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­Immer mit der Ruhe

Susi Moll liebt schnelle Bretter. Aber die Snowboarderin schätzt ebenso die „Vorzüge der Langsamkeit“. Diese genießt die gebürtige Andelsbucherin in ihrem Heimat-Skigebiet. Etwa dann, wenn sie mit dem doch schon etwas behäbigen Lift in Richtung Gipfel fährt.

lisa krekel

Nur wenige Autos stehen auf dem Parkplatz der Bergbahnen Andelsbuch. Trotz des sonnigen Wetters an diesem Tag. Keine Warteschlangen an der Kassa, kein Gedränge vor dem Lift und nur wenig befahrene Pisten. Susi Moll will auf die Niedere hinauf. Das Skifahren dort gibt ihr das Gefühl des „Nach-Hause-Kommens“. Sie schätzt die familiäre Atmosphäre. Diese wird schon an der Liftkasse spürbar. Doris Feuerstein von den Bergbahnen Andelsbuch ist Susis Nachbarin und freut sich sichtlich, die 26-Jährige hier zu sehen.

Dann geht es los: Rein in die Zweier-Sesselbahn, diese setzt sich in Bewegung und schaukelt gemütlich den grünen Hang empor. Noch ist weit und breit kein Schnee zu sehen. Denn, um Snowboard oder Skier anschnallen zu können, muss erst die in 1600 Meter Höhe gelegene Bergstation erreicht werden. Und dazu ist ein Umstieg von einem Zweier-Sessellift in den anderen nötig.

Für jeden, der der Hektik entfliehen will, der auch Einfaches zu schätzen weiß, ist die 30-minütige Liftfahrt genau das Richtige. Es gibt keine manuellen Förderbänder, sondern Mitarbeiter der Bergbahnen persönlich helfen beim Umstieg in den Sitz und wünschen einen schönen Tag. Susi genießt die Fahrt sichtlich. Sie sitzt entspannt da, einen Fuß in der Snowboardbindung, der andere baumelt lässig herunter. Unter dem Lift zieht ein Waldstück vorbei. Nach der Hälfte der Strecke lohnt es sich dann, einen Blick über die Schulter zu werfen. Denn es bietet sich ein weitläufiger Ausblick über den Bodensee. An klaren Tagen wie diesem ist sogar Konstanz auf der anderen Seeseite zu sehen. Aber nicht die Aussicht ist das Besondere für Susi, sondern die Erinnerung an Kindheitstage: „Früher haben wir immer zu zweit in dem Lift gehockt und uns Geschichten ausgedacht. Die lange Fahrt macht erfinderisch“, erzählt sie und lächelt dabei.

Schlepplift statt Gondel

Anders als erwartet liegt oben an der Bergstation verhältnismäßig viel Schnee. Dennoch war es heuer in Andelsbuch bisher noch nicht möglich, alle Pisten freizugeben. Von insgesamt sieben Liften sind nur fünf geöffnet, an eine Talabfahrt bis zum Parkplatz ist im Moment nicht zu denken. „Aber in der Mulde kann man eigentlich immer fahren, da passen die Bedingungen“, erzählt Susi, während sie aus dem Sessel aussteigt. Mit nur einem Fuß in der Bindung rutscht sie das kurze Stück zum nächsten Lift. Auch auf dem Berg gibt es keine modernen Sessellifte mit Sitzheizung und Haube. Die Sportler begnügen sich mit Schleppliften. Einzig die Kabinenbahn in Bezau befördert ihre Gäste in einer geschlossenen Gondel auf den Berg. Sind Schlepplifte nicht gerade für Snowboarder etwas unangenehm? „Nein, das passt schon“, sagt Susi und lacht. „Die Wege sind ja nur kurz, das ist kein Problem. Und für die Freeride-Abfahrten lohnt es sich eh, auch mal den Schlepplift zu nutzen.“ Aber nicht nur für passionierte Freerider wie Susi ist das Skigebiet geeignet: Breite blaue Pisten und ein übersichtliches Areal machen Andelsbuch für Familien mit Kindern attraktiv. „Das ist noch einer der Vorteile hier“, sagt die Snowboarderin. „Ein Kind kann ganz allein herumfahren. Keiner geht verloren.“

