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Jägerlatein

Laute Leberwürste und stille Helden

Wenn man im Licht der Öffentlichkeit steht, muss man schon ein wenig mehr einstecken als Herr und Frau Mustermann. Komischerweise sind es genau diese Leute, die im Austeilen besser sind als im Einstecken. Man erinnere sich: Whitney Houston, nicht gerade als Kind von Traurigkeit bekannt, soll einst wegen eines Fotos (!) eine Zeitung auf 30 Millionen Dollar verklagt haben. Wieso denn nicht auf 30 Milliarden Dollar oder alles Geld der Welt? Das ist lächerlich und zeigt auch nicht von Größe.

Auch Werner Amon, seines Zeichens Klubobmann-Stellvertreter der ÖVP, bewies diese nicht gerade: Er wurde – gemeinsam mit der Untersuchungsausschuss-Vorsitzenden Gabriela Moser – auf eine Audienz zum „Kaiser“ geladen. Nun weiß jeder, der nicht in Höhlen wohnt, dass Robert Palfrader ein Kabarettist der bissigen Art ist und die Quoten seiner Sendung auch nicht deshalb so hoch sind, weil er Kinderlieder singt. Dennoch hat sich selbst HC Strache – der wahrlich nicht fürstlich oder gar kaiserlich behandelt wurde – ohne Aus- und Umfaller dieser Prozedur ausgesetzt. Nicht so Amon: Der mit einer Inseratenaffäre behaftete Mann, der sicherheitshalber auch den Untersuchungsausschuss sprengte, gab sich mürrisch und dem guten Humor der Sendung unaufgeschlossen. Die Schlussszene, in der er mit Handschellen abgeführt wurde, durfte im ORF sogar nicht einmal ausgestrahlt werden. Ob dies der Kleingeistigkeit der entsprechenden Redaktion, der Macht von Amon bzw. der ÖVP oder dem unentwirrbaren gordischen Klüngelknoten am Küniglberg zu verdanken war, lasse ich dahingestellt. Sicher ist: keine Größe!

Heikler ist das schon die Affäre zwischen Kicker David Alaba und den Brachialkomikern Stermann/Grissemann. Diese die Grenzen des guten Geschmack ständig auslotenden Zyniker scheuten sich nicht, auf Alabas Hautfarbe anzuspielen, und selbst der Bananen-Gag wurde strapaziert. Das kann man komisch finden oder auch nicht – gleich einen Anwalt einzuschalten, wie dies der jugendliche Sportmillionär tat, ist aber mindestens genauso weit übers Ziel geschossen. Wenn nicht einmal mehr deklarierte (!) Satire den Weg der politischen Correctness verlassen darf, sollte man Comedy-Sendungen oder den Humor als solchen gleich überhaupt verbieten.

Apropos dunkelhäutig: Der Fußballverein FC Tosters 99 erreichte in der Kategorie „Humanitäres Engagement“ den ersten Platz für „Menschen 2012“ der Tageszeitung Die Presse. Der Grund: Seit Jahren werden Asylwerber mit großem Erfolg in den Verein – sowohl betreffend Kampfmannschaft als auch anderer Aktivitäten – integriert. Einfach so, denn der FC Tosters machte nie viel Wind um diese Sache; umso mehr sei ihnen der Preis gegönnt. Es sind – siehe oben – wohl eher die „Stillen“, die wahre Größe zeigen.

Raimund Tschako Jäger

Hinweis: Der Inhalt dieser Kolumne muss nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

raimund.jaeger@medienhaus.at

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