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Troika will Griechenlands kleine Inseln entvölkern

Bizarrer Spar-Vorschlag: Bewohner der Mini-Inseln sollen umgesiedelt werden. Denn gerade kleine Eilande brauchen große Subventionen.

GERD HÖHLER

Winzige Inselchen, auf denen mitunter weniger als hundert Menschen leben: in Griechenland gibt es das. Aber rechnet es sich? Nein, meint ein Vertreter der Troika. Er will die Inseln entvölkern.

Zum Beispiel Agathonisi: nur rund 140 Einwohner hat das kleine, felsige Eiland zwischen den Ägäisinseln Patmos und Samos. Oder Kastos, eine kleine Insel beim westgriechischen Lefkas. Sie zählt lediglich 120 Bewohner.

Dutzende Mini-Inseln gibt es in der Ägäis und im ionischen Meer. Die Idylle gibt es nicht zum Nulltarif: Der Staat muss Schulen vorhalten, mitunter nur für drei oder vier Kinder. Die Fähren, mit denen die Eilande versorgt werden, verkehren nur, weil der Staat die Fahrten subventioniert. Die Anbindung dieser Inseln lässt sich Griechenland jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Rausgeschmissenes Geld? Das scheint man in der Troika zu glauben, wie die Vertreter der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds genannt werden. Sie ringen mit der griechischen Regierung um ein neues Sparpaket von rund 13,5 Milliarden Euro.

Auch im Ministerium für die Handelsmarine wollen die Sparkommissare den Rotstift ansetzen: Man solle doch einfach die Mini-Inseln evakuieren und ihre Bewohner zwangsumsiedeln, um die Subventionen einzusparen, schlug ein Troika-Experte vor. Marineminister Kostis Mousouroulis berichtete von dem ungewöhnlichen Ansinnen. Binnen weniger Stunden verbreitete sich die Geschichte wie ein Lauffeuer im Internet.

Jetzt bemühen sich alle um Schadensbegrenzung: Das griechische Finanzministerium dementiert, auch Marineminister Mousouroulis wurde zu einem Dementi verdonnert, und in Brüssel erklärte ein Sprecher der EU-Kommission, es treffe natürlich nicht zu, dass die Troika die Entvölkerung griechischer Inseln fordere. Offiziell vielleicht nicht.

Personen, die an dem Gespräch teilgenommen haben, bleiben allerdings bei ihrer Darstellung: Der Brüsseler Troika-Beamte habe diese Idee tatsächlich vorgetragen, damit aber heftige Proteste geerntet und das Thema dann zurückgestellt.

Die bizarre Episode unterstreicht, was man ohnehin schon wusste: viel politisches Fingerspitzengefühl legen die Sparkommissare in Athen nicht an den Tag.

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