Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Freie Fahrt am Pfänder – Stau bei Bludenz

Seit einem halben Jahr sind beide Tunnelröhren durch den Grenzberg am Bodensee freigegeben – Verkehrsprobleme haben sich verlagert.

Uwe Jauß

Einer der letzten schönen Oktobertage: Bergstiefel geschnappt, rein ins Auto, auf die Autobahn bei Lindau gesteuert, Verkehrsfunk angeschaltet. Kein Wort von einem Stau am fast sieben Kilometer langen Pfändertunnel gehört. Es gab dann auch keinen. Dieser Tage dasselbe Spiel: Skier ins Auto gelegt, Richtung Vorarlberg gefahren. Freie Fahrt durch den 1064 Meter hohen Berg am östlichen Bodensee. Damit ist für jene, die dort öfters unterwegs sind, ein Traum in Erfüllung gegangen. Die einst berüchtigte Staufalle am Pfänder existiert nur noch in der Erinnerung.

Vor einem halben Jahr waren beide Tunnelröhren für den Verkehr freigegeben worden. Und es ist wirklich so: Statt 20 Minuten vor einer einzelnen Röhre zu warten, geht es jetzt meist mit bis zu 100 Stundenkilometern nach Süden, beziehungsweise nach Norden. „Die Stauerscheinungen sind massiv zurückgegangen“, zieht Asfinag-Sprecher Christoph Pollinger eine erste Bilanz.

Die erste der beiden Röhren war 1980 für den Verkehr freigegeben worden. Dass eine zweite Röhre nötig werden würde, zeigte sich schon in den 1990er-Jahren. Allerdings wollte das Land Vorarlberg seinerzeit den Pfänder als eine Art Verkehrsbremse. Er sollte die Blechlawine ins Land kanalisieren. Die Zustände vor dem alten Tunnel wurden jedoch immer unhaltbarer. Weil in ihm auch noch Gegenverkehr herrschte, kam es zudem zu schweren Unfällen. Auch in diesem Punkt zeichnet sich eine Entspannung ab. „Seit beide Röhren offen sind, hat es keinen tödlichen Unfall gegeben“, sagt Pollinger. Auch laut Polizeistatistik blieb es bei einigen Blechschäden. Deshalb sagt der Asfinag-Sprecher: „Die Investition für die zweite Röhre hat sich in jeder Beziehung ausgezahlt.“

205 Millionen Euro Kosten

Insgesamt beliefen sich die Kosten des Projekts auf 205 Millionen Euro. Darin sind auch die Gelder für die Generalsanierung der alten Röhre enthalten. Ob die Investition aber alle glücklich machen würde, war schon früh infrage gestellt geworden. Als besonders heiße Diskussion entpuppte sich jene über die beliebte Korridorvignette. Fünf Jahre lang, bis zur Inbetriebnahme beider Röhren, durften Autofahrer für zwei Euro durch den Tunnel fahren. Ein kostspieligeres Pickerl blieb ihnen erspart. Auf diese Weise sollte die Mautflucht von der Autobahn herunter Richtung Lindau und Bregenz vermindert werden.

Nach österreichischer Gesetzeslage war jedoch klar: Sobald es eine freie Fahrt durch den Pfänder gibt, wird die Korridorvignette gestrichen. An den Ausweichstrecken durch Lindau-Zech, Hörbranz und Lochau sowie Bregenz herrschte deshalb Panik. Man sah sich schon im Verkehr ersticken. Die Befürchtung trat aber nicht ein. Ein automatischer Verkehrszähler an der Bregenzer Klause, wo die Ausweichstrecke direkt am Bodensee verläuft, registrierte weniger Autos – im Schnitt rund 2200 Stück pro Tag. Nicole Brugger, die in Lindau-Zech in einer Postannahmestelle arbeitet, bestätigt: „Der Verkehr hat abgenommen.“ In Hörbranz meint ein Tankstellenbetreiber, wenn es die Korridorvignette noch gebe, würde die Verkehrsbelastung wohl weiter zurückgehen. Für Österreichs Bundesregierung ist dieses Thema jedoch vom Tisch.

35.000 Autos pro Tag

Indes hat sich das Verkehrsaufkommen im Pfändertunnel gesteigert. Pro 24 Stunden ­fahren gegenwärtig 35.000 Autos unter dem Berg durch, 4000 mehr als vor einem Jahr. Tendenz steigend. Auch das war befürchtet worden – dieses Mal aber von den Bewohnern im Oberland, speziell von Bludenzern. Ihre Stadt liegt rund 60 Kilometer südlich des Pfänders an der Stelle, wo aus der vierspurigen Autobahn Richtung Arlberg eine zweispurige Schnellstraße wird. Dort wird die neue Stauzone liegen, hieß es schon vor Jahren.

So ist es gekommen, auch wenn das ganze große Elend zum Auftakt der Wintersportsaison ausgeblieben ist. Der Bludenzer Bürgermeister Mandi Katzenmayer hält dies aber für Zufall. Er kennt schon aus der Vergangenheit Tage, in denen nicht nur die Autobahn „zu“ war, sondern der Ausweichverkehr auch sämtliche Straßen seiner Stadt blockierte. Letztlich, sagt er, gebe es nur eine Möglichkeit, Bludenz zu entlasten: „Den vierspurigen Ausbau der Schnellstraße von Bludenz Richtung Arlberg.“ Sieben Kilometer wären das. Die geschätzte Kosten belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro. Das Problem dabei: Vor dem 14 Kilometer langen Arlbergtunnel wird die Strecke wieder zweispurig. Dann droht dort der Stau. Und eine zweite Röhre wird es unter den Arlberg hindurch die nächsten Jahrzehnte definitiv nicht geben.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.