Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Aussensicht

Versicherungspflicht statt Pflichtversicherung

Ein Aspekt scheint bei der aktuellen AUVA-Debatte übersehen zu werden: Laut der vom früheren Sozialminister Stöger bei der „London School of Economics“ (LSE) in Auftrag gegebenen Studie weist die Unfallversicherung enorm hohe Verwaltungskosten auf. Vergleicht man die Sozialversicherungen untereinander, so zeigen sich im Bereich der Unfallversicherung deutlich höhere Verwaltungskosten als bei anderen Versicherungsträgern. Bei der AUVA fielen knapp 7,1 Prozent der Gesamtkosten in den Bereich der Verwaltung, während es bei den Krankenversicherungen Werte zwischen 0,6 und 6,8 Prozent waren. Laut LSE-Studie können die Unterschiede in den Verwaltungskosten nur teilweise durch höheren Aufwand bei den Fallbearbeitungen erklärt werden. Die im Zentrum stehende Frage sollte sein, wie die Unfallversicherung effizienter zu organisieren und die Qualität der Leistungen zu heben ist. Die AUVA finanziert sich über Arbeitgeberbeiträge, sie liegen bei 1,3 Prozent des Bruttoeinkommens jedes Arbeitnehmers. Die Höhe der Beiträge ist für alle Unternehmen gleich. In puncto Effizienzsteigerung könnte man über die Einführung einer Versicherungspflicht für Unternehmen nachdenken, die ihre Mitarbeiter verpflichtend gegen Unfälle versichern.

Die Pflichtversicherung würde also von einer Versicherungspflicht abgelöst werden. So wie das auch in der Schweiz der Fall ist, dort sind zwei von drei Arbeitnehmern in der Pflichtversicherung versichert, das restliche Drittel unterliegt der Versicherungspflicht, die Arbeitgeber können also die Unfallversicherung für ihre Mitarbeiter frei wählen. Ebenso gibt es in der Schweiz auch bei der Pflichtversicherung ein Bonus-Malus-System. Arbeitgeber, bei denen es viele Berufsunfälle bzw. Berufskrankheiten gibt, müssen einen höheren Beitrag in die Versicherung einbezahlen. Jene Arbeitgeber, bei denen es weniger sind, zahlen weniger. Eine Versicherungspflicht hätte den Vorteil, dass Unternehmen mit hohem Unfallrisiko auch höhere Beiträge zahlen müssten. Die Unternehmen hätten also einen finanziellen Anreiz, sich um die Gesundheit der Mitarbeiter zu sorgen.

Michael Christl ist Ökonom bei der Agenda Austria

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.