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interview

„Kooperationen haben einen hohen Stellenwert“

Roman Kopf (53) ist seit Dienstag neuer Bürgermeis­ter der Gemeinde Röthis. Im Interview spricht er über die Stärken seiner Gemeinde, sozialen Wohnbau und regionale Identität.

In vielen Gemeinden ist die Suche nach einem Bürgermeister nicht immer einfach. Sie waren stellvertretender Schulleiter an der Landesberufsschule in Bregenz. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, diese Stelle aufzugeben und ins Rathaus zu wechseln?

Roman Kopf: Es war natürlich ein längerer Entscheidungsprozess. Als mein Vorgänger Norbert Mähr in seine letzte Amtsperiode gestartet ist, wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, seine Nachfolge anzutreten. Das wollte ich jedoch nur unter der Bedingung tun, dass ich vorher eine Zeit lang im Gemeindevorstand mitarbeiten kann. Um mir ein Bild von den Themenbereichen zu machen, die auf mich zukommen würden. Dabei habe ich festgestellt, dass die Arbeit eines Bürgermeisters eine interessante und vielfältige Tätigkeit ist. Und nach 25 Jahren im Schuldienst wollte ich eine neue Herausforderung annehmen.

Wie hat Ihre Familie reagiert?

Kopf: Meine Ehefrau war nicht unbedingt begeistert davon, künftig möglicherweise mehr im Blickfeld der Öffentlichkeit zu stehen. Sie hat die Entscheidung jedoch mitgetragen und unterstützt mich bei der Bewältigung meiner neuen Aufgabe. Wir haben auch zwei Kinder, aber die sind bereits 24 und 25 Jahre alt. Wären sie noch sehr klein, hätte ich das Amt vermutlich nicht übernommen. Das ist aber glücklicherweise nicht der Fall.

Wie schätzen Sie Röthis als Kommune ein? Wo liegen Stärken und wo mögliche Schwächen?

Kopf: Eine Stärke ist sicherlich das gut funktionierende Vereinsleben. Wie gut es einer Gemeinde geht, hängt oft auch davon ab, wie viele Menschen sich freiwillig engagieren. Und in dieser Hinsicht sind wir in Röthis sicherlich sehr gut aufgestellt. Natürlich gilt es, diese Kultur der Gemeinschaft weiterhin zu pflegen. Bei meinem Masterstudium Lehramt für Politische Bildung habe ich mich für meine Abschlussarbeit längere Zeit mit der Gemeinde Langenegg auseinandergesetzt. Denn für mich ist diese ein Vorbild, was „Engagementkultur“ betrifft. Welche Impulse dort von der Bevölkerung ausgehen, und wie sich die Kommune durch den Einsatz der Bürger verändert hat, ist faszinierend. Und das wäre meiner Meinung nach auch in Röthis möglich. Dabei ist sehr vieles denkbar. Beispielsweise, dass drei oder vier Freiwillige sich entschließen, für neu Zugezogene eine Mappe zu gestalten, in der die wichtigsten Informationen über die Gemeinde zusammengefasst sind. Es braucht dafür kein großes Budget, aber der Zusammenhalt in der Bevölkerung wird verbessert. Und vielleicht werden ja auch andere dadurch animiert, sich zu engagieren und neue Impulse zu setzen.

Und welche Projekte werden Sie als Bürgermeister beschäftigen?

Kopf: Zuerst einmal bin ich noch dabei, in meinem Büro Ordnung zu schaffen. (lacht) Es sind in der Gemeinde bereits einige größere Vorhaben in Planung. So muss etwa die Volksschule dringend saniert werden. Das Gebäude ist bereits in die Jahre gekommen. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten im Bereich der pädagogischen Arbeit einiges geändert. Dafür braucht es auch ein neues Raumkonzept, etwa um eine qualitativ hochwertige Mittags- oder Ganztagesbetreuung anbieten zu können. Bei der Renovierung der Bildungseinrichtung soll dies berücksich­tigt werden. Außerdem steht die Sanierung des Kanalsystems an. Dieses wurde von Experten untersucht. Es liegt derzeit zwar nur ein Vorbericht vor, aber es ist bereits absehbar, dass wir in den kommenden zehn Jahren sehr viel Geld in diesem Bereich investieren müssen.

Für viele Gemeinden ist die finanzielle Lage ein Problem. Wie ist die Situation in Röthis?

