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Freeriden im kleinen ­Disneyland

Freeride-Weltmeisterin Nadine Wallner aus Klösterle zeigt „ihren“ Sonnenkopf. NEUE-Redakteurin Susanne Geissler und Fotograf Roland Paulitsch haben die 24-Jährige begleitet.

Susanne Geissler

Je höher die Gondel fährt, desto besser wird das Wetter. Die Sonne schiebt sich immer weiter durch die Wolken. Was zunächst recht trüb ausgesehen hat, entwickelt sich zu einem perfekten Skitag. Gleichzeitig mit der wachsenden Entfernung zum Tal hebt sich darum die Stimmung. Und auch das Gespräch wird immer lockerer, obwohl man mit Nadine Wallner eigentlich vom ersten Moment an ungezwungen plaudern kann. „Es ist möglich, hier am Sonnenkopf mit den Skiern bis vor meine Haustür zu fahren“, erzählt sie und grinst.

Nadine Wallner kennt das Gebiet wie ihre Westentasche. Mit acht Jahren zog sie von Lech nach Klösterle. Beinahe täglich war sie in ihrer Kindheit und Jugend im Winter irgendwo im näheren Umfeld des Arlbergs oder hier am Sonnenkopf auf Skiern unterwegs. Auch heute verbringt sie noch viel Zeit hier, vor allem im Gelände.

„Ursprünglich bin ich Rennen gefahren.“ Doch eine Verletzung und Knieprobleme in der Pubertät zwangen sie zum Aufhören. Nadine Wallner startete eine Skilehrerkarriere, wollte dann eigentlich Skicross probieren, machte aber stattdessen auf Anraten einer Freundin bei einem Open Freeride Contest mit. Dort qualifizierte sie sich für einen Hauptevent. Im ersten Jahr auf der Freeride World Tour wurde sie gleich Weltmeisterin.

Auch wir sind gerade auf dem ersten Höhepunkt unseres Ausflugs, nämlich der Bergstation, angekommen und steigen aus. Ein paar Schritte entferntbleibt Wallner erst einmal stehen und blickt um sich. „Die Rote Wand kann man heute besonders schön sehen“, sagt sie. Man spürt ihre Liebe zu den Bergen, ihre Sensibilität für die Schönheit der Natur. Für sie zählen nicht nur gut präparierte Pisten.

Genau zu wissen, wie die rundumliegenden Berge heißen, gehört für die mittlerweile staatlich geprüfte Skilehrerin und Skiführerin dazu. Sie nervt uns aber nicht mit einer Aufzählung der einzelnen Gipfel, sondern sagt einfach: „Der Sonnenkopf ist im Vergleich zum Arlberg nicht ganz so hoch. Rundherum liegen schön die Bergspitzen empor. Das macht ihn irgendwie gemütlich.“ Außerdem schätzt sie die Tatsache, dass man hier ganz einfach und schnell von den Pisten aus ins Gelände fahren kann. „Meine Freunde und ich nennen den Sonnenkopf daher ‚das kleine Disneyland‘, weil er so verspielt ist.“ Um uns das zu verdeutlichen, fährt die 24-Jährige mit uns zunächst mit einem kurzen Verbindungslift hinüber zur Obermuri-Sesselbahn. Da geht es dann hinauf. „Hier kann man zum Beispiel schön über einen kleinen Felsen springen“, sagt sie nachdem wir ein Stückchen bergauf gefahren sind und deutet nach links. Die Sesselbahn führt aber auch über die Rennstrecke des Sonnenkopfs. „Ich habe hier an einigen Rennen teilgenommen“, erzählt Wallner. Am Starthäuschen, das bei ihr immer einige schöne Erinnerungen auslöst, kommen wir vorbei, als wir später die Abfahrt hinunter schwingen. Zuvor zeigt sie uns aber noch die Ameisenspitze und die Lobspitze, auf die einige wunderschöne Touren möglich sind. Eine ganz besondere ist eine Tour, die am Rande der Lobspitze zum Fellimännle führt, von dort kann über einen freizügigen Hang ins Silbertal abgeschwungen werden, und über den Kristberg gelangt man wieder zurück ins Klostertal. Dazu braucht man allerdings schon einen ganzen Tag.

Einkehrschwünge

So viel Zeit haben wir leider nicht. Wallner lächelt. „Wir können es auch hier auf den Pisten schön haben“, sagt sie. Sie genießt es genauso, einfach auf den Pisten zügig ins Tal zu ziehen. Das tun wir dann auch. Zum Einkehren gibt es auf dem Sonnenkopf mehrere tolle Möglichkeiten, findet Wallner. Wir kommen beim neuen Bergrestaurant Muttjöchle vorbei. Gehen allerdings nur hinein, um uns eine Schokolade zu kaufen. Die verspeisen wir dann genüsslich nicht unweit im Gelände. „Normalerweise nehme ich mir einen Müsliriegel oder einen Apfel mit und esse den dann irgendwo, wo es mir gefällt“, erklärt Nadine. Passt zu einer Naturfrau. Weil es in letzter Zeit nicht geschneit hat, sind einige Bahnen und Abfahrten gesperrt, unter anderem auch die Talabfahrt. Das macht aber nichts. Wir haben einen sehr guten Eindruck vom Sonnenkopf bekommen.

Ein Schneeloch

„Und auch wenn es jetzt vielleicht nicht so scheint, ist der Sonnenkopf eigentlich ein wahres Schneeloch“, betont Wallner. Es gibt zum Beispiel keine einzige Schneekanone hier, alles ist Naturschnee. In der Gondel talwärts erzählt uns Nadine noch, wie sie als Jugendliche mit einigen Freunden einen zwei Meter hohen Kicker, also eine Sprungschanze, hier am Sonnenkopf gebaut hat. „Zuerst hat sich dann aber niemand getraut, darüber zu springen“, erzählt sie lachend. Eine nette Anekdote, wenn man bedenkt, dass sie sich heute waghalsig Abhänge hinunterschmeißt. „Durch eine gekennzeichnete Waldabfahrt komme ich zu unserem Haus“, sagt sie und deutet nach unten. Puh, nein. Da fahren wir lieber gemütlich mit der Gondel hinunter.

Sonnenkopf

Der Sonnenkopf ist eines der wenigen Skigebiete in Österreich, das bislang keine Schneekanonen einsetzt. Der westliche Teil des Skigebiets besteht fast ausschließlich aus blauen Pisten, der östliche Teil aus roten Abfahrten.

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