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Die moderne Wunderbahn

Michael Manhart ist Geschäftsführer der Skilifte Lech und des neuen Auenfeld-Jets. Der 72-Jährige hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Traum der Skiverbindung zwischen Lech und Warth Wirklichkeit geworden ist. Auf seinem Schreibtisch liegen bereits Pläne für weitere Vorhaben.

Sonja Schlingensiepen

Ein paar Skifahrer warten, dass sie in der Talstation Weibermahd in Lech in den Achtersessel einsteigen dürfen. Doch der Schranken geht noch nicht auf. Zunächst fährt – am selben Seil hängend – eine Gondel vorbei. Diese ist Richtung Tal unterwegs. Zwei der Skifahrer schauen etwas verwundert der Gondel hinterher, bevor sie in den Sessellift Richtung Gipfel einsteigen.

„Das ist die moderne Wunderbahn“, sagt Michael Manhart mit einem zufriedenen Lächeln. Der Geschäftsführer der Skilifte Lech ist studierter Maschinenbauer und so etwas wie der Geburtshelfer der nach vielen Jahren Wirklichkeit gewordenen Verbindung zwischen Warth und Lech.

Herzstück der Verbindung

„Hier, in der Talstation Weibermahd, ist das eigentliche Herzstück“, erklärt Manhart. Vom Auenfeld aus kommen die Gondeln hinauf. Zwischen die Achtersessel wird immer wieder eine Zehnergondel eingeklinkt. Und so fahren jeweils zwei Sessel sowie eine Gondel zur Bergstation Weibermahd. Und natürlich auch wieder zurück ins „Herzstück“. Die Gondeln wechseln dort erneut das Seil und gleiten sanft zum Auenfeld hinab.

Auf Erkundungstour

„Eine faszinierende Lösung“, staunt einer der Skigäste. Schon seit Jahren kommt der Berliner nach Lech, kennt Manhart natürlich. Der Stammgast steigt ebenfalls in die neue Verbindungsbahn. Zusammen mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern will er heute die Pisten in Warth erkunden. Ob die Hütte da unten bewirtschaftet ist, will der Deutsche vom Lecher wissen. „Nein, die ist privat. Seit Herbst gibt es dort sogar Strom.“ Dies sei im Zuge des Baus der Verbindungsbahn möglich geworden. Und auch die Stromleitung durch das Auenfeld sei unter der Erde verschwunden.

Schnell haben auch die anderen Skigäste mitbekommen, dass mit Michi Manhart ein Experte in der Gondel Richtung Warth-Schröcken sitzt. Die Gelegenheit, um ein paar Fragen zu stellen: Was passiert, wenn es stürmt? „Der Sonnenjet in Warth ist der Lift, der dann als Erstes abgestellt wird. Und die Wunderbahn läuft auch ohne Gondeln. Wir können das schon so steuern, dass nur die Weibermahdbahn fährt.“

Manhart ist zugleich auch der geborene Fremdenführer. Geduldig erklärt er, welche Hütten bewirtschaftet sind oder dass das Gewässer weiter unten die Bregenzerach ist. „Die fließt dann in den Rhein. Der Lech hingegen in die Donau. Etwas weiter oben ist nämlich die europäische Wasserscheide.“

Weiße Hänge ziehen vorüber. Eine Lawinensprengmaschine ist zu sehen. Und weckt Erinnerungen. „Vor einigen Jahren bin ich sogar mal mit dem Sprengmeister auf den Rüfikopf gegangen. Der Rucksack war voll mit Sprengladungen“, erzählt der Berliner. Manhart lacht und ergänzt: „Das waren die Zeiten, als man die Zündschnüre noch mit der Pfeife angezündet hat. Die hat dann immer etwas nach Teer geschmeckt.“ Das sei heute nicht mehr so, weil die Zündschnüre jetzt mit Kunststoff ummantelt sind und mit einer Zündmaschine elektrisch angezündet werden.

Allzu viele Lawinen mussten die Lecher in diesem Jahr noch nicht sprengen. Von Ausflügen ins freie Gelände rät der Geschäftsführer der Lecher Skilifte seinem Gast jedoch dringend ab. „Nur für Fachkundige oder mit Führer. Der Schwimmschnee wird oft unterschätzt“, mahnt er.

