Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

interview

Keine Kriegserklärung an die Volkspartei

Neos-Chef Chris Alge war Offizier, Weltreisender, erfolgreicher Unternehmer. Nun widmet er sich zu 100 Prozent der Politik, denn einige Entscheidungen der ÖVP kann er nicht nachvollziehen.

Herr Alge, wie haben Sie Silvester und Neujahr verbracht?

Chris Alge: Ich hab zusammen mit meiner Frau Liz und meinen Kindern bei uns daheim gefeiert. Bei unserem Haus hier unten an der Bregenzerach haben wir ein eigenes Feuerwerk gemacht – wie jedes Jahr.

Welche Vorsätze und Wünsche haben Sie für das kommende Jahr?

Alge: Vorsätze? Da bin ich ganz schlecht. Ich wünsche mir, im Jetzt zu leben. Wie ein Kind, das sich über jeden neuen Tag freuen kann. Und nachdem ich im Bregenzerwald lebe auch ein bisschen nach dem Motto: Wir ehren das Alte und grüßen das Neue.

Mit Jahresende haben Sie eine ganz neue Aufgabe übernommen. Sie sind jetzt Landessprecher der Neos.

Alge: Ja, nach meinen Stationen als Offizier beim Militär und als Unternehmer werde ich mich jetzt der Politik widmen, versuchen, meine Ideen und Visionen einzubringen. Mit den neuen Aufgaben stehen auch einige Veränderungen an. Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich machen durfte, habe ich keine Angst vor Veränderungen. Ich habe auf allen Kontinenten der Welt mindestens ein Jahr lang gelebt – zum Teil auch zusammen mit Indianern, Aborigines oder Maori.

Haben Sie sich vor der Übernahme ihrer Tätigkeit bei den Neos auch schon politisch engagiert?

Alge: Nein. Ich war aber immer schon politisch interessiert. Einmal war ich Mitglied des Unterstützungskomittees für Herbert Sausgruber. Das habe ich getan, weil ich Herbert Sausgruber als politisches und menschliches Vorbild sehe.

Bei ihren Aufenthalten im Ausland und auch bei Teambuilding-Seminaren auf ihrem Outdoorgelände haben Sie viele Menschen kennengelernt. Welche Personen haben eine Vorbildfunktion?

Alge: Diejenigen, die ihre Träume leben. Menschen, die den Mut dazu haben, Dinge zu versuchen und durchzuziehen. Und die bereit sind, auch Täler zu durchschreiten.

Wie sind Sie zu den Neos gekommen?

Alge: Matthias Strolz und Gerhard Loacker haben gefragt, ob ich mitarbeiten möchte. Den Matthias kannte ich davor nur aus dem Fernsehen. Offenbar hatte ihm jemand gesagt, dass irgendwo im Bregenzerwald ein politisch interessierter Mensch sitzt. Nein, Spaß beiseite. Es heißt immer, dass sich in den politischen Gremien ein Querschnitt der Bevölkerung widerspiegeln sollte. Das ist aus meiner Sicht im Moment nicht der Fall, und ich möchte dies ändern.

Ihr beruflicher Werdegang liest sich spannend. Sie haben die Militärakademie besucht, waren für die UNO im Einsatz?

Alge: Eigentlich wollte ich ja Kriegsberichterstatter werden. Nachdem ich ein Jahr freiwillig beim Heer war, habe ich mich um einen Platz an der Militär­akademie beworben. Unter 500 Bewerbern wurden 100 ausgesucht. Ich wurde Offizier und war dann sechs Jahre lang Kommandant für Katastropheneinsätze in Vorarlberg. Hier habe ich rund 200 Feuerwehrleute ausgebildet. 1989/90 bin ich dann ein Jahr lang für die UNO in Zypern gewesen. Nach meiner Zeit beim Militär habe ich viele Reisen unternommen.

Aber es ging wieder zurück ins Ländle?

Alge: Ja, Vorarlberg ist ein großartiges Land. Im Outdoor-Bereich war es aber nicht sehr präsent. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, Unternehmer zu werden. Der Weg hat mich nach Lingenau geführt, weil es dort die höchste Brücke in Vorarlberg gibt. Anfangs haben wir nur Bungeesprünge angeboten. Dann haben sich nach und nach andere Felder aufgetan. Wir veranstalten Firmenevents, Teambuilding-Maßnahmen.

Wie schaffen Sie es, Ihre Firma High 5 und Politik unter einen Hut zu bringen?

Alge: Ich werde mich künftig zu 100 Prozent der Politik widmen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es keinen Sinn macht, etwas anzufangen, wenn man nicht 100 Prozent dafür gibt. High 5 wird zwar meine Firma bleiben, die Guides werden aber mehr Aufgaben und Verantwortung übernehmen müssen.

Wie sind die Neos in Vorarlberg aufgestellt?

Alge: Wir haben ein kleines Parteibüro in Dornbirn, in dem unser Landeskoordinator arbeitet. Das ist der einzige, der ein Gehalt bekommt.

Sie wollen als Landessprecher zu 100 Prozent für die Partei arbeiten und verdienen nichts?

Alge: Richtig, ich bekomme kein Gehalt. Aber ich habe das Glück, finanziell unabhängig zu sein. Meine Aufgabe ist es, in dieser wichtigen Phase die Dinge zusammenzuführen.

Und dafür werden Sie Neos-Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen und bekommen ein Mandat?

