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Bibel gestohlen: In zweiter Instanz verurteilt

800 Euro Strafe: Nach dem Freispruch am Bezirksgericht erfolgte am Landesgericht ein Schuldspruch wegen des Diebstahls einer Bibel.

Seff Dünser

Der vorbestrafte 52-Jährige hat beim Stadtmarkt in Bludenz am Stand einer evangelikalen Freikirche eine Bibel gestohlen. Zu dieser Überzeugung gelangte das Landesgericht Feldkirch. Es sprach den Angeklagten des Diebstahls schuldig. Der mit vielen einschlägigen und insgesamt mit 15 Vorstrafen belastete Bludenzer kam mit einer Geldstrafe davon. 800 Euro muss der besachwaltete Arbeitslose dem Gericht bezahlen – 200 Tagessätze zu je vier Euro. Das Urteil ist rechtskräftig.

Am Bezirksgericht Bludenz war der Angeklagte noch im Zweifel freigesprochen worden. Dagegen erhob die Staatsanwaltschaft Beschwerde. Das Landesgericht gab der Beschwerde Folge und hob das Ersturteil auf.

Den Schuldspruch begründete Richter Norbert Melter als Vorsitzender des Dreiersenats so: Der Angeklagte habe sich beim Stand aufgehalten, an dem die Bibel gestohlen wurde. Das habe der dort beschäftigte Vertreter der evangelikalen Freikirche als Zeuge schon am Bezirksgericht glaubwürdig angegeben. Weil er den Angeklagten als Dieb im Verdacht gehabt habe, sei der Kirchenvertreter ihm bis zu dessen Wohnheim nachgegangen. In diesem Haus sei die entwendete Bibel gefunden worden.

Als Milderungsgrund wertete das Zweitgericht vor allem die eingeschränkte Zurechnungsfähigkeit des unter Sachwalterschaft gestellten Angeklagten. Auch deshalb sah der Richtersenat vom beantragten zweifachen Widerruf ab, also von der Umwandlung von zwei bedingten Vorstrafen in unbedingte.

Kein Vermögenswert

Verteidiger Johann Meier hatte vor dem Urteil zudem darauf hingewiesen, dass die Bibel für den Täter offenbar keinen Vermögenswert dargestellt habe. Denn die Heilige Schrift sei „gleich irgendwo im großen Mehrparteienhaus abgelegt“ worden. Daher kämen auch andere Bewohner als Täter in Frage, sagte der Bludenzer Anwalt, der die Bestätigung des erstinstanzlichen Freispruchs forderte.

Zur Berufungsverhandlung erschien der Angeklagte nicht. Ihm konnte die Ladung nicht zugestellt werden. Denn der geistig behinderte Mann, berichtete sein Anwalt, lebe seit einem Jahr als Obdachloser auf der Straße – freiwillig.

Die Stadt Bludenz habe ihm zwar eine Sozialwohnung zur Verfügung gestellt, dort wolle der 52-Jährige mit der verminderten Intelligenz aber nicht leben. Ihn habe eine in der Wohnung seiner Meinung nach schief angebrachte Steckdose so gestört, dass er lieber obdachlos sei.

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