenüber dieser Forderung werden sich schnell die Grenzen der neuen nordkoreanischen Leutseligkeit zeigen. Denn Kim sieht die Bombe als seine Lebensversicherung. Wer einen Atomknopf hat, kann sich vor einem Einmarsch der Amerikaner sicher fühlen. Doch Kim braucht die Warenlieferungen aus dem Ausland ebenso dringend. Moon sollte ihn zappeln lassen, bis er seine Bomben herausrückt und Inspektoren permanent ins Land lässt.

Moon muss sich also mit China, den USA und im Zweifelsfall mit weiteren Partnern wie Japan und den Europäern koordinieren. Nur wenn die wichtigen Länder geschlossen auftreten, dann können sie bei Kim etwas erreichen. Trump darf ruhig weiter etwas drohen. Das verleiht dem Ernst der Gespräche Nachdruck. Wenn die Zeit reif ist, sollten jedoch auch die USA auf Moons Linie einer Annäherung einschwenken. In diesem Szenario könnte gerade der Anfang einer echten Friedensphase auf der koreanischen Halbinsel liegen.

Eine friedliche Wiedervereinigung ist dennoch nicht in Reichweite, auch wenn das Wort jetzt bei den Gesprächen mehrfach gefallen ist. Kim wird seine Macht nie aufgeben – und der Süden will das Erreichte nur noch ungern mit den verarmten Verwandten im Norden teilen.

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