Alge: Bei den Neos gibt es eine allgemeine Vorwahl, bei der im Prinzip jeder die Möglichkeit hat, Spitzenkandidat zu werden. Wenn es gewünscht wird, dass ich auf Platz eins kandidiere, werde ich dies gerne tun. Wenn es bessere Kandidaten gibt, ist das für mich auch in Ordnung. Ich will mich da nicht in den Vordergrund spielen. Wir sind ein tolles Team, haben 15 Arbeitsgruppen mit tollen Leuten. Je nach Bedarf werden wir die Trümpfe aus dem Ärmel ziehen.

Muss sich die ÖVP fürchten, deren Absolute spätestens durch das Antreten der NEOS weg sein dürfte?

Alge: Was man so hört, gibt es dort schon den einen oder anderen, der unruhige Nächte erlebt. Das ist meiner Meinung nach aber auch auf die Politik zurückzuführen, die bisher gemacht wurde.

Meinen Sie die Politik auf Bundes- oder auf Landesebene?

Alge: Auch auf Landesebene. Ein funktionierendes Team besteht aus Machern, Kontaktern, Analysten und Kreativen. Im Moment setzt sich die Landesregierung aus sieben Analysten zusammen. Aber es braucht auch andere Persönlichkeiten. Zudem kann es nicht sein, dass Markus Wallner daheim gegen Brüssel und Wien schimpft und bei den Koalitionsverhandlungen den Stillstand mitbeschließt. Das ist unehrlich und nicht der Vorarlberger Weg.

War der Vorarlberger SPÖ-Chef mutiger, der als einziger Landesobmann gegen die Neuauflage gestimmt hat?

Alge: Ich schätze die Arbeit aller drei Oppositionschefs. Dieter Egger macht gute Arbeit, ist viel bei den Menschen. Johannes Rauch ist ein ehrlicher und sympathischer Mann, und auch Michael Ritsch hat mit vielen Punkten Recht. Etwa was die Sache mit der Landwirtschaftskammer oder den Armutsbericht angeht. Deshalb kann ich es nicht verstehen, dass eine Partei die Ideen der anderen einfach wegwischt. So funktioniert keine Firma, kein System. Das ist Rückschritt, und davor muss Wallner Angst haben.

Ist das eine Kriegserklärung an die ÖVP?

Alge: Nein. Aber die ÖVP hat mit ihrer Absoluten viele Sachen in den Sand gesetzt. Ich denke da beispielsweise an das Schanzenprojekt im Montafon oder an den Radweg zwischen Egg und Doren.

Die Absolute hat die ÖVP unter Sausgruber zurückgeholt. Und den haben Sie unterstützt. Ist das nicht ein Widerspruch?

Alge: Nein. Sausgruber hatte einen anderen Führungsstil. Und damals hat die ÖVP noch nicht in ihrer eigenen Welt gelebt. Es kommt mir so vor, als hätte sie nach und nach den Bezug zur Bevölkerung verloren. Einige der führenden Köpfe mussten noch nie richtig arbeiten, um ihre Existenz kämpfen, wirklich Verantwortung übernehmen. Da ist einfach am Ersten des Monats viel Geld auf dem Konto.

Was ärgert Sie so an der Regierungspartei?

Alge: Eben, dass für 15 Millionen Euro mit unserem Geld eine Sprungschanze gebaut wird, die vielleicht 100 Sportler nutzen. Der attraktive öffentliche Sport für Biathleten und Langläufer bleibt außen vor. Das ist weltweit einzigartig und wie ein Fußballstadion ohne Tore. Jeder Unernehmer, der so etwas tut, steht in Feldkirch vor dem Konkursrichter. Und kein normaler Mensch würde um vier Millionen Euro einen bestehenden, zehn Kilometer langen Radweg mit fünf Kilometer Gitter verbauen, nur um die eigene Klientel zu bedienen. Mit einem Personalmanagement made by Neandertalern. Mit dem Kraftwerk Bregenz kommt die nächste ökologische Katastrophe auf uns zu. Markus Wallner sagt immer, dass Vorarlberg auf einem guten Weg ist und tut so, als ob dies ein Verdienst der ÖVP sei. Ich sage: Vorarlberg ist auf einem guten Weg wegen der Unternehmer, Arbeiter und Angestellten in diesem Land. Und Vorarlberg geht es darum gut – trotz der derzeitigen Politik.

Wofür wollen Sie sich auf politischer Ebene einsetzen?

ALGE: Für die vier V: Für Vorarl­berg, das ich immer geliebt habe. Für Verantwortung, die ich beruflich und familiär getragen habe. Für Visionen, die wichtig sind, um innovativ zu sein. Und für Vertrauen. Wenn uns die Leute ihres schenken, dann kommt für die Vorarlberger das Christkind in diesem Jahr schon im September.

Ziel der Neos ist also der Einzug in den Landtag. Wie sieht es mit einer Regierungsbeteiligung aus?

Alge: Das wäre eine Option. Aber mit der Regierungsbeteiligung ist es wie im privaten Leben: Lieber glücklicher Single als mies verheiratet.

Sonja Schlingensiepen

Zur Person

Nach der Offiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie war Alge sechs Jahre Kommandant einer Spezialeinheit. Ein Jahr war der Offizier für die UNO in Zypern im Einsatz. Reisen nach seiner militärischen Laufbahn führten Alge auf alle Kontinente der Welt.

Seit 1997 ist Alge Geschäftsführer bei der High 5 Outdoor GmbH. 1997 und 2003 erhielt er den Innovationspreis des Tourismus. Alge ist Gründer der Outdoortrophy sowie Outdoor-Akademie.

Der 50-Jährige lebt mit seiner Frau Liz und drei Kindern (das Vierte wird im Frühjahr zur Welt kommen) in Lingenau.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.