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Die Schattenseiten gesehen, aber auch Blütezeiten erlebt

Höhen und Tiefen gibt es in jedem Leben, sagt Landesrätin Greti Schmid. Nach 19 Jahren in der Politik will die Göfnerin das Leben danach genießen. Im Herbst steht erst einmal eine Reise nach Indien auf dem Programm.

Sonja Schlingensiepen

Unzählige Orchideen stehen auf dem Fensterbrett im Büro der Landesrätin. „Nicht sehr oft gießen und ab und zu die Luftwurzeln abschneiden. Das empfehlen die Gärtner zwar nicht, aber ich tu es trotzdem. Meistens während ich telefoniere“, sagt Greti Schmid. Staunässe sollen diese Pflanzen nicht vertragen. Das interessiert Schmid nicht. Und die Pflanzen stört dies offenbar ebenfalls wenig, denn diese blühen – seit Jahren. Unter den Pflänzchen befindet sich sogar ein Exemplar, das die Landesrätin zum Dienstbeginn geschenkt bekommen hat. Und der ist ja auch schon ein paar Tage her.

Ein Leben nach der Politik

14 Jahre sind vergangen, seitdem die gebürtige Südtirolerin ihr Amt als Landesrätin angetreten hat. „Jetzt ist es Zeit, an Jüngere zu übergeben. Es gibt schließlich auch ein Leben nach der Politik. Ein Leben mit der Familie und mit Freunden. Und sicher auch mit einem Engagement im Ehrenamt“, sagt Schmid. Welche Tätigkeit genau sie ins Auge gefasst hat, will sie allerdings noch nicht verraten.

Ob sie der Landeshauptmann gedrängt habe, ihr Amt zurückzulegen? „Nein, Markus Wallner hat mich letztes Jahr gefragt, ob ich wieder kandidieren will. Ich hatte mir die Sache gut überlegt und bereits vor Monaten beschlossen, dies nicht mehr zu tun. Ich werde heuer 60 Jahre alt. Mein Mann geht nächstes Jahr ebenfalls in Pension.“

Wahlkampf im September

Das Verhältnis zu Markus Wallner ist gut. „Ich werde ihn bis zum Schluss voll unterstützen und natürlich auch für den Landeshauptmann in den Wahlkampf ziehen. Ich bin davon überzeugt, dass er der Beste für Vorarlberg ist.“ Wahlkämpfen empfindet die 59-Jährige nicht als Belastung. Im Gegenteil. „Ich bin gerne unterwegs, versuche die Leute zu informieren, zu überzeugen. Auf Menschen zu zugehen und mit ihnen zu reden ist etwas, das mir Spaß macht.“ Die Gespräche mit Menschen sind es auch, die Greti Schmid als ers­tes einfallen, wenn sie nach den positiven Seiten ihres Jobs gefragt wird.

Weniger positiv in Erinnerung werden die unsachlichen Diskussionen bleiben. „Aber das ist in der Politik leider so. Sehr betroffen gemacht hat mich der Brand im Pflegeheim Egg und der tragische Tod eines Kindes. Was diesen Fall betrifft, kann man alles in die Wege leiten – mehr Personal, mehr Information, mehr Kontrolle, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass man nicht immer und überall dabei sein kann. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich solch tragische Ereignisse nicht wiederholen.“

Rücktrittsforderungen nach Pflegeheimskandalen, nicht gerade wertschätzende Äußerungen in Onlineforen. Wie geht eine Politikerin damit um? „Auch das gehört zum Job dazu. In jedem Leben gibt es Höhen und Tiefen. Nur mein Leben ist eben öffentlich gewesen. Man muss lernen, damit umzugehen. Sicher ist es das erste Mal recht heftig. Und auf Kritik, die anonym im Internet geäußert wird, reagiere ich gar nicht. Das lese ich nicht. Wer mir etwas sagen will, kann mir gerne ein Mail schicken oder mich anrufen.“

Keine Angst

Im Laufe der insgesamt 19 Jahre, die Schmid nun in der Politik tätig ist, hat sie Nehmer-Qualitäten entwickelt. Sie bevorzugt die klaren Worte. Erschrecken kann sie offenbar wenig. Ist das Amt im Herbst übergeben, wird Schmid nach Indien fliegen. „Mein Mann, ein Physiker, arbeitet im Bereich Qualitätsmanagement für ein Liechtensteiner Unternehmen und hat beruflich dort zu tun. Während er arbeitet, werde ich zusammen mit unserer inzwischen 33-jährigen Tochter durch Indien reisen.“ Angst hat Schmid davor nicht. Es ist wie in jedem anderen fremden Land: Es gilt, gewisse Regeln zu beachten.

