Der Jugend eine Zukunft

Am 13. Oktober veranstaltet Meusburger Formaubauten von 9 bis 16 Uhr einen Tag der offenen Lehrwerkstatt. Dabei können Interessierte einen Blick auf die Lehrlingsausbildung des Wolfurter Unternehmens werfen. Wir waren vorab dort.

Hannes mayer (TEXT) und

Klaus Hartinger (Fotos)

In vielen Branchen herrscht seit Jahren Facharbeitermangel. Weil immer noch mehr Jugendliche studieren und das Image des Handwerks aus rational nicht nachvollziehbaren Gründen arg gelitten hat. Steuern wir auf eine Zukunft zu, in der wir Europäer zu reinen Dienstleistern verkommen und kaum noch produzieren können? Unzählige Unternehmen habe ihre Produktion in den letzten zwei Jahrzehnten in Billiglohnländer ausgelagert und dabei ihr ganzes Know-how preisgegeben. Die Folge: Europa wird von Billigprodukten überschwemmt, jedes vierte Industrieprodukt in China hergestellt.

Aber: Es gibt Gegenbeispiele, gerade in Vorarlberg. Eines davon ist der Wolfurter Formaufbauten-Hersteller Meusburger. Das Familienunternehmen hat im September 24 neue Lehrlinge eingestellt und bildet damit aktuell 49 Lehrlinge aus. „Der Facharbeitermangel betrifft natürlich auch uns“, gesteht Roman Giesinger, Personalchef von Meusburger Formaufbauten. Deswegen die Produktion auszulagern, kommt für die Wolfurter aber nicht in Frage. „Das entspricht nicht unserer Philosophie. Wir sind fest in der Region verankert und bilden unsere Fachkräfte selbst aus“, so der Personalverantwortliche. Und das in einer krisensicheren Branche, wie folgende Zahlen beweisen: Meusburger konnte im Jahr 2011 seinen Umsatz um sagenhafte 32 Prozent auf 129 Millionen Euro steigern und bildet Lehrlinge in den fünf Berufen Produktionstechniker, Metallbearbeiter, Metalltechniker, Zerspanungstechniker sowie in Zukunft Elektrotechniker aus.

Prämien für Lehrlinge

Der Branchenriese – Meusburger ist Weltmarktführer im Bereich der standardisierten Normalien aus Stahl für die Herstellung von Kunststoffteilen – hat seit dem Jahr 2000 alle Lehrlinge übernommen, die er eingestellt hat. Mehr noch: Lehrlinge haben bei Meusburger alle Karrierechancen. So absolvierten zum Beispiel einige der heutigen Abteilungsleiter einst selbst eine Lehre beim Formaufbautenhersteller. Giesinger betont: „Wir verstehen die Lehrlinge als unsere Zukunft.“ Eine Zukunft, in die Meusburger groß investiert. Zum Beispiel 1,2 Millionen Euro in den Ausbau der Lehrwerkstatt.

Oder in ein Prämiensystem für die Auszubildenden. Die Lehrlinge können sich bis zu 180 Euro Prämie pro Monat sichern. Peter Nussbaumer, Leiter der Lehrlingsausbildung, erklärt, wie das System funktioniert: „Die Leistungen der Lehrlinge werden einmal pro Monat vom Abteilungsleiter in einem Vier-Augen-Gespräch mit dem Jugendlichen bewertet.“

Benotet werden dabei zum Beispiel Auffassungsgabe, Ordnung, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit sowie zu einem Drittel die schulischen Leistungen. Die Prämie ist in drei Stufen unterteilt: Lehrlinge, die es in die höchste Stufe schaffen, bekommen die erwähnten 180 Euro Prämie, in Stufe zwei gibt’s 120 Euro und in der dritten Stufe immerhin noch 80 Euro. Doch: Die Einteilung erfolgt sehr strikt. Schafft es ein Lehrling nicht in eine der drei Stufen, erhält er auch keine Prämie. „Sonst würden wir ja das Leistungsprinzip außer Kraft setzen“, weiß Giesinger. Erstaunlich: Steht bei den Lehrlingen eine Schularbeit an, wird bei Meusburger mit den Lehrlingen gelernt – während der Arbeitszeit. Doch das ist nicht alles: Die Lehrlinge können per Werksverkehr zur Firma fahren, bekommen auf Bestellung ihre Jause geliefert bzw. können sich ihr Mittagessen in der firmeninternen Kantine reservieren.

Vorbereitungen laufen

Karrierechancen. Prämien. Werksverkehr. Schulische Unterstützung. Wer so viel bietet, erwartet auch viel. Dementsprechend sorgfältig wählt Meusburger die Lehrlinge aus, wie Nussbaumer betont: „Wir gehen davon aus, dass im nächsten Jahr rund 200 Jugendliche bei uns schnuppern werden, von denen wir wohl knapp 30 einstellen werden.“ Was muss ein Jugendlicher mitbringen, um bei Meusburger eine Lehre machen zu können? „Er sollte ein handwerkliches Geschick haben, sich für Technik begeistern – aber wir schauen auch auf die schulischen Leistungen“, unterstreicht Nussbaumer.

Am kommenden Samstag veranstaltet Meusburger erstmalig einen Tag der offenen Lehrwerkstatt, wo Interessierte einen ersten Einblick in die Meusburger-Welt bekommen können. Von jedem Maschinentyp wird mindestens einer in Betrieb sein. Neben den Lehrlingsausbildnern werden auch Lehrlinge vor Ort sein. Die Vorbereitungen für den Aktionstag laufen seit einem Monat auf Hochtouren. „Jeder Interessierte darf kommen“, betont Ausbildner Nussbaumer. „Egal ob Eltern, Großeltern oder auch Schüler, bei denen die Berufswahl erst in ein paar Jahren ansteht. Alle sind herzlich eingeladen.“

In vielen Branchen herrscht seit Jahren Facharbeitermangel. Meusburger Formaufbauten bildet sich seine Lehrlinge selbst aus und ist damit eines der regionalen Unternehmen, die ein Zeichen setzen.

Weitere Infos unter:

www.lehre-bei-meusburger.com

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