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OFFEN GESAGT

Wiener Wut

Die ÖH solidarisierte sich offen mit den gewaltbereiten Ultras. In wessen Namen?

Was blieb von der lauten Wiener Nacht? Erleichterung darüber, dass nicht alle Befürchtungen wahr wurden, und wohl auch: Betroffenheit über das bizarre Missverhältnis zwischen Anlass und Dimension des Aufruhrs sowie des staatlichen Management-Aufwands. Es ist der Polizei zu danken, dass das Aufeinandertreffen von rechtsnationalen Ballgästen und linksradikalen Demonstranten keine Kriegskulisse hinterließ. Die Exekutive reagierte entschlossen, professionell und transparent. Sie tat, wozu sie berufen ist: Sie sorgte für den Schutz von Leib, Leben und dem Eigentum Unbeteiligter. Nicht in allen Fällen gelang ihr der Selbstschutz. Die Anarchos werden das kolossale Ausmaß von Zuwendung und Aufmerksamkeit genossen haben. Ihre Aggression, wenn sie Taxis umzingelten, Reifen aufschlitzten, Insassen bedrohten oder aber Polizisten mit Bierdosen und Böllern bewarfen, hatte etwas abgründig Lustbetontes. Nicht zufällig lud die Radau-Fraktion NOWKR nach dem nächtlichen Spuk zu einer Afterparty.

Ein Blick auf die Homepage der Krawalltruppe reichte, um zu erkennen, dass Anzeige und Kundgebungsverbot begründet waren. Man werde den Ball nicht nur stören, sondern „unmöglich machen“. Diesmal wolle man es „auf die Spitze treiben“ und den Ball samt Schmissfressen aus der Hofburg auf den Müllhaufen der Geschichte befördern. Das Gewaltmonopol des Staates habe keine Gültigkeit. Weil die Gesellschaft in sich gewalttätig sei, sei man auch selbst zu Militanz berechtigt. Der Aufruf zur Selbstjustiz: pure RAF-Prosa.

Dass die Hochschülerschaft das Demo-Verbot als Verletzung der Versammlungsfreiheit geißelte, offenbart ihren Verblendungsgrad. Für sie impliziert Freiheit offenkundig auch die Freiheit, anderen diese zu nehmen. Mit dieser Irrlichterei diskreditiert die ÖH nicht nur die Studierenden, sondern auch die große Mehrheit jener, die unter Gewaltverzicht gegen den Ball die Stimme erhoben.

Ein solcher Protest muss im Rechtsstaat ebenso sein dürfen wie die Versammlungsfreiheit der Burschenschaften, vorausgesetzt, sie verletzen mit dem völkischen Treue-Geschwurbel kein Gesetz. Österreich hat die strengsten Verbotsgesetze Europas. Die brauchen keine Antifa-Böller. Und die Hofburg als entweihte Kulisse? Schande für die Republik? Das ist eine Frage von Instinkt und Stilistik, aber seit wann ist der Sitz des Herrscherhauses ein „staatstragender“ republikanischer Ort? Habsburg ging übrigens mit den oppositionellen Studentenverbindungen rabiat um. Vielleicht wird dem Ballkomitee die Pointe-Falle bewusst, und sie weichen nicht nur ihr aus, sondern auch der Hofburg.

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