Ganz so fremd sind ihr Länder wie etwa Kolumbien, Nepal, Tansania oder Äthiopien, die sie teils privat, teils beruflich besucht hat, inzwischen nicht mehr. „In Afrika war ich im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit. Das war unheimlich beeindruckend. Du fährst vier, fünf Stunden durch eine völlig andere Landschaft. Plötzlich bist du in einem Dorf. Die Böden in den Hütten sind nur aus Lehm. Der Brunnen im Dorf ist das Kostbarste, das die Menschen haben. 60 Kinder in einer Schulklasse sind glücklich darüber, dass sie die Möglichkeit haben, etwas zu lernen. Da relativieren sich die Dinge.“

Schöne Erinnerungen hat Greti Schmid von ihren Reisen mitgebracht. Und auch ein paar, über die sie schon vor Ort schmunzeln musste. „Nach Tansania hatte ich meinen Gelsenstecker mitgenommen. In die Steckdose hat dieser auch wunderbar gepasst, so dass ich nicht unter dem Moskitonetz geschlafen habe. Und erst am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass es gar keinen Strom gab.“

Kalte Bettflaschen

In Nepal war es in der Nacht furchtbar kalt gewesen. Die Gastgeber meinten es gut mit den Gästen und brachten warme Bettflaschen. „Gefunden haben wir die allerdings erst am späten Abend. Sie standen vor unseren Türen und waren natürlich nicht mehr warm“, erinnert sich Schmid.

Für die Entwicklungszusammenarbeit würden dieselben Grundsätze gelten wie für den Sozialbereich: Die Menschen unterstützen, sie begleiten und ihnen so weit helfen, dass ein eigenständiges Leben möglich ist. Der Sozialbereich gilt als einer, bei dem es um viel Geld und auch viele Befindlichkeiten geht. „Eine Gratwanderung zwischen zu viel, zu wenig, zu teuer. Und es gibt nicht immer nur Schönes zu berichten. Im Gegenteil. Oft sind es die Schattenseiten des Lebens, die abgebildet werden. Aber das klingt jetzt alles so negativ. Ich hatte auch viele positive Erlebnisse.“

Stolz ist Schmid auf das „Kinder lieben lesen“-Projekt. Eltern bekommen ein Buch, wenn ihr Kind sechs Monate alt ist. „Es geht darum, dass man sich mit dem Kind beschäftigt, ihm vorliest, die Sprache fördert. Vielen ist das vermutlich gar nicht bewusst, wie wichtig dies ist.“ Auch den Ausbau der ambulanten Dienste, das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz oder die Einführung des „case-managements“ zählt Schmid zu den Highlights der vergangenen Jahre. „Allerdings kannst du als Politikerin alleine nicht so viel bewirken. Du brauchst gute Mitarbeiter und vor allem viele Haupt- und Ehrenamtliche, die sich für die Menschen engagieren.“

Viele Blüten

Die Orchideen in Greti Schmids Büro scheinen sich der Landesrätin angepasst zu haben. Sie zeichnen sich durch hohe Lebensdauer aus, treiben Blüten. Und sie sind nicht empfindlich, auch wenn es mal recht nass hineingeht.

Greti Schmid

Greti Schmid wurde am 24. Mai 1954 in Bruneck, Südtirol, geboren.

Nach der Matura an der Handelsoberschule in Bozen studierte sie Biologie an der Universität Innsbruck und promovierte 1979 dort.

Ihre politische Betätigung begann Schmid in Göfis. Von 1995 bis 2000 war sie Gemeindevertreterin und Obfrau des Sozialausschusses.

In den Jahren 1999 und 2000 war sie Landtagsabgeordnete für die ÖVP.

Seit Oktober 2000 ist sie Landesrätin für Familie, Frauen, Jugend und Senioren, Soziales, Pflege und Betreuung, Entwicklungszusammenarbeit, Informatik sowie Telekommunikation.

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