Kontakt

Neue Zeitungs GmbH
Gutenbergstraße1
6858 Schwarzach

Phone: 0043 5572 501 500

Berufsbegleitender Master Klinische Soziale Arbeit

Erfolgreicher Spagat zwischen Beruf und Studium

Studium und Job unter einen Hut zu bekommen, dieser Herausforderung stellte sich Katharina Nigsch. Und sie rät: Bei einem berufsbegleitenden Studium das Arbeitspensum auf 75 Prozent reduzieren.

Sechs Monate hat Katharina Nigsch auf Guam, der größten und südlichste Insel des Marianen-Archipels im westpazifischen Ozean, verbracht. Die 35-Jährige aus Sonntag ließ dort aber nicht ihre Seele baumeln. Im Gegenteil. Sie absolvierte im „Department of Youth Affairs“, der Jugendstrafanstalt von Guam, ein Langzeitpraktikum. Ein Pflichtteil im Rahmen ihres Bachelor-Studiums Soziale Arbeit.

Intensive Praktikumszeit

Das Eiland ist ein Außengebiet der USA (nichtinkorporiertes Territorium). Der Grund: Auf der Insel befindet sich ein strategisch wichtiger Luftwaffenstützpunkt der USA. Und somit erfolgt die Rechtssprechung häufig nach kalifornischem Gesetz, überhaupt ist das öffentliche System stark amerikanisch geprägt. „Daher waren in der Strafanstalt nicht nur jugendliche Kriminelle. Sondern auch Kinder, die etwa in Österreich von Mitarbeitern pädagogischer Einrichtungen betreut werden würden. Auf Guam gibt es keine Stiftungen, die sich dieser Heranwachsenden annehmen. Unser jüngster Klient war acht Jahre alt“, erzählt Katharina. Vieles, was sie dort gesehen und erlebt hat, war für die damals angehende Sozialarbeiterin fast unerträglich. So musste ein Teenager weiterhin in der Jugendstrafanstalt bleiben, weil die Verantwortlichen nicht wussten, wohin mit ihm. „Seine Strafe hatte er bereits abgesessen. Da er aber psychologische Betreuung benötigt hätte und es eben keine entsprechenden Einrichtungen gibt, blieb er halt weiterhin im Gefängnis“, sagt die Absolventin der Fachhochschule Vorarlberg (FHV) in Dornbirn. Dennoch möchte sie die Praktikumszeit nicht missen. Denn vieles lernte sie während dieser Zeit und konnte während des Studiums gelernte Theorie praktisch anwenden.

Quereinsteigerin im Job

Die Arbeit mit Heranwachsenden war für Katharina vor ihrem Langzeitpraktikum kein Neuland. Denn die Großwalsertalerin hat bereits vor ihrem Studium bei der Stiftung Jupident gearbeitet. Diese ist eine der ältesten Sozialeinrichtungen des Landes. Seit über 100 Jahren werden Kinder und Jugendliche mit Handicaps dort betreut und auf ihren künftigen Platz innerhalb der Gesellschaft vorbereitet. „Zur Stiftung kam ich als Quereinsteigerin und arbeitete als Betreuerin sechs Jahre in einer Kinderwohngruppe“, erzählt Katharina Nigsch. Dieser Job bereitete ihr Freude. Doch mit der Zeit bemerkte sie, dass eine solide Ausbildung zwingend nötig sei, um in diesem Bereich weiterhin zu arbeiten. So beschloss Katharina, die Türe zur Berufswelt vorübergehend zu schließen und jene zur Studienwelt zu öffnen. Die 35-Jährige schrieb sich an der FHV für das Studium Soziale Arbeit ein. Sechs Semester studierte sie Vollzeit. Dann hatte sie den Bachelor in der Tasche und kehrte in einer neuen Funktion in ihren alten Job zurück. „Mir war aber damals schon klar, dass ich gerne noch den Master machen möchte“, berichtet die Großwalsertalerin. Nach einem Jahr im Berufsleben war für sie dann die Zeit da, den Master in ihrem Studienfach mit Vertiefung auf „Klinisch Soziale Arbeit“ in Angriff zu nehmen. Bei dieser Vertiefung werden neben beispielsweise sozialwirtschaftlichen Grundlagen auch Inhalte bezüglich psychosozialer Diagnose oder etwa Interventionsstrategien vermittelt. „Vor allem der Einzelfall, also die Arbeit mit einzelnen Klienten, steht hier im Fokus“, erklärt Katharina.

Manfred Ganahl, Geschäftsführer der Stiftung Jupident, und Bereichsleiter Markus Müller hatten Verständnis für den Bildungshunger ihrer Mitarbeiterin. „Wären mir meine Vorgesetzten nicht entgegengekommen, wäre das alles nicht möglich gewesen. Und natürlich auch nicht ohne die Unterstützung meiner Familie und Freunde. Sicherlich, das Privatleben hat schon darunter gelitten und viele Urlaubstage sind für das Studium draufgegangen“, sagt Katharina.

