Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Evangelium

Das Wunder des Sehend-werdens

Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß an der Straße ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können. Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.

MK 10, 46–52

Ein Mensch kommt zum Sehen – so wird uns das heute aus Jericho berichtet. In der Begegnung mit Jesus kommen Menschen zum Sehen. In unserem „Fall“ kommt Bartimäus zum Sehen, welche Position er bis dahin in der Gesellschaft hatte – bettelnd am Rande sitzen zu müssen, angewiesen zu sein auf die Almosen anderer, auf die paar Blechmünzen oder Essensreste, die ihm in seinen Napf zugeworfen werden. Zudem ist er ausgeliefert an Menschen, die ihm sagen, was er zu tun und vor allem, was er zu lassen hat, was er sagen darf und wo er schweigen muss. Im Grunde genommen ist das entwürdigend, unmenschlich. In der Begegnung mit Jesus werden solche unmenschlichen Strukturen aufgedeckt.

Wenngleich uns dieser Blinde mit dem Namen Bartimäus vertraut ist, ist das gar nicht sein eigener Name. Der Name bedeutet: Sohn seines Vaters Timäus. Wer namenlos ist – sei es in der eigenen Familie oder in der Gesellschaft – ist auch wie blind, weil er oder sie gar nicht gesehen wird. Nicht zuletzt zeigt sich noch ein weiterer Aspekt in dieser Blindenheilung dadurch, dass Jesus diesem Menschen Ansehen gibt. Jesus unterbricht seinen Weg, weil ein Mensch ihn ruft, ihn offensichtlich braucht und Jesus fragt ihn, was er ihm denn tun kann.

Sehend möchte er sein. Ansehen haben und Ansehen auch genießen. Sehen mit den Augen und Sehen mit den Augen des Herzens und wohl auch gesehen werden von den anderen.

Damit das möglich wird, wirft Bartimäus den Bettlermantel weg. Das, was ihn bisher zudeckte und schützte, gleichzeitig auch beengte, lässt er in der Begegnung mit Jesus hinter sich. Ein neues Leben tut sich ihm auf. Unterwegs, auf den Wegen und Straßen des Lebens, kann es sein, dass Menschen, dass wir selber zum Sehen kommen, Neues entdecken, das eigene Umfeld neu in den Blick nehmen und wir uns neu Zusammenhänge erschließen. Unter den Augen Gottes brauchen wir unseren Blick vor nichts in uns und vor niemandem um uns herum zu verschließen.

Wo das gelingt, wird das Wunder des Sehend-werdens auch heute erfahren. Einmal mehr ist es Jesus selber, der uns dazu ermutigt und verhilft.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.