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„Ich trank täglich eine Kiste Bier und eine Flasche Wodka“

Das Kaplan-Bonetti-Haus in Dornbirn bietet Menschen in Not vorübergehend eine Bleibe. Derzeit wohnen hier 80 Männer und 15 Frauen.

Martina Kuster (Text) und Klaus Hartinger (Fotos)

Fritz (49) hatte in seiner Jugend einen schlechten Umgang. „Ich hatte die falschen Freunde.“ Diese brachten ihn in Kontakt mit Drogen aller Art. Es fing mit Alkohol an – „zum Schluss trank ich am Tag eine Kiste Bier und eine Flasche Wodka“. Und hörte mit Heroin auf – „ich hing jahrelang an der Nadel.“ Die Drogensucht und eine Fußkrankheit haben ihn arbeitsunfähig und zum Sozialhilfeempfänger gemacht.

Joints geraucht

Seit zwei Jahren wohnt der Montafoner im Kaplan-Bonetti-Haus. „Vorher habe ich im Kolpinghaus in Götzis gelebt. Aber dort wurde ich hinausgeschmissen. Man hat mich beim Jointrauchen erwischt.“ Fritz sucht derzeit ganz intensiv nach einer Wohnung. „Ich möchte weg. Denn ich ertrage die Leute nicht“, sagt er und nimmt einen tiefen Zug an der Zigarette. Der 49-Jährige sitzt nicht allein im Aufenthaltsraum der Container-Siedlung. Drei Männer leisten ihm Gesellschaft. Jeder hat eine Dose Bier vor sich stehen.

Suchterkrankungen sind einer der häufigsten Gründe, warum Menschen ihre Wohnung verlieren und hier, im Kaplan-Bonetti-Haus, landen. „Wir sind ein erstes Auffangnetz für Menschen in Notlagen aller Art“, erklärt Peter Mayerhofer. Der Theologe leitet das Haus, das rund 100 Menschen Obdach gibt, seit 2007.

Als Männerheim eröffnet

Es sind vor allem Männer, die hier vorübergehend eine Bleibe finden: Männer, die eine Gefängnisstrafe hinter sich haben, eine Therapie abgebrochen haben, die überschuldet sind, die weggewiesen oder delogiert wurden. „Von den 100 Plätzen sind 60 Männerplätze. Derzeit leben bei uns aber 80 Männer und 15 Frauen“, informiert der Geschäftsführer.

Die Männerdominanz erklärt sich aus der Geschichte des Hauses. 1957 wurde es in Dornbirn als Männerheim eröffnet. Im „Haus der jungen Arbeiter“, das jahrzehntelang von Kaplan Bonetti geleitet wurde, kamen Arbeitsmigranten aus der Steiermark und Kärnten unter. Ab den 1980er- Jahren wandelte sich das Klientel. „Ab da wurden Menschen aufgenommen, die keine Arbeit hatten.“ Laut Mayerhofer ist der Bedarf an Frauenplätzen in den vergangenen Jahren gestiegen aufgrund der Tatsache, dass auch Frauen zunehmend Suchtprobleme haben.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer im Kaplan-Bonetti-Haus beträgt ein halbes Jahr. „Unser Ziel ist es, für den Klienten innerhalb eines Jahres eine Wohnung zu finden. Wir möchten ein Sprungbrett für ein eigenständiges Leben sein“, sagt Mayerhofer. Freilich: Das gelingt nicht immer. „Wir haben auch Bewohner hier, die schon zehn Jahre bei uns sind.“

Wegen der Generalsanierung des Kaplan-Bonetti-Hauses (siehe Artikel rechts) mussten seine Bewohner vor­übergehend in eine Containersiedlung ziehen.

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