Viele Nachtdienste

Trotz guter Organisation und des familiären Rückhalts war die Zeit der Doppelbelastung für Katharina anstrengend. „Jeder, der berufsbegleitend studiert, sollte sein Arbeitspensum auf 75 Prozent reduzieren“, rät sie. Montag bis donnerstags war sie in der Stiftung aktiv, freitags und samstags drückte sie die Studienbank. „In der Zeit habe ich sehr viele Nachtdienste absolviert. So habe ich Berufliches und Studium gut auf die Reihe gebracht“, ist sie überzeugt.

Das Schöne an dem Masterstudiengang war für sie, dass sie montags die Theorie gleich in der Praxis anwenden konnte. „Aber genauso konnte ich mir Lehrinhalte besser vorstellen, weil ich die Realität ja kannte“, berichtet sie.

Natürlich hatte sie während des Studiums auch mal das ein oder andere Tief. „Aber ich habe mich ja freiwillig dazu entschieden. Und im Großen und Ganzen war es eine gute Zeit. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir eine ganz tolle Gruppe gewesen sind. Wir haben uns gegenseitig unterstützt. Das hilft ungemein, auch mal ein Tief zu überwinden“, erinnert sie sich.

Straff und gut organisiert ist der Masterstudiengang. „Dieser ist mit Studiengangsleiter Michael Himmer sehr gut aufgestellt. Ich hatte immer das Gefühl, dass ihm die studentische Perspektive sehr wichtig ist. Aber auch bei Barbara Kaiser und Steffi Gehrer von der Administration habe ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt“, lobt Katharina die gute Organisation.

Zeitintensiv war die Erstellung der Masterarbeit mit dem Titel „Soziale Netzwerkforschung bei Kindern – ein Vergleich fremduntergebrachter (Stiftung Jupident/Vorarlberg) mit nicht fremduntergebrachten Kindern im Alter von neun bis zwölf Jahren“. Diese hat Katharina gemeinsam mit Maria Elisabeth Hulwa verfasst. „500 Stunden haben wir dafür aufgewendet. Wissen wollten wir, wie sich die sozialen Netzwerke von fremduntergebrachten Kindern zu Mädchen und Buben unterscheiden, die in ihren Familien leben“, erklärt die Großwalsertalerin. Dazu befragten die Frauen bei je zwei Interviewterminen aus jeder Gruppe neun Kinder. „Das war wirklich sehr aufwendig. Jedes Gespräch dauerte mindestens eine Stunde und dann mussten diese noch transkribiert und ausgewertet werden“, berichtet Katharina. Aber auch hier fühlte sich die 35-Jährige von der FHV nicht im Stich gelassen. „Was die Forschung angeht wurden wir hervorragend vorbereitet.“

Newway award

Ihr Einsatz wurde schließlich mit dem „newway award“ belohnt. Mit dem Preis fördert die Industriellenvereinigung Initiativen, welche die Innovationskraft in Vorarlberg stärken. „Die Auszeichnung ist gut für das Ego. Denn ich hatte schon einen dezenten Leistungsanspruch an mich“, sagt sie und grinst. Nur Positives kann sie von ihrer Abschlussprüfung berichten: „Diese war sehr gut. Und ich konnte zeigen, dass ich das Gelernte auch verstanden habe“, sagt Katharina.

Nach ihrem FHV-Abschluss kehrte sie zurück in die Stiftung Jupident. Bereits seit ihrem Bachelor-Abschluss hat sie die Teamleitung einer Kinderwohngruppe inne. Ist die Türe zur Studienwelt nun endgültig geschlossen? „Vorerst schon. Nun möchte ich mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren. Und das Gelernte im Alltag anwenden. Aber wer weiß, was noch kommt“, meint sie.

Dunja Gachowetz

„Ich hatte schon einen leichten Leis­tungsanspruch an mich.“

Katharina Nigsch, Absolventin des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Klinische Soziale Arbeit“

Übersicht

Bezeichnung: Masterstudiengang Soziale Arbeit

Dauer: 4 Semester, durchschnittlich zirka 16 Wochenstunden pro Semester

Studienzeit: Freitag 14 bis maximal 21.30 Uhr, Samstag bis 17 Uhr sowie eine Blockwoche pro Semester

Organisationsform: berufsbegleitend

Studienplätze pro Jahr: 24

Studienbeginn: Mitte September

Zugangsvoraussetzungen: Abgeschlossenes Bachelor- oder Diplomstudium beziehungsweise gleichwertige postsekundäre Bildungsabschlüsse mit psychosozialer Qualifikation und Diplomsozialarbeiter (DSA)

Bewerbung: Bis 15. Mai

Akademischer Abschluss: Mas­ter für sozialwissenschaftliche Berufe (MA)

Informationsabend: Donnerstag, 6. März, 18 Uhr an der FHV; www.fhv.at/studium/soziales/soziale-arbeit-m

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Entdecken Sie die NEUE in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.