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ZEIT IM BUCH

Einblick in die Folterkammer der CIA

Der Report zu den Verhörmethoden des US-Geheimdienstes ist ein verschreckendes Dokument. Es zeigt, wie ein Rechtsstaat in Terrorangst seine Rechtsstaatlichkeit über Bord wirft.

Anfang Dezember 2014 hatte die US-Senatorin Dianne Feinstein ihren letzten Auftritt als Vorsitzende des Geheimdienstausschusses. Und es war unbestritten ihr bedeutsamster. Denn der Report, den die Demokratin in Händen hielt, ist eine gnadenlose Abrechnung mit dem US-Geheimdienst CIA. Sie präsentierte ihren Kollegen im Senat einen Stapel von 525 eng bedruckten Seiten, der dokumentiert, wie die Vereinigten Staaten in die Folterfalle gerieten. Der Bericht zeigt: Unter dem Schock von 9/11 gaben sich die USA, dieses selbst ernannte Bollwerk von Demokratie und Freiheit, selbst die Lizenz zum Terror.

Der Feinstein-Report berichtet von den „speziellen Verhörmethoden“, wie es die CIA verharmlosend nannte. Sie waren brutaler als angenommen, aber ergebnisloser als erhofft. Das Waterboarding etwa, ein simuliertes Ertränken, angewandt in Guantánamo und in den CIA-Geheimgefängnissen wie Abu Ghraib im Irak.

Oder die Zwangsfütterung von Häftlingen in Guantánamo. Mit „Einläufen aus pürierten Nudeln und Kichererbsen“, wie es im Bericht heißt. Was an sich schockierend genug ist, aber dann noch mit dem Zusatz „rektal gefüttert“.

Über fünf Jahre haben Mitarbeiter von Feinsteins Ausschuss mehr als sechs Millionen Dokumente zusammengetragen, 40 Millionen Dollar für die Recherche ausgegeben. Der volle Bericht umfasst 6200 Seiten und unterliegt der Geheimhaltung. Die Veröffentlichung wurde zum Politikum zwischen Republikanern und Demokraten. Der Beschluss zur Veröffentlichung wurde nach langem Streit schließlich am 3. April 2014 gefasst. Eine 525 Seiten lange, nicht als geheim klassifizierte, aber an vielen Stellen geschwärzte Kurzfassung wurde im Dezember 2014 veröffentlicht, die deutsche Fassung kam am 19. Jänner in den Buchhandel.

Herausgeber Wolfgang Neškovi´c, Ex-Bundesrichter und als Bundestagsabgeordneter im Untersuchungsausschuss zum Fall des in Deutschland aufgewachsenen Guantánamo-Insassen Murat Kurnaz, schreibt resümierend, dass die Ausschaltung des Rechtsstaats der eigentliche Triumph der Terroristen sei. Dass der Terror ungesühnt mit den Methoden des Terrors bekämpft werde. INGO HASEWEND

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