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Romantischer Weg durch das Saminatal

Die Geschichtenerzählerin Hertha Glück kennt Wege und Stege und möchte zum Mitwandern anregen. Heute berichtet sie – in der vorerst letzten Folge – von einer außergewöhnlichen Tour für Menschen, die gerne weit und eher flach gehen.

Von der Bushaltestelle Malbun Steg-Tunnel geht man zurück zum Tunnelportal, und links davon, auf der Forststraße, beginnt die Tour. Fein, weil der Wanderer leicht talauswärts einlaufen kann. Bei der ersten Weggabelung nimmt man kurz die Forststraße rechts am Stall vorbei – das ist das letzte Gebäude bis Amerlügen.

Besondere Aufmerksamkeit

Nach einer Kurve zweigt ein Wiesenweg nach rechts ab. Die Abzweigung braucht besondere Aufmerksamkeit, denn diese ist eher unscheinbar und kann verpasst werden. Doch dann befindet man sich auf dem Weg durch das Saminatal.

Hertha Glück erklärt: „Das Saminatal ist das längste Tal im Rätikon und liegt zu Füßen der Drei Schwestern. Es gehört politisch zur Gemeinde Frastanz. Der Hauptfluss entspringt auf Liechtensteiner Gebiet im Rätikon (1900 m) und mündet bei Frastanz in die Ill.“

Ab da ist der Weg ausreichend beschildert. „Dieser romantische Weg durch das Saminatal ist einer meiner liebsten Wege, denn wir haben die Wanderung zu einer Zeit gemacht, in der das Laub zur Erde tanzt und unter den Schuhen raschelt. Die Sonne ließ die Blätter golden erscheinen. Es war im Wald so still, dass ich mich selbst habe atmen hören. Wir konnten nicht genug staunen: so wundervoll, so wunderschön. Uns sind bis Amerlügen wenig Menschen begegnet“, erzählt Glück von ihrem Erlebnis.

Faszinierende grüne Grenze

Faszinierend ist auch die grüne Grenze Falleck mit den Wasserfällen, der schönen Raststelle und dem Spirkenwald. Die Spirke ist die aufrechte Variante der Latsche. Sie bevorzugt extreme Bedingungen. Der südlichste Teil des Saminatales beherbergt einen Biotopkomplex mit ausgedehnten Spirkenvorkommen, alpinen Kalkrasen und Schuttfluren in beispielhafter und naturnaher Ausprägung. Bei der Staatsgrenze führt ein Weg neben dem Wasserfall steil nach unten und über eine Brücke.

Am Wildbach entlang

Nun schlendert der Wanderer fast immer entlang des tosenden Wildbaches. Zuerst flach auf der Forststraße und zuletzt leicht ansteigendend nach Amerlügen. Es geht über wild anmutende Brücken und Stege den tosenden Wildbach entlang, und man gelangt bequem zum Ende der Wanderung.

Mit dem Blick auf die ersten Häuser in Amerlügen, einem Ortsteil von Frastanz, ist die Anstrengung schon wieder vergessen. Die Bushaltestelle bei der Kapelle ist leicht zu finden.

Märchen zur Jahreszeit:
Warum die Bäume im
Herbst bunt werden

Als die Erde noch jung war und alle Bäume ewig grün, machte sich ein Mann auf den langen Weg nach Norden. Die Mittagssonne im Rücken, durchquerte er Berge und Flüsse, Wälder und Wüs­ten, bis er in ein zauberschönes Land kam. Es ist wahr, die Sonne stieg nur ein wenig über den Horizont empor und ging früh unter, aber unter ihren Strahlen schillerte die Welt in allen Farben.

Am buntesten waren die Bäume. Sie sahen nicht nur grün aus wie im Süden, sie leuchteten in den verschiedensten Farben: gelb, rot, braun und golden. Und in der Ferne zeichneten sich die Berge ab, die waren blau, und weißer Schnee bedeckte ihre Gipfel. Als der Mann nach einiger Zeit nach Hause zurückkehrte und den Menschen aus seinem Dorf erzählte, was er gesehen hatte, wollte niemand seinen Worten glauben. „Das ist erfunden“, sagten sie und lachten ihn aus. „Wie können Bäume gelb, rot, braun und golden sein?!“ „Ich sah es mit eigenen Augen“, entgegnete der Mann. „Wenn ihr es euch nicht vorstellen könnt, so kommt mit und seht es euch an.“ Aber dazu waren die Leute zu bequem. „Geh allein, und wenn du willst, dass wir dir glauben, bring einen Zweig von so einem roten, gelben, braunen und goldenen Baum mit.“ Der Mann machte sich erneut auf den Weg nach Norden. Lange war er fort, und die Menschen hatten ihn bereits vergessen. Eines Tages aber wurden sie an ihn erinnert. Denn ins Dorf flog ein schöner, farbenprächtiger Vogel, der trug in seinem Schnabel einen Zweig mit gelben, roten, braunen und goldenen Blättern.

Der Vogel warf den Zweig in die Krone eines Baumes, und im selben Augenblick wurde der Baum gelb, rot, braun und golden. Der bunte Vogel war der Mann, der sich auf den Weg nach Norden begeben hatte. Als die Menschen zusammenliefen, krächzte er, als wollte er lachen, und flog davon. Aber den Zweig mit dem bunten Laub ließ er zurück, und seither verfärben sich die Blätter der Bäume im Herbst und fallen bald darauf ab.

Ein Indianermärchen aus: Baummärchen aus aller Welt, Djamala Jaenike, Mutabor Verlag, CH-3432 Lützeflüh, 2010)

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