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Mit dem Elektroroller über Stock und Stein

Das Brandnertal verfügt mit ­Alwin Becks Segwaytouren über eine ­weitere Attraktion.

Matthias rauch

Es ist Sonntagmorgen, noch kühl und leicht neblig im Brandnertal. Alwin Beck bereitet auf dem Parkplatz vor dem Badesee acht Segways für eine Tour vor. Der 45-Jährige hat für sechs Damen auf Wellnessurlaub eine zweistündige Rundfahrt geplant. Die Fahrzeuge stehen bereit, die Helme sind an den Lenkstangen. Von seiner Kundschaft ist noch nichts zu sehen. Nur ich war schon eine halbe Stunde zu früh da. Kaum hat Alwin die Verspätung der Damen bemerkt, klingelt auch schon sein Handy. Die Damen haben sich verlaufen. Er lotst sie am Telefon auf den Parkplatz.

Erste Anweisungen

Ein paar Minuten später sind wir dann komplett. Es herrscht eine lockere Stimmung unter den Frauen, allesamt aus Deutschland. Die Damen sind gut gelaunt und offen, ich werde schnell in die Gruppe aufgenommen. Es wird gelacht und gescherzt. Nachdem sich jede einen Segway ausgesucht hat, beginnt der gebürtige Brander mit der Einweisung: „Soll beschleunigt werden, muss die Hüfte nach vorne, bremsen und rückwärtsfahren geschieht durch Verlagern des Gewichtes nach hinten.“ Ungewohnt, aber im Prinzip schnell erlernt. Das Lenken sollte ähnlich wie beim Skifahren mit ‚Wedeln‘ unterstützt werden. Alwin Beck bringt den Vergleich mit dem Innen- und Außenski, denn er ist im Winter auch Skilehrer. Die Damen lachen. Der Brander bedient damit wohl durchaus einige Klischees. Dazu passt auch sein Hochdeutsch, welches mehr ein nach der Schrift gesprochener Dialekt ist.

Übungsrunde

Es wird zunächst geübt. Wir fahren Achter, erklimmen eine Steigung und rollen diese dann bremsend wieder hinunter. Wir lernen einem Stein nicht auszuweichen und diesen zu überfahren. Dies sei sicherer, als das Steuer beim Ausweichen zu verreißen. „Mein Ziel ist es, alle wieder heil nach Hause zu bringen“, sagt Alwin mehr als einmal. Zwei der deutschen Gäs­te haben schon Erfahrungen mit dem Gefährt, das ist schnell merkbar. Die Älteste verzichtet nach der Einweisung auf die Tour. Das Abwärtsfahren wollte ihr nicht recht gelingen, sie verspannte sich dabei zu sehr. Sie wartet lieber im Hotel auf ihre Freundinnen.

Die Tour startet nach einer halben Stunde des Übens. Wir fahren hintereinander vom Parkplatz entlang des Brüggewegs zum oberen Ortsende, Alwin vorneweg, ich als Schlusslicht. Es ist eine asphaltierte Straße, hier ist das Fahren mit dem Segway noch einfach. Da ist die Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h durchaus noch erreichbar, abseits vom Asphalt geht es nicht mehr ganz so schnell. Wir überqueren eine Brücke und rollen auf den Alvierbachweg in Richtung Golfplatz. Nur Feld- und Kieswege sind zu fahren, unterwegs winken die Städterinnen den Kühen zu. Alwin macht regelmäßig kurz Halt, diese Pausen werden vor allem zum Fotografieren genutzt.

Zuerst geht es entlang des Flusses, dann hinauf zum Kletterpark. Auf der ganzen Strecke treffen wir Bekannte von Alwin. Hier kennt jeder noch jeden, was bei der deutschen Begleitung Verwunderung auslöst. Unterwegs treffen wir auch auf einige Pferde. Sie stehen auf dem Weg, zwischen zwei Gattern. Geräusche des Entzückens und Streicheleinheiten durch die Damen sind die Folge.

Oben hinterm Waldkletterpark wurde bis vor Kurzem noch im Holz gearbeitet, der Weg ist daher morastig, Wasser und Äste sammelten sich in den Fahrrinnen der Forstfahrzeuge. Wir werden hier merklich langsamer. Alwin steigt von seinem Segway ab und lotst einen nach dem anderen durch den knöcheltiefen Schmutz. Ansonsten stellt die Strecke für die Roller fast keine Herausforderung dar. Wir rollen hinauf und hinab, durch Rinnsale, über Steine und Äste. Nur einmal lässt der 45-jährige gelernte Schlosser uns absteigen. Der Weg ist ihm zu abschüssig, das Risiko will er nicht eingehen. Ich bin ihm dafür durchaus dankbar, das Abwärtsfahren fällt mir nicht immer so leicht, wie es sollte. Also schieben wir die Segways den Weg hinunter, Vergleiche mit Kinderwägen kommen einem in den Sinn. Wir befinden uns nun am Golfplatz. Links und rechts vom Wanderweg erstreckt sich zwischen den Bäumen englischer Rasen. Einmal falsch abgebogen, schon steht man auf dem Grün.

Fotosession

Die Schönheit des Tales wird von den Damen am laufenden Band gelobt, Aussichten werden mit Smartphones und Digitalkameras festgehalten. Wir versuchen uns an Gruppenfotos auf Segways ohne auseinander zu rollen. Nach vielen Stopps zum Fotografieren nähern wir uns langsam wieder dem Bach und fahren nun entgegen der Flussrichtung. An einer kritischen Stelle steigt Alwin wieder ab und weist uns auf die optimale Fahrlinie ein. Er befürchtete, dass wir uns sonst wegen dem Bach zu nah am Hang gehalten hätten und dort die Böschung touchieren könnten. Wir queren über eine Holzbrücke des Bachs, die letzten Meter zum Parkplatz fah­ren wir querfeldein durch die Wiese. Hier passiert auch der einzige Unfall. Ein verborgenes Schlagloch überrascht die Fahrerin vor mir, sie verliert ihr Gleichgewicht und landet im Gras. Dank des Sicherheitsabstandes und der weichen Landung endet dies aber glimpflich.

Am Parkplatz werden die Segways in Alwins Transporter verräumt und an Steckdosen angeschlossen. Becks Angebot, noch auf ein Gläschen zu gehen, wird von den Damen ausgeschlagen. Sie sind im Stress, haben noch einen Termin in Bregenz. Die vermeintlichen Wellnesstouristinnen entpuppen sich schlussendlich als deutsche Eventveranstalterinnen auf Geschäftsreise. Auch ich verabschiede mich von ihm an diesem inzwischen warmen sonnigen Tag.

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