Kopf: Wir waren in den vergangenen Jahren eigentlich in einer sehr guten Situation. Dadurch, dass es in unserer Gemeinde eine stattliche Anzahl von Arbeitsplätzen – immerhin knapp 1000 bei einer Einwohnerzahl von 1900 – gibt, sind unsere Kommunalsteuereinnahmen immer leicht angestiegen. Einen positiven Einfluss hatte dabei sicher der Interpark Fokus mit seinen knapp 400 Arbeitsplätzen. Allerdings leiden wir wie viele andere Kommunen unter den steigenden Kosten für Spitals- und Sozialfond. Auch der finanzielle Aufwand für den öffentlichen Verkehr ist größer geworden, während die Förderungen des Bundes zurückgegangen sind. Der Gestaltungsspielraum für die Gemeinde wird dadurch natürlich immer kleiner. Umso wichtiger ist es, Einsparungsmöglichkeiten zu finden.

Wäre es wünschenswert, wenn es mehr Unterstützung des Landes oder des Bundes für die Kommunen gebe?

Kopf: Vor allem beim Spitals- und Sozialfond müssen Lösungen gefunden werden, damit es nicht jährlich Kostensteigerungen gibt. Wenn diese in sechs bis sieben Jahren etwa circa 70 Prozent betragen, so sind das zusätzliche Kosten von zusammen etwa 300.000 Euro. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, stehen viele Gemeinden vor massiven Problemen. Und gerade für eine flächenmäßig kleine Kommune wie Röthis ist es nicht so leicht, neue Einnahmequellen zu erschließen. Wir können nicht einfach ein neues Betriebsgebiet schaffen, weil wir dafür keinen Platz haben. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, genügend Wohnraum zu haben, damit die jungen Menschen nicht abwandern. Denn wenn die Einwohnerzahl sinkt, sinken auch die Einnahmen für die Gemeinde.

Wie begegnen Sie diesem Problem?

Kopf: Im Unterdorf steht uns eine knapp 6000 Quadratmeter umfassende freie Fläche zur Verfügung. Dort sollen neue private und soziale Wohnungen entstehen. Es wird eine Ausschreibung geben, bei der verschiedene Projektentwickler ihre Vorschläge einbringen können. Danach werden wir uns seitens der Gemeinde für das unserer Meinung nach bes­te Bauvorhaben entscheiden. Wichtig ist dabei vor allem die soziale Ausgewogenheit.

In Sachen Finanzen ist auch die regionale Zusammenarbeit ein Thema. Wie sehen Sie dies?

Kopf: Kooperationen haben einen hohen Stellenwert. Gerade für kleinere Gemeinden wäre es sonst nicht möglich, gewisse Probleme zu lösen. Im Rahmen der Regio Vorderland-Feldkirch wurde etwa im vergangenen Sommer eine Ferienbetreuung angeboten. Jede Kommune für sich hätte dies sicher nicht stemmen können. Wichtig ist auch die Zusammenarbeit im Bereich der Verwaltung. Allerdings muss man sich genau anschauen, welchen Nutzen die Gemeinde hat. So haben wir etwa in Röthis einen eigenen Mitarbeiter, der sich um die Finanzen kümmert. Also ist es für uns derzeit noch nicht unbedingt sinnvoll uns an der gemeinsamen Finanzverwaltung der Regio zu beteiligen. Wir stehen einer möglichen Zusammenarbeit aber grundsätzlich positiv gegenüber.

Geht es bei den Kooperationen auch darum, eine regionale Identität zu schaffen? Gegen das Kirchturmdenken anzugehen?

Kopf: Ich denke schon. Wenn man von den Blumenegg-Gemeinden oder der Region amKumma spricht, weiß jeder, was gemeint ist. Bei der Regio Vorderland-Feldkirch sind wir leider noch nicht ganz so weit. Dabei ist es wichtig, Erfolgserlebnisse aufzuzeigen. Der Bevölkerung bewusst zu machen, in welchen Bereichen die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen gut funktioniert. Auf diese Weise nimmt auch das Kirchturmdenken noch mehr ab.

Die Arbeit als Bürgermeister ist sehr zeitintensiv. Haben Sie sich schon eine Strategie überlegt, um sicherzugehen, dass Ihnen Zeit für das Privatleben bleibt?

Kopf: Gerade der Herbst war eine arbeitsintensive Zeit. Ich war noch an der Landesberufsschule Bregenz tätig und habe mich parallel dazu auf die Übernahme der Amtsgeschäfte vorbereitet. Nun kann ich mich voll auf meine Aufgabe als Bürgermeister konzentrieren. Von daher empfinde ich dies momentan eher als Entlas­tung. Zudem hat mein Arbeitsweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln früher knapp zwei Stunden pro Tag in Anspruch genommen. Jetzt benötige ich zu Fuß knapp vier Minuten. Mit dem Fahrrad geht es noch schneller. Also spare ich alleine damit sehr viel Zeit ein. Zudem genieße ich es, dass ich ab und an in der Mittagspause nach Hause gehen und diese Zeit mit meiner Frau verbringen kann.

Michael Steinlechner

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