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Vorarlberger der woche

Frisches Obst sowie Scherze zur Begrüßung

Michael Harrer (18) hat von Landeshauptmann Markus Wallner eine ganz spezielle Aufgabe übertragen bekommen. Der junge Mann verteilt Obst an die Mitarbeiter im Bregenzer Landhaus.

Michael Steinlechner

Michael Harrer hat einen großen Traum: Er möchte seinen Namen im Guinness-Buch der Rekorde gedruckt sehen. Schon seit Längerem arbeitet der Rankler daran, dieses Ziel zu erreichen. Er sammelt fleißig Wasserbälle. Knapp 5000 Stück hat er bereits. „Wie viele es genau sind, weiß ich gar nicht. Ich muss sie erst wieder einmal zählen“, sagt er und grinst verschmitzt. Von Freunden, Arbeitskollegen und verschiedenen Unternehmen hat er die aufblasbaren Plastikspielzeuge bekommen. „Meine Mutter unterstützt mich bei meinem Vorhaben und schreibt die Firmen teilweise sogar direkt an. Mit der Bitte, mir einige Bälle zu schicken.“ Auch mit den Verantwortlichen der Guinness World Records Limited, den Herausgebern des Buches, war er bereits in Kontakt. „Denn die Rekorde werden nicht so einfach akzeptiert. Da muss alles seine Ordnung haben“, erklärt Harrer.

Ordnung ist auch im Beruf des jungen Mannes wichtig. Seit zwei Jahren arbeitet er von Montag bis Freitag täglich drei Stunden im Landhaus in Bregenz. Er verteilt die Post, sorgt für Papiernachschub, gießt Blumen, holt Akten oder deckt die Tische in den Sitzungszimmern ein. Seit Neuestem verteilt er auch Obst an die Mitarbeiter. Eine Aufgabe, die ihm Landeshauptmann Markus Wallner persönlich übertragen hat. „Ich kenne ihn schon aus der Zeit, in der er sein Büro noch im fünften Stock gehabt hat. Mittlerweile ist er als Landeshauptmann ja ein Stockwerk höher gezogen. Aber wir unterhalten uns immer noch, wenn wir uns über den Weg laufen“, berichtet der 18-Jährige.

Harmlose Streiche

Und der Rankler legt im weitläufigen Landhaus große Wegstrecken zurück. Vor allem bei der Erfüllung seiner neuesten Aufgabe. „Ich gehe in jedes Büro und überreiche jedem, der das möchte, einen Apfel oder eine Birne. Je nachdem, welches Obst es gerade gibt.“ Mit manchen Landhaus-Angestellten plaudert er kurz, mit anderen scherzt er. Eine Leidenschaft des Teenagers ist es, seinen Arbeitskollegen harmlose Streiche zu spielen. Sei es der Hinweis auf offene Schnürsenkel, die in Wirklichkeit fest gebunden sind. Oder die Frage nach einem Fleck auf dem Hemd, der gar nicht existiert. Wenn das „Opfer“ schließlich seinen Blick senkt, lacht Harrer. Doch auch sein Gegenüber kann sich oft ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn es dem 18-Jährigen wieder einmal auf den Leim gegangen ist.

Doch vor Kurzem wurde er selbst zum Opfer eines Streiches seiner Kolleginnen und Kollegen. Anlässlich seines Geburtstages lockten diese ihn – unter dem Vorwand, er habe vergessen einen Tisch zu decken – in ein Sitzungszimmer. Nur, um ihm dann zum Geburtstag zu gratulieren und ihm ein Geschenk zu überreichen. „Ja, das war die Revanche. Aber es war gleichzeitig auch eines meiner schönsten Erlebnisse bei der Arbeit. Denn alle Mitarbeiter aus meiner Abteilung waren mit dabei“, sagt der Rankler und lächelt.

Fußballspielen

Die Arbeit im Landhaus ist nicht seine einzige Beschäftigung. Zweimal pro Woche geht er den Angestellten im Lager von Alu-System-Technik in Schlins zur Hand. Doch auch in seiner Freizeit ist der 18-Jährige gerne unterwegs. Egal ob mit Freunden, beim Fußballspielen oder beim Schwimmen. Die Therme Erding bei München ist eines seiner Lieblingsreiseziele. „Wobei dort nicht viel geschwommen wird. Dort geht es ab auf die Rutschbahn.“

Im Winter frönt Harrer einer weiteren Leidenschaft: der Fasnat. Und das nicht nur im Ländle. Selbst in Basel und Luzern war er während der närrischen Zeit bereits zu Gast. Die Stadt am Vierwaldstättersee ist auch die Heimat der Lieblings-Gugge des Ranklers. Auf Menschen zuzugehen, fällt dem jungen Mann nicht schwer. Weder bei der Arbeit noch während der Freizeit. Selbst auf der Zugfahrt von Rankweil nach Bregenz unterhält er seine „Reisegefährten“ mit den neuesten Geschichten aus dem Landhaus.

Auch mit Bianca Geppert spricht er über seine Erlebnisse. Sie ist seine Mentorin in der Abteilung „Gesellschaft, Soziales und Integration“ im Landhaus und unterstützt ihn bei der Koordination seines Tagesablaufes. „Vor Arbeitsbeginn setzen wir uns kurz zusammen und unterhalten uns darüber, welche Aufgaben Michael zu erledigen hat“, erklärt Geppert.

Projekt Spagat

Die Mentorin ist jedoch nicht die einzige Ansprechpartnerin für den 18-Jährigen. Lucas Riedmann vom Institut für Sozialdienste (IfS) steht ihm ebenfalls zur Seite. Er arbeitet beim Projekt Spagat mit, das dabei helfen soll, Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Auf diesem Weg soll den Betroffenen geholfen werden, die größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen. „Und Michael beweist, dass dieses Modell funktioniert“, meint Riedmann.

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