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OFFEN GESAGT

Frivole Doppelzüngigkeit

Brüchige Einigung: Athen spricht daheim von Krieg und gewonnener Schlacht.

Der Schuldenpoker zwischen Athen und den Geldgebern der EU erinnerte zuletzt an die Dramatik zweier aufeinander zurasender Züge. Nach der Einigung Freitagnacht ist die Kollisionsgefahr noch nicht gebannt, aber die Loks haben die Geschwindigkeit gedrosselt. Das ist der einzige belegbare Teil der Einigung. Jetzt liegt es an den Griechen, die Geleise zu wechseln. Das Versprechen, an den Verpflichtungen festzuhalten, hatte allerdings tags darauf schon wieder einen ganz anderen, befremdlichen Zungenschlag: „Wir lassen Sparmaßnahmen, Rettungsprogramm und Troika hinter uns“, irrlichterte Regierungschef Tsipras. Man habe eine „Schlacht gewonnen, aber noch nicht den Krieg“.

So viel Trug lässt Zweifel am kolportierten neuen Wirklichkeitssinn aufkommen. In der Realität angekommen? Man fragt sich, in welcher. Es scheint rätselhaft, wie mit einer derart frivolen Doppelzüngigkeit ein glaubwürdiges Reformpaket bis morgen vorgelegt werden kann.

Der martialische Tonfall verrät, dass Tsipras und Varoufakis dem Erzählkern ihres Märchens, mit dem sie die Verzweifelten einfingen, ungeniert treu bleiben: dass die EU und die Kreditgeber schuld am Elend des Landes und daher als feindliche Macht zu adressieren seien und nicht die unwillig-unfähigen Vorgänger-Regierungen, die mit einem aufgeblähten Beamtenheer, einem dysfunktionalen Steuerwesen und manischer Reformverweigerung Staat und Wirtschaft in den Abgrund manövrierten. Freilich hätten auch die Geldgeber der EU die Pflicht, die Sparmaßnahmen und deren Wirkung gewissenhaft zu evaluieren, ehe man sie fortschreibt. Doch die dreiste erpresserische Gangart Athens ist der größte Bremsklotz für diese Selbstprüfung.

Die Hoffnung der Krawattenlosen, sie könnten damit die Union spalten und in die Knie zwingen, weil die sich eine Trennung ohnehin nicht leisten könne, hat sich nicht erfüllt. Die EU handelte geschlossen und konsequent wie selten. Sie lässt den Hasardeuren Zeit zur Ausnüchterung, lockert den Druck beim eingeforderten Überschuss und willigt in die Umbenennung der Troika als Beitrag zur Allergie-Behandlung ein. All das war vernünftig.

Zu Recht macht die EU klar, dass ein fideles Verlassen der Spar- und Reformagenda ein Ende der Stützungen bedeutete. Es gibt sie nur mit Auflagen. Unter dieser Prämisse stimmten die Parlamente den Haftungen zu. Länder wie Portugal oder Spanien anerkennen dies. Auch sie leiden, um zu gesunden. Aber sie formulieren die Grenzen des Zumutbaren nicht nur für sich, sondern auch für die anderen. Sie erwidern so Solidarität. Diese Reife bleiben die Draufgänger aus Athen schuldig.

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