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Zeit im Buch

Diesen Forscherdrang muss man erst überleben

Er hat keine Einbildungskraft, und so fehlt ihm nach meinem Urteil das notwendige Vermögen zu seiner Wissenschaft.“ So hart urteilt Friedrich Schiller 1797 über den Berliner Naturforscher Alexander von Humboldt. Doch Schiller sollte sich gründlich irren. 1799 bricht der damals 30-jährige Humboldt zu einer fünfjährigen Forschungsreise nach Mittelamerika auf, die seinen Ruf als „zweiter Kolumbus“ begründet.

Der Journalist Rüdiger Schaper legt eine opulente Biografie des Preußen vor, die das Querdenkerische und Facettenreiche in Humboldts Kosmos auf kurzweilige Art erschließt. Humboldt – er ist der jüngere Bruder des Universitätsreformers und Staatsmanns Wilhelm von Humboldt – verbindet in Aristoteles-Manier alle Wissenschaftsdisziplinen: Er forscht ohne Berührungsangst in den Bereichen Physik, Chemie, Geologie, Mineralogie, Vulkanologie, Botanik, Zoologie, Klimakunde, Astronomie und vielen anderen. Dazu wird er zum vehementen Kritiker der spanischen Kolonialherrschaft, verurteilt den Sklavenhandel und die Umweltzerstörung.

Humboldt ist geistig frei, er reist unter dem Schutz des spanischen Königs, aber nicht auf dessen Kosten – die Spesen trägt er als Privatgelehrter aus einer üppigen Erbschaft. Schon der Umstand, dass er seine Reisen überlebt, ist bemerkenswert. Denn er trifft auf Tiger und Krokodile, arbeitet sich in unbekannte Urwaldregionen vor und zeigt einen Hang zu abenteuerlichen Selbstversuchen. So kostet er bei den Indianern am Orinoco das Pfeilgift Curare. Dem Unverwüstlichen, der am Ende fast 90 Jahre alt wird, kann die gefürchtete Substanz nichts anhaben.

Der Autor Schaper findet auch kritische Töne, aber Humboldts Wirkung für die Wissenschaftsentwicklung setzt er ganz hoch oben an. Und zwar mit folgendem Konstrukt: Just in Humboldts Todesjahr (1859) kam „Die Entstehung der Arten“ von Charles Darwin in den Handel, und in Sinai wurde die älteste erhaltene Bibelhandschrift entdeckt. Deshalb sei 1859 „das Schicksalsjahr für Natur, Glaube und Wissenschaft“ gewesen. Ernst Sittinger

Diesen Forscherdrang muss man erst überleben
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