Zuhause in Andelsbuch

Nach einer kurzen, dafür aber steilen Fahrt mit dem Schlepplift ist das Köpfle erreicht. Mit zwei flinken Handgriffen hat Susi ihre Bindung angeschnallt und schon pflügt sie mit ihrem Snowboard durch die noch unberührten Hänge. Als sie wieder auf die Piste gelangt, blickt sie zurück und begutachtet die Spur, die sie im frischen Schnee gezogen hat. „In anderen Skigebieten ist so etwas nicht möglich. Da sind ab Mittag nur noch Buckel auf der Piste. Hier kann man den ganzen Tag super Abfahrten machen“, erzählt sie. „Da ist alles viel gemütlicher und entspannter.“

Susi ist „zu Hause“ angekommen: Auch auf den beiden Hütten oben im Skigebiet wird die Snowboardcross-Fahrerin von allen Seiten gegrüßt. Sie nimmt das gelassen, denn trotz ihres sportlichen Erfolgs ist die Wälderin auf dem Boden geblieben, freut sich über die Begrüßungen. Die meis­ten Leute hier kennt sie eh schon lange: „Leos Hütte gibt es schon, seit ich denken kann. Da haben wir schon als Kinder gesessen, Kakao getrunken und Pommes mit Ketchup gegessen.“ Im Inneren der Hütte prasselt ein Feuer im Kamin, die Einrichtung ist rustikal und die Küche gutbürgerlich. Die Hütte, die eigentlich „Berg­restaurant Niedere“ heißt, wird von Leo und seiner Frau Irene betrieben. Nur wenige Meter vom Restaurant entfernt steht eine Kapelle, gebaut aus hellem Holz. Um dorthin zu gelangen, muss der Neugierige einige Meter durch den tiefen Schnee stapfen. „Vor einigen Jahren hat Irene eine schwere Krankheit besiegt“, erzählt Susi, während sie die Türe aufstößt und die Kapelle betritt. „Aus Dankbarkeit dafür hat sie dann diese Kapelle hier bauen lassen.“ Durch die Fenster fällt das Sonnenlicht auf ein abgegriffenes Buch. In das können Besucher ihre persönlichen Wünsche und Hoffnungen eintragen. Auch aus diesem Jahr sind schon Bemerkungen zu finden. Noch schnell mit dem Smartphone ein paar Fotos für das private Album gemacht und schon geht es wieder auf die Piste.

Entspannung mit Ausblick

Ziel ist diesmal das Panoramarestaurant Baumgarten. Auch mit diesem verbindet Susi eine persönliche Geschichte: „Nach einer Verletzung bin ich fast jeden Tag hochgekommen und hab’ mich auf die Sonnenterasse gesetzt.“ Und dafür musste sie nicht mal das Snowboard anschnallen, denn die Gondel endet direkt vor dem Eingang. „Und man hat einen phantastischen Ausblick“, sagt Susi, lässt sich auf einen Liegestuhl nieder und trinkt einen Schluck vom Skiwasser. Etwas weiter links sind Gleitschirmflieger beim Starten zu sehen. Auch im Winter eignet sich die Niedere Höhe als Abflugplatz. „Jetzt sind noch verhältnismäßig wenig Leute da, im Sommer wimmelt es nur so von Fliegern“, weiß Susi zu berichten.

Bei den Bedingungen lässt sie es sich dann nicht nehmen, nach dem Skiwasser auf der Sonnenterasse noch ein paar Abfahrten zu machen. Viel Zeit hat Susi allerdings nun nicht mehr: Zum Mittagessen ist sie mit ihrer Oma im Panoramarestaurant „Baumgarten“ verabredet.

andelsbuch

Das Skigebiet Niedere und die Bergbahnen Andelsbuch bieten insgesamt 22 Pistenkilometer und sieben Lifte. Besonders beliebt sind die sieben Kilometer lange Familienabfahrt sowie die Vielzahl an Tiefschneehängen.

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