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interview

Seit 23 Jahren ein Herr über die Burger

Andreas Fehr ist nicht nur Franchisenehmer der McDonald’s-Filiale in Hard. In seiner Freizeit ­arbeitet er auf dem Biobauernhof und kocht.

Sie sind Franchisenehmer neun verschiedener Restaurants in Deutschland. Was hat Sie dazu bewogen, den McDonald‘s in Hard zu übernehmen?

Andreas Fehr: Der vorhergehende Franchisenehmer, Thomas Dimitri, ist ein guter Freund von mir. Ich wusste, dass er aufhört, und habe mich beworben. Über die Vergabe hat allerdings McDonald’s Österreich entschieden. Ich denke, dass es aber ganz gut passt, auch ein Restaurant in Österreich zu haben. Ich habe eine große Affinität zu diesem Land. Meine Urgroßmutter ist von der Schweiz aus nach Ostösterreich ausgewandert, meine Frau ist Österreicherin. Ich habe zwar die Schweizer Staatsbürgerschaft, sehe mich aber als einen Menschen aus mehreren Welten. Ich lebe in Deutschland, wo ich eben auch neun weitere Restaurants betreibe.

Welches sind die Unterschiede zwischen McDonald’s Österreich und McDonald’s Deutschland?

Fehr: Die einen haben ihre Zentrale in Wien, die anderen in München. Die Deutschen kaufen ihre Produkte in Deutschland, die Österreicher in Österreich. Unser Rindfleisch beziehen wir beispielsweise aus Vorarlberg. Wir kaufen es allerdings nicht selbst, sondern lassen es über Unternehmen kaufen. Im Prinzip funktioniert McDonald’s weltweit nach demselben System. Ab und zu gibt es länderspezifische Unterschiede. In Österreich gibt es seit kurzem Nudeln, die haben die Deutschen nicht. Dafür haben die einen McRib im Burgerangebot. Die Produkte, wie etwa der Hamburger, sollten überall gleich schmecken. Wenn ich allerdings in Österreich in einen Hamburger beiße, schmeckt mir dieser besser. Da höre ich die Kuhglocken läuten.

In Bregenz soll es ja in den nächsten Jahren einen McDonald’s im Seestadtareal geben. Haben Sie Interesse am Restaurant? Wie sehen die Pläne aus?

Fehr: Für die Expansion bin ich nicht zuständig. Das ist Sache der Verantwortlichen in Wien. Es ist aber durchaus so, dass ich gerne expandiere. Dafür muss man sich aber auch qualifizieren, einen guten Job machen. Hard ist mein erstes Restaurant in Österreich. Zunächst habe ich das Bestreben, auf der bestehenden Fläche zu wachsen. Ich habe vor, das Gebäude familien- und kinderfreundlicher zu gestalten. So soll es eine Servicestation mit Flaschenwärmer, feuchten Tüchern und anderen Dingen geben. Wir werden Spielzeug für die Kinder bereitstellen. Die Pläne werden im nächsten Monat verabschiedet und dann umgesetzt.

Wie schaffen Sie es, so viele Restaurants gleichzeitig zu betreuen? Was ist Ihr Management-Rezept?

Fehr: Gute Mitarbeiter einstellen und viel delegieren. Ich bin seit 23 Jahren Franchisenehmer und habe zwei Betriebsleiter, die sich um jeweils fünf Restaurants kümmern. Zudem hat jede Filiale einen eigenen Restaurantleiter. In Hard leitet Alexander Hagspiel die Geschicke des Unternehmens. Das macht er sehr gut und genießt vollstes Vertrauen. Er gehört seit vier Jahren zu meinem Team. Vergleichsweise wenig, wie ich festgestellt habe, als ich neulich mit den Restaurantleitern unterwegs war. Wir haben eine Betriebszugehörigkeit von durchschnittlich 16 Jahren.

Könnten Sie im Betrieb einspringen und Aufgaben in der Küche oder im Service übernehmen?

Fehr: Eher nicht. Das Problem ist, dass sich das Unternehmen gerade in der Küche unwahrscheinlich weiterentwickelt hat. Die Produktionsverfahren ändern sich. Alle sieben Jahre werden die Restaurants komplett umgebaut. Demnächst wollen wir das Bestellsystem komplett umstellen. Ich bin zwar der Mann, der sich in der Küche wohlfühlt und nicht gerne an der Kasse sitzt, aber die Mitarbeiter in der Küche hätten wohl keine große Freude.

Verbringen Sie zu Hause mehr Zeit in der Küche?

Fehr: Ja, ich koche sehr gerne und auch ganz gut – das sagen zumindest meine Freunde. Ich habe fünf Kinder zwischen elf und vier Jahren. Die sind immer hungrig. Meine Frau hatte in Ostösterreich einen Bauernhof und führt jetzt einen Bio-Bauernhof in Deutschland. Wir haben Rinder, Schafe, Pferde und Hühner – und natürlich sehr viel Obst. Viel wird für den Eigenbedarf produziert.

Der Franchisenehmer von zehn Fast-Food-Restaurants hat einen Biobauernhof. Wie passt das zusammen?

Fehr: Als Biolandwirt behaupte ich nicht einmal, dass Bio besser ist. Im Gegenteil. Ich denke, dass gerade unsere Region ein Musterbeispiel für konventionelle Landwirtschaft ist. Die Qualität ist sehr hoch. Bio-Produkte kann McDonald’s nicht führen. Das spielt sich rein kapazitätsmäßig nicht. Aber wir setzen eben auf diese guten Produkte der heimischen Landwirtschaft. In unseren Betrieben haben wir eine gewisse „Ordentlichkeit“ wie bei den Bio-Produkten. Und wir werden ständig kontrolliert. Die Qualitätsanforderungen sind enorm hoch, denn jeder Fehler wäre eine Katastrophe. Das ist auch das, was ich meinen Mitarbeitern sage: Es geht nicht nur um meine Existenz, sondern auch um eure Arbeitsplätze. Kompromisse im Hinblick auf Verarbeitung und Qualität der Produkte können nicht eingegangen werden. Im Übrigen ist der Begriff „Fast Food“ nicht sehr zutreffend. „Good Food fast“ finde ich besser.

Sonja Schlingensiepen

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