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Mary Rose

Vom royalen Flaggschiff zum gedeckten Tisch

Auf Reisen ist Unternehmenschef Stefan Grabher (48) immer auf der Suche nach dem Besonderen. Die gesammelten Eindrücke inspirieren dann die neue Kollektion.

Rubina Bergauer (Text) und

Philipp Steurer (Fotos)

Wenn der Unternehmer über das England des 16. Jahrhunderts spricht, dann ist seine Begeisterung spürbar. „Ich bin ein Fan der englischen Geschichte. Besonders interessant finde ich König Henry VIII. aber nicht, weil er seine Ehefrauen hinrichten ließ“, sagt der zweifache Familienvater und lacht. König Henry VIII. sei gesellschaftlich und politisch eine faszinierende Persönlichkeit gewesen. Das Flaggschiff des englischen Regenten, die „Mary Rose“, hat der Dornbirner bei einem Englandaufenthalt im Museum besichtigt und war nachhaltig beeindruckt.

Feminin und stark

Was aber hat dies alles mit Wohnaccessoires und Lifestyle zu tun? Nun, „Mary Rose“ ist der Name, den Grabher 1989 gemeinsam mit seinen damaligen Geschäftspartnern für sein Unternehmen gewählt hatte. „Wir verkaufen Heimtextilien, Kitchenware und Wohndeko. Diese Produkte werden nach wie vor eher mit Frauen assoziiert als mit Männern. Daher wollten wir einen femininen, aber zugleich starken Namen für unser Geschäft“, erklärt der Chef. Das ehemalige royale Kampfschiff Henry des VIII. schien die perfekte Namenspatronin zu sein.

Die Grundidee der Unternehmensgründung war es, eine Vertriebsschiene für Heimtextilien für den Großhandel sowie ein Factory Outlet, das „Mary ­Rose“, in Dornbirn zu etablieren. „Heute beliefern wir Konzerne in ganz Österreich, Deutschland und der Schweiz. Und wir haben ein weiteres Geschäft, in Innsbruck“, berichtet Grabher.

Für die Designs der Kollektionen zeichnet der Unternehmenschef persönlich verantwortlich. Der gelernte Einzelhandelskaufmann entwirft diese in den Schauräumen oberhalb des „Mary Rose“-Geschäftslokals in Dornbirn. Zusammen mit Geschäftspartner Günter Haid organisiert er auch den Großhandel. Gattin Andrea Grabher-Rhomberg verantwortet den Produktauftritt und die Werbegestaltung. „Wir glauben an den Grundsatz: Lieber weniger kaufen, dafür schöne und qualitativ hochwertige Sachen, an denen man lange Freude hat. Unsere Kunden möchten etwas Besonderes und das finden sie bei uns auch“, sagt der elegante 48-Jährige im Brustton der Überzeugung.

Wirtschaften mit Gewissen

Wirtschaften nach Grundsätzen sei wichtig, auch bei der Produktion. Die Geschäftsartikel stammen zwar hauptsächlich aus EU-Ländern, doch auch in der Türkei, Indien oder China wird produziert. „Wir leben in einer globalen Welt, daran lässt sich nichts ändern. Die Frage lautet: Wie gestalten wir diese Welt? Uns sind nachvollziehbare Produktionswege und passende Lebensumstände der Leute vor Ort wichtig“, erklärt der Unternehmenschef. Soziale Standards müssten eingehalten werden. Deshalb sei das Unternehmen auch BSCI, also Business Social Compliance Initiative, zertifiziert. Die BSCI bietet Wirtschaftsunternehmen ein systematisches Überwachungs- und Qualifikationssystem an, um die Arbeitsbedingungen von Menschen an den jeweiligen Produktionsstätten verbessern zu können. Denn wenn die Rahmenbedingungen passen, sei auch das Endprodukt stimmig. Bei „Mary Rose“ wolle man weg vom Überangebot des Wegwerf-Konsums. Es gelte hochwertige und besondere Produkte mit langer Lebensdauer an den Mann und die Frau zu bringen. „Bereits seit 1993 bemühen wir uns auch um eine ökologisch vertretbare Produktion. Das ist nicht immer einfach, doch wir tun unser Möglichstes“, berichtet Grabher.

In der Heimtextilienbranche gehört das Unternehmen mittlerweile zu den größten im deutschsprachigen Raum. Doch über eine Erweiterung will Grabher nicht nachdenken. Es gelte die Balance zwischen dem eigenen Alter und Wünschen zu halten. „Ich brauche keine Villa in Südfrankreich. Zeit ist mir wichtig. Für meine Familie, aber auch für mich. Wir reisen gerne und viel, das wäre nicht mehr möglich, wenn wir weiter expandieren“, philosophiert der Familienvater.

Pragmatischer Arbeitgeber

Ausschlaggebend für den Erfolg von „Mary Rose“ sei auch das tolle Team an Mitarbeitern, welches hauptsächlich aus Frauen bestünde. „Für diese Branche braucht es leistungsorientiertes Arbeiten und die Fähigkeit zum vernetzten Denken, da haben vor allem die Frauen überzeugt“, sagt der Chef und grinst.

Insgesamt verfügt das Unternehmen über 30 Angestellte, bei „Mary Rose“ in Dornbirn sind derzeit sieben Personen im Alter von 18 bis 56 Jahren beschäftigt. „Die Mädels sind für mich das, was die Marines für das US Militär sind: eine Elite-Truppe, die blitzschnell reagiert, zu hundert Prozent verlässlich ist und erfolgsorientiert arbeitet. Das sind Leute zum Pferde stehlen“, formuliert es Grabher. Der Dornbirner sei, laut eigenen Aussagen, weder ein guter, noch ein schlechter, sondern viel mehr ein pragmatischer Arbeitgeber: „Wenn ich gute Leute im Unternehmen halten will, muss ich auch etwas bieten. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Somit sei es auch kein Problem, wenn der Chef fünf Wochen in China weilt. Der Laden würde trotzdem laufen. „Wenn ich wieder zurückkomme, hoffe ich natürlich, dass meine Mannschaft mich noch braucht“, kommentiert dieser und lacht.

Auf Reisen lassen er und Ehefrau Andrea sich gerne inspirieren: „Wir genießen es, ein paar Wochen im Jahr gemeinsam mit unseren Töchtern in einer Großstadt wie New York, London oder Paris zu leben. Uns interessieren die Architektur und die Gastronomie. Wenn uns dann etwas Besonderes ins Auge sticht, überlegen wir, wie wir es in unser Produktsortiment eingliedern könnten.“

Und wie sieht das Zuhause des Chefs eines Heimtextilienunternehmens aus? „Wir wohnen in einem kleinen, renovierten Haus aus den 1960er-Jahren. Die Einrichtung ist schlicht, modern. Mit nicht vielen, dafür aber schönen Sachen. Alles andere wäre nur Ballast.“ Nach seinem liebsten Wohnzubehör gefragt, überlegt Stefan Grabher kurz und antwortet: „Ein schön gedeckter Tisch. Es sind oft die einfachen Sachen, die ein besonderes Lebensgefühl vermitteln. Eine schöne Tischdecke, tolles Geschirr, das bedeutet für mich: Zusammenkunft, Zeit zum Reden, Wertschätzung.“

„Mary Rose“

Verkauf von Heimtextilien und Wohndeko

Gegründet 1989

Geschäftsinhaber: Stefan Grabher

Angestellte: insgesamt 30, sieben Beschäftigte in Dornbirn

Infos: www.maryrose.at

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