70 Zentimeter liegen derzeit im Nobelskiort am Arlberg. Über Schneemangel sollte also niemand klagen. Rund 60 Mitarbeiter tragen täglich Sorge dafür, dass die Pisten bestens in Schuss sind. 30 Pistenmaschinen sowie 430 Schneekanonen in Lech, Oberlech und Zürs stehen zur Verfügung. „Mehr als 950.000 Kubikmeter Schnee werden während einer Saison produziert“, weiß Manhart. Die Kanonen würden auch bei guter Schneelage benötigt. Weil das weiße Gold beim Umwälzen verdunstet. „Ist viel los auf den Pisten, wird auch viel Schnee benötigt.“

Ordner und Pläne

Sein Büro hat Manhart beim Schlegelkopflift. Im Sitzungszimmer stapeln sich unzählige Ordner und Pläne. Darunter auch einer, der einen neuen Beschneiungsteich und -anlagen vorsieht. 20 Millionen Euro würde die Umsetzung kosten. „Im Moment beziehen wir das Wasser aus dem Lech. Mit einem Speichersee im Skigebiet könnten wir teils Energie einsparen, die wir brauchen, um das Wasser hochzupumpen.“ Und auch in den Jahren mit wenigen Kälteperioden vor der Wintersaison könnte das gesamte Skigebiet kurzfristig beschneit werden.

Auch der Schlosskopf- und der Madlochlift sowie jener am Zuger Berg sind in die Jahre gekommen und sollen erneuert werden. „Bei der Beschneiungsanlage erwarte ich, dass sich alle an den Investitionskosten beteiligen, die vom Tourismus profitieren“, erklärt Manhart. „Der Betrieb ist dann Sache der Lifte.“ Und bevor wirklich saniert wird, müssten die Verantwortlichen natürlich noch das Okay der derzeit noch zögernden Grundstücksbesitzer einholen.

Bei so viel Plänen und Aktenwälzen bleibt dem 72-Jährigen wenig Zeit zum Skifahren. „Ich war schon seit drei Jahren nicht mehr mit den Ski auf der Piste. Möchte aber demnächst mal wieder gehen.“ Doch das Skigebiet lässt sich mit einem Skidoo ebenso gut erkunden.

Nach der ausführlichen Besichtigung der Wunderbahn geht es in den Stall. Nur wenige Meter von der Skipiste entfernt liegt der Schottenhof. Hier halten die Verantwortlichen der Skilifte Lech über 20 schottische Hochlandrinder. Doch was haben Rindviecher mit Skifahren zu tun? „Sie helfen, der Lawinengefahr vorzubeugen. Wenn sie im Sommer auf der steilen Piste weiden, fressen sie die überständige Vegetation weg. Dadurch, dass sie auf der Weide umherlaufen, festigen sie den Hang.“ Manhart verschwindet kurz, kommt dann mit einer Handvoll altem Brot zurück. Die Rinder stürmen ans Gitter, um ein Stück zu erhaschen.

Hauben-Hütte

Zum Schluss hat Manhart noch ein Gustostück auf dem Programmzettel: Mittagessen in der Hauben-Hütte Rud-Alpe. „Kein Geheimtipp – jeder weiß es.“ Und Manhart hat Recht: Obwohl es schon nach ein Uhr ist, ist kaum ein Sitzplatz in der urigen Holzhütte zu finden. Am runden Tisch, im ehemaligen Pferdestall, sitzen ein paar Holländer. Die inzwischen verstorbene, niederländische Prinzessin Juliana sei seine Taufpatin bei der Bruderschaft St. Christoph gewesen, erzählt ihnen Manhart. Die Holländer sind beeindruckt, wollen mehr wissen über die niederländische Königsfamilie in Lech. Und natürlich über Prinz Friso. Aber das ist Privatsache der holländischen Königsfamilie.

LEch & Zürs

Erst mit dem Ausbau des Flexenpasses im Jahr 1897 wurden Lech und Zürs an das Straßennetz angeschlossen. Skipionier Viktor Sohm hielt 1906 den ersten Skikurs für Einheimische ab. Mit dem ersten Gruppenskikurs 1923/24 begann der organisierte Tourismus. Heute zählt Lech-Zürs zu den zwölf exklusivsten Tourismusdestinationen „Best of the Alps“.

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