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PORTRÄT DES TAGES

Ikone des hellenischen Widerstandes

Manolis Glezos (92) könnte das linke Syriza-Bündnis sprengen.

Am 30. Mai 1941 kletterte Manolis Glezos zusammen mit einem Freund auf die Akropolis und riss die von den deutschen Nazi-Besatzern über der Athener Altstadt gehisste Hakenkreuzfahne herunter. 74 Jahre später ruft der griechische Linkspolitiker erneut zum Widerstand auf. Diesmal allerdings gegen die „Bevormundung“ durch das radikale Sparprogramm, das seinem Heimatland im Kampf gegen die Staatspleite auferlegt wird.

Glezos ist eine Ikone des Syriza-Bündnisses von Premier Alexis Tsipras. Aber dessen angepeilten Kompromiss mit der EU, die gestern am Abend nach Brüssel übermittelte Reformliste, lehnt er ab. Für ihn ist das Papier „ein Kniefall vor den Imperialisten“ in Brüssel und Berlin.

Glezos wurde während der deutschen Besatzung dreimal festgenommen und entkam nur knapp einem Erschießungskommando. Sein jüngerer Bruder wurde 1944 hingerichtet. Sein Engagement im Widerstand gegen die Nazis und für die Kommunisten während der griechischen Militärdiktatur brachte ihm zwei Todesurteile und zwölf Jahre Haft „in fast allen Kerkern des Landes“ ein, wie er sagt.

Aus der Krise müsse Griechenland selbst herauskommen, sagt Glezos. Seine Vorschläge: „Keinen Cent mehr in die Militärausgaben stecken.“ Den Steuerbetrug solle die Regierung bekämpfen und gleichzeitig Geld für „Gesundheit, Bildung und Forschung“ ausgeben.

Deutschland solle erst einmal seine eigenen Schulden bezahlen, meint er mit Blick auf die während der Besatzungszeit erhobenen Zwangsanleihen. „Das war das einzige Mal, dass Griechenland Geld verliehen hat, statt sich welches zu leihen“, sagt Glezos. Zusammen mit von Athen eingeforderten Reparationszahlungen komme Griechenland auf deutsche Schulden von „162 Milliarden Euro – ohne Zinsen; vom Raub archäologischer Schätze während der Nazi-Zeit gar nicht zu reden“.

Diese Rechnung ist mehr als umstritten. Aber das Wort des alten Griechen hat im völlig inhomogenen Syriza-Bündnis Gewicht. Alexis Tsipras könnte daran scheitern – ganz ohne Zutun der EU. ERNST HEINRICH

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