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Dialog zwischen den Generationen

Überaus gelungen ist Michael Schiemers Inszenierung des deutschen Erfolgsstücks „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner im Kleinen Haus des Landestheaters in Bregenz.

Anna Mika

Die Annahme, dass „Das Herz eines Boxers“ eine kammerspielartig zurechtgestutzte Version des Films „Ziemlich beste Freunde“ ist, drängt sich auf, ist aber falsch. Das erfolgreiche Zweipersonenstück von Lutz Hübner ist nämlich schon 1996 erschienen. Der deutsche Autor avancierte in den letzten Saisonen zu einem der meistgespielten Theaterschreiber an deutschen Häusern, belegte den dritten Platz gleich nach Goethe und Shakespeare.

Auch für Erwachsene

Hübner wendet sich gern an junges Publikum, und auch das Vorarlberger Landestheater tut dies mit seiner Produktion „Das Herz eines Boxers“, welche Jugendliche ab 14 Jahren unter besonderen Konditionen und Anreisemöglichkeiten besuchen können (Auskunft und Anmeldung bei nina.kogler@landestheater.org). Das heißt allerdings ganz und gar nicht, dass nicht auch Erwachsene das Stück genießen könnten. Das Premierenpublikum am Freitagabend jedenfalls tat dies und spendete langen und herzlichen Applaus.

Jojo hat was ausgefressen und wird zum Sozialdienst verdonnert. Er muss in der geschlossenen Psychiatrie die Wände der Zimmer ausmalen. Dort trifft er auf den betagten Leo, der kein Wort spricht, nur ab und zu genervt blickt oder hüstelt. Dennoch, Jojo ist keiner, der darob verstummt, er hört nicht auf, den Alten anzureden, mehr oder auch weniger freundlich. Das bringt die beiden einander näher, und es entspinnt sich eine Freundschaft zwischen dem jungen Mann mit dem Herz am rechten Fleck und dem alten Herrn mit einer aufregenden Vergangenheit. Das Boxen spielt dabei eine Rolle als eine Disziplin, bei der man psychische und physische Grenzen erlebt und diese überwindet.

Griffig und lebensnah

Hübners Text ist äußerst griffig, lebensnah und heutig, und der so gar nicht auf intellektuelles Kritikerlob bedachte Autor scheut sich auch nicht, sich so althergebrachter Komödienmittel wie etwa der Verkleidung zu bedienen. Es gibt viel zu lachen, aber zuweilen bekommt man auch feuchte Augen ob des Menschlichen und Allzumenschlichen, das da herüberkommt.

Die beiden Schauspieler, Lukas Kientzler als Jojo und Mario Plaz als Leo, sind jeder auf seine Weise so brillant wie authentisch und haben entscheidenden Anteil am großen Erfolg des Abends. Inszeniert hat der Bregenzer Michael Schiemer, der auch als Schauspieler am Vorarlberger Landestheater verpflichtet ist. Er nützt die einfache wie taugliche Bühnenausstattung von Julia Kopa mit Witz und Tempo.

Somit ist „Das Herz eines Boxers“ eine der derzeit allgegenwärtigen Produktionen, die uns die Beschwernis aber auch den Sinn des Altwerdens erspüren lassen und die uns zudem nahebringen, wie bereichernd der Dialog zwischen den Generationen doch sein kann.

n Weitere Aufführungstermine und Karten unter www.landestheater.org

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