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Wunderwerk alter Technik bewahrt

100 Jahre lang produzierte das Kraftwerk am Müllerbach Strom. Dank dem Engagement zweier Rentner ist dies nun ein Museum.

Matthias rauch

Es ist ein unscheinbares Gebäude – aber doch überraschend groß. Dieses scheint sich an das Forachwäldchen in der Nähe des Kindergartens zu drücken. In dem gelben Bau unterhalb der Straße findet sich das frisch renovierte Kraftwerk am Müllerbach. Vom kleinen Parkplatz führen flache Stufen hinunter zu der Anlage, vorbei an der Kunstwerkstatt von Carmen Pfanner. Schwarze Metalllettern thronen über dem hölzernen Tor: „SCHAUKRAFTWERK Forach“.

Seit 100 Jahren in Betrieb

Errichtet wurde das Kraftwerk im Jahr 1900. Von 1901 bis 1994 war dieses ununterbrochen in Betrieb, zuerst unter Regie des Unternehmens Ulmer. Nach deren Pleite wurde das Werk von der Firma Rhomberg übernommen. Ab 1997 wurde die Anlage in Verantwortung der Stadt Dornbirn betrieben und 2004 dann stillgelegt. Die Stadt baute direkt dahinter ein neues Kraftwerk, dessen Walzenturbine besser an den schwankenden Wasserstand des Müllerbachs angepasst ist. Eine Adaption der alten Anlage wäre zu teuer geworden.

Nun stellte sich die Frage, was mit dem alten Kraftwerk geschehen sollte. Für Walter Bröll (77) und Adolf Gstöhl vom Vorarlberger Technischen Verein (VTV) war klar: Die Maschinen müssen als Teil der Kultur erhalten bleiben. So stellten sie in mühevoller Arbeit die denkmalgeschützte Anlage wieder her. Der ehemalige Elektriker Bröll und der frühere Gasinstallateur Gstöhl hatten schon mit der Instandsetzung der ältesten Dampfmaschine Dornbirns, einer „Kuhn 100“ in der Schmelzhütterstraße, vor sieben Jahren auf sich aufmerksam gemacht.

Das Kraftwerk wurde von den beiden als ein kleines Elektromuseum eingerichtet. Hinter dem Eingang findet sich ein gläserner Besucherraum, der täglich von 8 bis 21 Uhr zugänglich ist. Von hier aus können die Maschinen gestartet werden. Als erstes öffnen sich die Schleusen der Francis-Turbine, dann beginnt sich das Rad des nebenstehenden Generators langsam zu drehen. In der Küchenzeile an der gegenüberliegenden Wand gehen die Lichter an. Auch eine Straßenlaterne schmückt den Raum. Führungen werden von den beiden Männern auf Anfrage organisiert. Vor allem junge Menschen sind gern gesehene Besucher. Denn die Rentner wollen ja technisches Interesse wecken.

Aufwändige Reinigung

Die Turbine befand sich früher natürlich nicht im Maschinenraum, genauso wenig wie die Küchenzeile. Zu deren Dienstzeit befand diese sich hinter dem Generator im Stauschacht. Dort stand die Turbine aber im Weg, als mit dem Bau des neuen Kraftwerks begonnen wurde. Das über 100 Jahre alte Technik-Wunderwerk wurde von den Pensionisten ausgebaut und dann aufwändig gereinigt. „Darauf hatten sich eine zentimeterdicke Ablagerungsschicht und Rost gebildet. Es war eine sehr staubige und mühsame Angelegenheit, das alles loszuwerden. Die Ablagerungen waren betonhart“, erinnert sich Adolf Gstöhl.

Die beiden Techniker bauten direkt vor dem Eingang einen Wetterschutz auf, um solche schmutzigen Arbeiten nicht im Maschinenraum erledigen zu müssen. Die nächste Herausforderung war, das drei Tonnen-Ungetüm mit Seilzügen durch die enge Tür zu bugsieren. Ersatzteile für die Maschinen mussten in Zusammenarbeit mit Lehrwerkstätten produziert werden.

Die beiden Techniker sind stolz auf ihre Arbeit. Das ist mit jedem Satz und jeder Ges­te merkbar. Mit diesem Engagement gingen sie auch ihre anderen Projekte an. Diese werden durch vier Asse auf einem Tisch in der Mitte des Kraftwerkes symbolisiert: So renovierten sie einen Dampfgenerator in „Rohmbergs Fabrik“ gegenüber vom Spielboden, der aber nicht öffentlich zugänglich ist. Auch Gstöhls ewiges Hobby, das „Rhi-Bähnle“, hat viel Zeit in Anspruch genommen. Die anderen zwei Karten stehen für die „Kuhn 100“ und eben für das Schaukraftwerk. Auch Fotos in Schaukästen vor der Tür zeugen von diesem Stolz.

Gerade bei dem Projekt „Museum“ haben sie auch öfters in die eigene Tasche gegriffen, wenn das Geld von der Stadt und den Sponsoren nicht reichte. „Gefördert wurde unser Projekt mit 20.000 Euro, das meiste Geld brauchten wir für den Besucherraum und die Farben.“ Stunden investierten sie zu Tausenden. Grund genug für das Land, beide mit einer Ehrennadel zu bedenken. Für die beiden Herren eine nette Geste, eine höhere Förderung wäre ihnen aber lieber gewesen.

Traum vom Textilmuseum

Und die beiden Pensionisten denken noch lange nicht ans Aufhören. Beim neuen Kraftwerk wollen sie noch ein Solarpaneel installieren. Damit soll eine Innenbeleuchtung betrieben werden, um Interessierten auch von außen einen Blick auf die neue Anlage zu ermöglichen. Ansonsten warten noch eine Straßendampfwalze und eine Dampfturbine auf „Behandlung“ durch ihre geschickten Finger. Doch da muss erst noch die Finanzierung geklärt werden. Am liebsten wäre es Adolf Gstöhl aber, wenn er an einem Textilmuseum arbeiten könnte. Schließlich hätte das Rheintal 200 Jahre gut mit und von der Textilindustrie gelebt. „Natürlich ist das eine ganz andere Größenordnung als das hier. Es wäre aber schade, damit zuzuwarten, bis man im Land nichts mehr aus dieser Zeit ­findet.“

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